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Der Israelit · 1881-12-07 · Heft 49 (7.12.1881) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 49 (7.12.1881)
Date
1881-12-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1216 umfaßt, hinterrücks an der Hüfte Ballen, nyjo rn nun bv u’C’ *pt>, und sucht ihn zu Boden zu ziehen. Esau macht Jakob den gleichem gemeinsamen Boden streitig, will ihn nicht theilnehmen lassen an der Herrschaft der Erde, er kämpft mit ihm, er ringt mit ihm; — Jakob verliert den festen Halt auf Erden; er fällt nicht; aber er schwankt unsicher, „hinkend" durch's Leben. Und es kommen Zeiten, in welchen die Brudermenschheit sich Jakob als völlig Fremde — '-ojs — zeigt. Die Ideale, welchen Esau nachstrebt, tragen das ausgesprochene Gepräge der Ungöttlichkeit, Esau will gar nicht den Glauben erwecken, als ob er gleich Jakob für Wahrheit, Recht und Sittlichkeit sich begeistern. Er bekennt sich offen als Träger der rohen Gewalt, die er präconisirt. Er proclamirt offen und laut die Herrschaft des Schwerts. Er lacht höhnisch des Unverstandes, welche von Gott und Tugend spricht, welche in der Ordnung der Menschenverhältnisse nach den Diktaten des göttlichen Rechts das Heil und die Wohlfahrt erblickt. Jakob weiß, daß er Esau's Haß und Verachtung im vollsten Ausmaße besitzt, daß er von ihm nichts zu hoffen, aber Alles zu fürchten hat. Er muß sich fern von seinem Bruder halten, der ihn zurückstößt; muß stets gewärtig sein, von ihm überfallen zu werden; muß fortwährend auf Rettung denken, wenn dieser Ueberfall plötzlich erfolgen sollte. ‘rsow ‘tn-up iz'O-d ’-oj ft nicht Brust an Brust ringt Esau mit Jakob, sondern in der Entfernung. Aber Esau weiß den Bruder zu fassen, mit raschem, rohen Griff erfaßt er ihn und bringt ihn zum Wanken: doch Jakob sinkt nicht zu Boden. Esau vermag nicht ihm den Todesstoß zu versetzen; er raubt ihm nur derc sichern Stützpunkt auf der Erde und „Jakob hinkt auf seiner Hüfte." Menschlicher gestalten sich die Zeiten; sanfteren Gefühle dringen auch in die umpanzerte Brust Esau's. Der Geist beginnt seine Triumphe zu feiern über die Gewalt. Kunst und Wissenschaft werden geachtet und gepflegt. Ter blutgeträntte Purpur gilt nicht mehr als der einzige erstrebenswerthe Schmuck. Esau erscheint in dem Talare des Friedens, der Gelehrsamkeit und Jakob glaubt in ihm den gleichgesinnten Verehrer des Geistes, des Wissens, der Tugend, des Rechts zu begrüßen. Achtungsvoll macht er ihm Platz 12 ionh -n2 n* nn im -pnon und wandelt in Ehrfurcht zu seiner Linken. Jakob ist gewohnt gewesen in dem Mann der Wissenschaft den Mann der Gottesfurcht zu verehren. Seine Gelehrsamkeit, sein Wissen baut sich auf die Anerkenntnis; Gottes auf. Er ist der vH.-i« -t?’ an der na: vowo\ uumj/a Qftzr "üj 01p jo jsbix jnn -ajn wem», der gerade Mann, welcher sein Thun mit seiner Erkenntniß, mit seinem Wissen in harmonische Uebereinstimmuug zu bringen bestrebt ist, dessen Wissen in der Thora wurzelt, der keine Kluft kennt zwischen Leben und Lehre. Und deshalb schließt er sich dem mit dem Gelehrtenmantel umhüllten Bruder freudig an und wähnt mit ihm auf gleichem Boden zu stehen. Aber unter dem Talar birgt sich der Panzer und das Schwert. Das Wissen, die Gelehrsamkeit Esau's hat sich in den Dienst der Gewalt, der Politik gestellt und deshalb feindet er Jakob an, welcher die Verwirklichung der Ideale des Geistes und der Tugend anstrebt. Je mehr Jakob hiefür bemüht ist, um so größer wird Esau's Abneigung, je lauter Jakob für das Ideale das Wort nimmt, um so mehr rüstet sich Esau, ihn aus dem Wege zu schaffen und er fühlt plötzlich die eiserne Faust des talarbekleideten Bruders, welcher ihm vom Pfade zu stoßen sucht. Esau hat ihm die Ferse verrenkt, — er taumelt, — hält sich aber aufrecht — und wankt „hinkend" seines Weges. Ob als Freund, ob als Fremder, ob als Gelehrter, immer fällt Esau Jakob „hinterrücks" an. Jacob ist nie provocirend, nie angreifend gewesen. Er will still und friedlich seine Straße ziehen — da greift ihn Esau an und ringt mit ihm. Er muß sich 'vertheidigen. Immer ungestümer wird der Angriff, immer heftiger der Ringkampf „und der aufwirbelnde Staub der Ringenden dringt bis an die Stufen des göttlichen Thrones." Aber dieses Ringen dauert nicht ewig. Nur so lange Nacht die Menschheit umfängt, so lange das Gotteslicht des Rechts und der Liebe von den Menschen nickt geschaut wird, so lange wird Jakob von Esau als Feind betrachtet, so lange ringt Esau mit Jakob, um ihn zu vernichten. Es gelingt ihm nicht, denn Gott ist mit Jakob. Er verleiht dem Schwachen, Ohnmächtigen die Kraft des Widerstands, der Ausdauer. Wohl verrenkt Esau Jakob die Ferse, wohl stößt er ihn zur Seite, wohl häuft er alle Schmach und alles Elend auf das Haupt des Bruders, wohl sengt er seine Wohnstätten nieder, wohl zertrümmert er seine Habe, wohl hetzt er ihn wie ein Wild, wohl drückt und peinigt er ihn — Jakob bleibt aufrecht. Und der Morgen bricht an, bricht endlich an,; wo die Nebel weichen und das Düster flieht — dann > erkennt Esau Jakobs Recht an, erkennt Jakobs Ideale 1 an, erkennt an, daß Jakob nicht den Fluch auf sich I trägt, daß er vielmehr der Herold des Gottessegens j ist für die gesammte Menschheit.

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