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Der Israelit · 1881-12-07 · Heft 49 (7.12.1881) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 49 (7.12.1881)
Date
1881-12-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1220 „ „Du kennst ihn nicht? Hast Du ihn nicht gedungen, mich zu ermorden, und für meinen Kopf Gnade von den Römern zu erlangen?"" „Wie kannst Du, mein König, Solches von mir glauben? Ich kenne diesen Mann nicht, ich habe ihn meines Wissens nie gesehen, niemals ein Wort mit ihm gewechselt." „Welch freche Lüge!" schrie Ephraim, „der Diener der großen Synagoge kam dazu, als wir Alles miteinander verabredeten." „„Holet den Synagogendiener herbei!"" befahl Bar Kochba. Seinem Befehle wurde Folge geleistet. „Dieser Mensch", Tagte Rabbi Elasar, „ist wahnsinnig oder ein Lügner; ich wiederhole es: Ich kenne ihn nicht und habe niemals mit ihm gesprochen. Wohl sehe ich das Verderben vor Augen und wünsche es abzuwenden: aber durch keine andere Mittel als durch heiße Gebete, die ich zu Gott, dem Allmächtigen, emporsende." Der Synagogendiener wurde hereingeführt. „Kennst Du diesen Manu?" fragte ihn Bar Kochba. „„Wer sollte Rabbi Elasar Hamudai nicht kennen!" " „Und diesen da?" fragte der König weiter, auf Ephraim deutend. „„Ich kenne ihn nicht näher, nur so von Ansehen. Heute Nachmittag nach dem Schluffe des Gottesdienstes kam er in die Synagoge. Das Gotteshaus war leer. Es befand sich Niemand drin als Rabbi Elasar Hamadai, der seiner Gewohnheit gemäß noch lange betet, wenn die Andern schon längst die Synagoge verlassen haben. Schon mehr als eine Stunde war verflossen, nachdem der Gottesdienst beendet war, als ich hineintrat, um das Haus zu schließen. Da fand ich diese beide Männer im eifrigen Gespräche miteinander."" Bei diesen Worten übermannte Bar Kochba die Wuth; er stürzte auf seinen Oheim zu. „Verräther," schrie er, „wagst Du noch immer, Deinen schwarzen Verrath zu leugnen! Die Mörderhand hast Du gegen mich gedungen. Elender, ich zertrete Dich mit meinem Fuße." Und er erhob seinen Fuß und stieß ihn mit furchtbarer Gewalt gegen den zitternden Greis. Rabbi Elasar Hamudai siel tödtlich getroffen zur Erde nieder. „„Was hast Du gethan,"" sprach er röcheln!/ „„hast Deinen treuesten Freund getödtet. O Gott, strafe ihn nicht dafür, sei ihm und meinem Volke gnädig!"" Bei diesen Worten hauchte er seine Seele aus. (Fortsetzung folgt.) Per Hang zur Synagoge.') Volkssage. Sabbatmorgen ist es wieder; buntes Drängen und Gewoge Wälzt sich laut zn Worms am Nheine hin zurFrauensynagoge. Fern von Kanaan's Gefilden feiert heilt' als fromme Schaar Still vereint das Volk der Juden andachtsvoll sein neues Jahr. Ueberfüllt sind schon die Räume, und die hehren Lieder schallen. Daß der liebe Gott sie höre durch die hochgewölbten Hallen, Sieh', da eilet durch die -Straßen, keuchend, mit erhitztem Leib, Als die Letzte hin zum Tempel einsam noch ein junges Weib. Kummerbleich sind ihre Wangen; doch sie lächelt sonder Schmerzen, Denn sie trägt als Hiinmelsgabe Muttersegen unterm Herzen. Ihrem Gott den Dank zu bringen bei der heil'gen Kerzen Schein, Biegt sie fröhlich in ein enges, menschenleeres Gäßchen ein. Als sie hastig weiterschreitet, kömmt entgegen ihr ein Wagen, Um die Rosse saust die Peitsche, daß sie schnaubend um sich schlagen. Für die Angsterfüllte gibt es fein Entrinnen links und rechts, Und sie bleibt erzitternd stehen vor der Wuth des Pferdeknechts. Flehend hebt sie ihre Hällde, doch den Wüthrich freut ihr Beben, Und ihn schreckt nicht, daß vernichten leicht er kann ein Doppelleben. In Verzweisiuug drückt die Arme rückwärts sich an eine Wand, Aufgestiebt vom Huf der Thiere, weht um sie der Straßensand. Sturmgleich fährt daher der Wagen, und ihr Herzschlag stockt vor Schauer. Schon will sie das Rad erfassen! Sieh', da weicht zurück die Mauer! Das Verderben geht vorüber, das die Bosheit angesacht, Und mit ihin der Todesengel, folgsam einer höhern Macht. Bald d'rauf hat zur Zeit des Vollmonds einen Knaben sie geboren, Den der Hiinmel, Segen spendeild, Israel zum Heil erkoren. Denn er ward in später« Zeiten als ein großer Mann bekannt Ilnd als Rabbi Juda Chasid **) ruhmvoll in der Welt genannt. Kommst Du einst nach Worms am Rheine, gehe in die Judengasse» Du erblickst dann noch die Spuren in der Mauer fester Masse. Rach Jahrhunderten bezeugen sie es deutlich Jedermann, Daß sich, wenn der Mensch so lieblos, noch der Stein erbarmen kann. *) Aus: „Haiderosen". Gedichte von Karl Schäfer. 2. Auslage. Darmstadt, Hoffmann'sche Buchhandlung. Preis 3 M. **) Rabbi Juda Chasid 0=-- der Fromme) starb 1217 zu Regcnsburg. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redactron: Ur. Lehmann ttt Mainz. — Verlag und Expedition des „JSraelit" große Bleiche 45. I. GottLleben's Buchdnrckerei (Mainzer Anzeiger).

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