Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1881)
- Date
- 1881-12-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1219 „Sollen wir den Verrath in unsrer Mitte dulden?" schrie Asriel, wuthentbrannt. „Wohlan", sprach Adner, „führen wir den Mann zum Könige; er mag ihn richten. Hat er den Tod verdient, so wird ihn der König verurtheilen." Dieser Vermittelungsvorschlag fand die Zustimmung aller Anwesenden, der Juden sowohl als auch der Kuthäer. Ephraim wurde ergriffen und vor Bar Kochba geführt. „Herr", sprach Achijah, „dieser Kuthäer hat mit Bestimmtheit behauptet, daß die Römer in wenigen Tagen in die Stadt eindringen werden. Der Wein sprach aus ihm, und Du weißt es ja, nichnaß jajin, jozo Szaud, wenn der Wein eiudringt, so wird das Gehennniß offenbar. Der Mann ist ein Berräther. Du aber bist im Besitze himmlischer Weisheit. Suche seinen Verrath zu ergründen." Ephraim war wieder nüchtern geworden. Zitternd sprach er: „Es ist wahr, der Wein hat aus mir geredet. Ich bin kein Verräther. Ich bin ein treuer Diener Deines Freundes und Bundesgenossen Menascheh." „„Sage nur die volle Wahrheit"", herrschte ihn Bar Kochba an. „Ich weiß nichts, ich weiß nichts!" jammerte Ephraim. „„Rede"", rief der König, „„rede freiwillig, oder ich werde Dich zum Reden zu zwingen wissen."" Ta faßte Ephraim einen teuflichen Plan. Er hatte von seinem .Herrn vernommen, daß Rabbi Elasar Hamudai in der Rathsversammlung für Friede und Unterwerfung gesprochen hatte. Daraufhin spann er das Lügengewebe, mit dem er Bar Kochba zu täuschen gedachte. „Herr", sagte er, „ich werde des Todes sein, was immer ich auch sagen oder verschweigen werde. Tu wirst mich tödten, wenn ich schweige, Du wirst mich tödten, wenn ich die Wahrheit sage." „„Sage die Wahrheit"", sprach Bar Kochba, „„und Tein Leben soll Dir geschenkt sein."" „Habe Tank für dieses Versprechen, mein König!" rief Ephraim erfreut. „So will ich denn nichts vor Dir zurückhalten und die ganze Wahrheit sagen. Ein alter Rabbi, Elasar Hamudai nennt man ihn, hat mich aufgefordert, mit ihm gemeinsam auf Mittel und Wege zu sinnen, wie wir die Stadt in die Hände der Römer bringen können. Heute Nachmittag besprach ich mich mit ihm in der großen Synagoge. Mein Sohn, sagte er, die Stadt ist verloren. Suchen wir so viel wie möglich zu retten, wie es einst Rabbi Jochanan ben Sackai gethan bei der Belagerung von Jerusalem. Folgen wir dem Beispiele der klugen Frau in Abel Beth Maachah, die das Haupt des Scheba ben Bichri über die Mauer werfen ließ, und Joab zog hinweg von der Stadt, und die Stadt war gerettet." „„Wie"", rief Bar Kochba entsetzt, „„trachtet mir mein Oheim nach dem Leben?"" „So ist es", antwortete Ephraim. „Er hat mich bestellt, Dich zu ermorden und hat mir einen mit Gold gefüllten Beutel als vorläufigen Lohn gegeben. Der Besitz des Goldes verführte mich, ein Weinhaus aufzusuchen, und der Genuß des Weines entlockte mir die unbedachten Worte. Hier ist das Gold, welches Rabbi Elasar Hamudai mir gab." Bei diesen Worten zeigte er das Gold vor, welches sein Herr ihm geschenkt hatte. „„Ich kann's nicht glauben, nicht glauben"", rief Bar Kochba. „„Rufet mir meinen Oheim herbei!"" Schnell entfernten sich einige Diener, um Rabbi Elasar zum Könige zu bescheiden. „Verräther", sprach dieser zu dem zitternden Ephraim, „was habe ich Dir gethan, daß Du mein Blut vergießen wolltest?" ,,„O Herr"", entgegnete der Angeredete, „„Du kannst Dir nicht vorstellen, wie eindringlich der alte Mann zu mir sprach, mit welch beredten Worten er mir bewies, daß es ein gottgefälliges Werk sei, einen Einzelnen zu tödten, um viele Hunderttausende unschuldiger Menschen zu retten."'' Bar Kochba ging im Zimmer auf und ab. „So sind sie", sprach er vor sich hin, „diese Fanatiker, diese Schriftgelehrten! sie achten selbst nicht die Bande des Bluts, wenn sie vermeinen, höheren Grundsätzen folgen zu müssen!" „„Er ist nicht der Gesalbte des Herrn, sprach er," " — so fuhr Ephraim zu reden fort — „„sonst würde er die Römer tödten mit dem Hauche seines Mundes. Auch Akiba hat ihn verlassen . . . ."" „Ha, ha", schrie Var Kochba, „Akiba, das ist der wunde Fleck! Es ist kein Zweifel, man trachtet mir nach dem Leben!" Rabbi Elasar Hamudai wurde hereingeführt. „Was befiehlt mein König?" fragte er. „„Dein König? Erkennst Du mich noch immer als Deinen König an?"" „Wie sollte ich nicht!" „„Nun, wir werden sehen, ob Du mir treu geblieben oder ein Verräther geworden bist. Schau Dir diesen Mann an."" Rabbi Elasar blickte erstaunt auf Ephraim. „Was ist mit ihm?" fragte er, „ich kenne ihn nicht."