Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1881)
- Date
- 1881-12-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1223 Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Mainz, 1. Dezember. Soeben geht uns der Rechenschaftsbericht zu über die israel. Lehrerbildungs-Anstalt in Würzburg für das siebenzehnte Jahr ihres Bestehens, herausgegeben vom Vorsteher derselben, Herrn Districts-Rabbiner Nathan Bamberger. Auch in dem verflossenen Jahre hat die Anstalt in derselben Weise segensreich gewirkt, wie bereits seit der ganzen Zeit ihres Bestehens. Vierzehn Zöglinge wurden im verflossenen Jahre aus der Anstalt entlassen. Dieselben haben die Austrittsprüfung am königlichen Schullehrerseminar in Würzburg mit sehr gutem Erfolge bestanden und sind in die Praxis übergetreten. Die Gesammtzahl der in der Anstalt ausgebildeten jüdischen Lehrer beträgt nunmehr einhundertundsechs. Im vorigen Jahre war beschlossen worden, daß, da der Zudrang zu der Anstalt sich von Jahr zu Jahr vergrößerte, dieselbe, analog den königlichen Schullehrerseminarien, nur aus den eigentlichen zwei Seminarcursen bestehen solle, während der gesammte Vorbereitungsunterricht in den Vorbereitungsschulen ertheilt werde. Nachdem diese Aenderung die Genehmigung der Regierung erhalten hatte, wurde sie mit Beginn des vorigen Schuljahres zur Ausführung gebracht. Die Anstalt ist dadurch in ein neues, sehr erfreuliches Stadium getreten, da sie nunmehr eine größere Anzahl von Seminaristen anfzunehmen vermochte. Die Anstalt wurde im verflossenen Jahre von einunddreißig Zöglingen besucht, von welchen sechzehn Verköstigung, Wohnung, Unterricht 2c. völlig unentgeltlich erhielten, während sieben die ganze und acht die theilweise Verköstigung bezahlten. Die Anstalt wurde auch im verflossenen Jahre von ihren zahlreichen Freunden und Gönnern reichlich unterstützt. Die Summe der Beiträge belief sich auf beinahe dreizehntausend Mark, während die Ausgaben nicht ganz vierzehntausend-fünfhundert Mark betrugen. Das Deficit wurde durch die Zinsen des vorhandenen Kapitals mehr als gedeckt. Das Gesammtvermögen der Anstalt beläuft sich nunmehr aus beinahe vierundsechzigtausend Mark. Möge der Segen des Allgütigen fort und fort auf dieser Anstalt ruhen. Das Gute, was sie leistet, ist unermeßlich. Wir können dieses Referat nicht schließen, ohne des unvergeßlichen Gründers der in Rede stehenden Anstalt zu gedenken. Es bewährt sich dabei der Ausspruch der heiligen Schrift: hd-d} pns -or. Mainz, 2. Dezember. Es liegen uns einige Nummern einer neuen, in jüdisch - deutscher Schrift herausgegebenen Zeitung vor. Dieselbe heißt der „Kolonist" und erscheint in Bukarest. Sie hat sich die Aufgabe gestellt, unsre Glaubensgenossen zur Betreibung des Ackerbaues zu veranlassen. Als Motto steht an der Spitze der Bibelvers: „Wer den Erdboden bebauet, wird Sättigung genießen." (Mischte Cap. 12, V. 11.) Die Sprache ist der jüdisch-deutsche Jargon, wie er in den Ländern des Ostens gesprochen wird. Goldbach bei Aschaffenburg, 18. Nov. Bei der vorgestrigen Gemeindewahl wurde der seitherige Bürgermeister einstimmig wieder gewählt. Dagegen sind sämmtliche Gemeindebevollmächtige bei der Wahl unterlegen und durch neue Mitglieder ersetzt worden. Bemerkenswerth dürfte es sein, daß sich unter denselben auch ein Israelit, nämlich Herr Louis Lob, befindet, der von 142 Wahlstimmberechtigten 65 Stimmen erhielt. Könitz, 3. Nov. Vor der hiesigen Strafkammer kam gestern die Anklage gegen mehrere Stadtverordnete zu Landeck wegen Verkaufs ihrer Stimmen zur Bürgermeisterwahl zur Verhandlung. Als Angeklagte erschienen der Kaufmann Falk, der Fleischermeister Nathan, der Kaufmann Gompel, der Handelsmann Herz Beer und der Lithograph Meier. Letzterer bewarb sich um die Bürgermeisterstelle in Landeck, erhielt aber bei der Wahl keine Stimme. Meier erzählte nachher, daß Falk durch Gompel und Nathan durch Herz Beer von ihm Geldversprechungen für ihre Stimmen erhalten hätten. In der Neustettiner antisemitischen „Nordd. Presse" stand dann ein Artikel, daß bei der letzten Bürgermeisterwahl in Landeck von Seiten „jüdischer Stadtverordneten" ihre Wahlstimmen an den Meistbietenden verkauft seien. Natürlich erhoben die antisemitischen Blätter z. B. auch die „Germania" ein lautes Halloh hierüber. Es kam aber anders. Der königliche Staatsanwalt erhob darauf die Anklage gegen die Obengenannten, die sich fast ausschließlich auf die unbeeidigte Aussage des Meier gründete. Von der Vertheidigung wurde die Unglaubwürdigkeit des Antisemiten Meier nachgewiesen, auch wurde festgestellt, daß dieser versucht hatte, den Pfarrer Hartwich durch Versprechungen von Geldvortheilen für seine Wahl günstig zu stimmen, und daß die vier erstgenannten Angeklagten sich in höchster Entrüstung über den Meier geäußert hatten, als dieser bemerkt hatte, daß er sich, falls er gewählt werde, erkenntlich zeigen werde. Der Gerichtshof sprach, laut der „Danz. Ztg.", sämmtliche Angeklagten frei, weil durch die unglaubwürdige Aussage des Meiers die den Angeklagten zur Last gelegte That und damit auch die den Meier selbst beschuldigende That nicht erwiesen worden sei. (Allg. Ztg. D. I.