Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1881)
- Date
- 1881-12-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXII. Jahrgang. Erste Anlage zu tlr. 49 -es Israeli!. Leitender Artikel. Literarischer Jericht. Von 8. „Handelsgeschichte der Juden des Alterrhums." Von vr. L. Herzfeld. Braunschweig. (Meyer.) 1879. VI u. 344 S. Wenn von jndenfeindlicher Seite den Inden der ihnen innewohnende Handelsgeist zum Vorwurfe gemocht , von den Verthcidkgern dagegen geltend gemacht wird, das; dieser Handclsgeist ihnen erst in den Zeiten der Verfolgungen anfgedrungeu worden sei dadurch, daß man ihnen jedes ehrsame Handwerk verboten habe: so will der Verfasser vorliegenden Werkes von einer solchen Vertheidigungsart nichts wissen; seine Ausgabe ist es nachzuweisen, das; die Inden von jeher, wenn auch kein Handelsvolk, doch ein handeltreibendes Volk gewesen seien, daß ihre Kaufherren schon in alten Zeiten alle Handelsstraßen befahren und alle Handelsplätze besucht haben, die reichen Prodnete ihres Landes ausführend und die der Fremde hcimbringend. Der Handelsgeist sei den Juden von gebieterisch geschichtlichen Vorgängen aufgenöthigt worden, aber darum gereicht ihnen dies nicht zur Schmach, weil es ja überhaupt thöricht wäre, den Handel an sich als ein nicht ehrsames Gewerbe ansehen zu wollen. Wenn in alter Zeit der Juden Kaufleute gern aus den Märkten des großen Verkehrs gesehen wurden, so beweist das wohl am besten, daß ihr Handel ein redlicher gewesen, ein solcher, der sich vor den Augen der Welt nicht scheu verkriechen mußte. Es liegt dem Vers, daran nachzuweisen, „daß die Juden — abgesehen von ihrer religiösen und ethischen Mission sowie von den sonstigen Leistungen ihres Geistes — auch gerade durch die Ausübung, Entfaltung und Belebung hier des großen, dort des kleinen Verkehrs sich um den Productenabsatz, um die Hebung der Industrie, um den Wohlstand und das Behagen, so selbst umdieCultur so vieler Völker große Verdienste erworben haben". Was nun den Inhalt des Werkes betrifft, so müssen wir bedauern, daß der Vers, sich nicht hat dazu entschließen können, seine kritischen Operationen an dem Pentateuch für einen Augenblick außer Spiel zu lassen. Für die Handelsgeschichte an sich ist es ■a ganz irrelevant, ob der „Segen Mosis" aus einer Patern Zeit stammt oder nicht, und was dergleichen mehr in criticis vorgebracht wird. Wir hätten so gern dem Werke so ganz aus vollem Herzen unser ungethciltes Lob ertheilt; die bibelkritischen Stellen, welche Interpolationen als so ganz selbstverständlich voraussetzen, machen uns dies unmöglich. Jedoch soll uns dies nicht hindern dem Fteiße, von dem dieses Werk zeugt, dem wissenschaftlichen Material, das in demselben in so großer Fülle trefflich bearbeitet ist, der Gründlichkeit, mit welcher der Vers, gearbeitet hat, unsre Anerkennung zu zollen. Die Handelswege, welche Palästina durchschnitten, die Maaren, die ein- und ausgcsührt wurden, über Alles belehrt uns der Vers. Die trefflichen Untersuchungen über die im Talmud vorkommenden Namen fremdländischer Erzeugnisse erregen unser ganzes Interesse, manche Enträthselungen schwieriger stellen sind geradezu frappant. Ties eingehend ist die Untersuchung über die Lage Ofir's, welche den Vers, zu dem Resultate führt, daß dieses Land in Süd-Arabien gelegen war. Der Vers, versteht es, dem Leser diese Annahme plausibel zu machen und die Schwierigkeiten, welche diese zu bieten scheint, zu heben. Ueber die Gediegenheit der Untersuchungen der Münz- und Maßverhältnisse brauchen wir hier nichts mehr hinzuzusügen, da die ersprießliche LchäUgkeit des Vers, auf diesem Gebiete bereits hinlänglich bekannt ist. — So haben wir hier ein Werk voll gediegener Gelehrsamkeit vor uns, bei dem wir nur bedauern, daß wir, wie wir schon oben erwähnt, unser Lob nur getheilt spenden können. „Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur." Von Dr. David Cassel. Leipzig 4879. (Brockhaus.) XI u. 364 S. 8°. Bereits im Jahre 1868 hat der Vers, in seinem „Leitfaden für den Unterricht in der jüd. Geschichte und Literatur" das „Lehrbuch", das jetzt vor uns liegt, in Aussicht gestellt. Daß der Vers, das Material der jüd. Geschichte vollkommen beherrscht, hat er schon bei vielen Gelegenheiten dargethan, vollkommen wird es bezeugt durch den knappen aber zugleich präcisen Ton, in welchem das vorliegende Werk gehalten ist. Dieser Ton aber ist es auch gerade, der dieses Buch zu einem in der Schule mit Nutzen zu gebrauchenden Lehrbuche und für den Erwachsenen zu einer interessanten Lectüre macht. Auch das Zeugniß, daß der Vers, es „versucht hat" — und es ihm auch gelungen ist — „seinen Gegenstand