Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1881)
- Date
- 1881-12-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1214 deine Nachkommen wie der Staub der Erde und du wirst dich ausbreiten nach Westen und Osten und Norden und Süden,f und es sollen gesegnet werden mit dir alle Familien der Erde und mit dunen Nachkommen (Eap. 28. V. 14). Wenn wir die Gleichnisse näher betrachten, durch welche Gott die Zukunft des Volkes Israels gezeichnet hat, so werden wir finden, daß dieselben außer der Bezeichnung der unzählbaren Menge, die allen gemeinsam ist, jedes noch etwas Anderes ausdrückt. Unzählig sind die Sterne, die ani Himmelsgewölbe ihre majestätischen Bahnen dahinschreiten. Unberührt von allem Wechsel verharren sie, seitdem Gottes allmächtiger Werderuf sie in's Dasein^ hat treten lassen, in unvergleichlicher Schöne und Herrlichkeit. So, hat Gott zu Abraham gesprochen, sollen deine Nachkommen sein! Unbeirrt von jedem Wechsel, der sich hier ans Erden vollzieht, soll Israel seine glänzenden Bahnen ziehen, strahlend im Gotteslicht die irdische Nacht durchleuchtend. Wie ganz anders ist das Gleichnis; von dem Staube der Erde! Aber auch dies hat seine tiefe Bedeutung. Der Staub an der Oberfläche der Erde, das ist der eigentliche fruchtbare Boden, der, wenn er von dem Stegen und dem Thaue des Himmels getränkt wird, die Nahrung liefert für Menschen, Thiere und Pflanzen. So soll Israel sein. Durchdrungen von; Himmelsthaue der Gotteslehre, soll durch es gedeihen Alles, was die Welt bedarf, was die Menschheit erhält. Und noch eine andere Eigenschaft hat der Staub der Erde. Die Sterne, die begehrt man nicht, Man freuet sich ihrer Pracht, Und mit Entzücken schaut man auf In jeder schönen Nacht. Aber, ebenso wenig wie man die Sterne vernichten kann, vermag man den Staub der Erde zu vernichten. Selbst wenn man auf ihm herumtritt, so bleibt er, was er war, behält seine guten, unentbehrlichen Eigenschaften und läßt das Nothwendige ans sich erwachsen, sobald man ihn wieder richtig behandelt. Wozu aber dient der Sand am User des Meeres? Keine Pflanze wächst ans ihm empor und kein Thier findet Nahrung durch ihn. Aber auch ihn hat Gott nicht ohne Zweck erschaffen. Siehst du das heranstürmende Meer, vom Sturme gepeitscht bei schwellender Fluth? Es sieht aus, wie wenn die gewaltigen Wassermassen das ganze Land überschwemmen möchten, Zerstörung bringend den blühenden Fluren, den volkreichen Städten und Dörfern. — Aber auch das Meer hat seine Grenzen, die es nicht zu überschreiten vermag, und diese Grenze ist der Sand am Ufer des Meeres, der den mächtigen Wogen Einhalt gebietet. Also sei Israel. Wenn die mächtigen Fluthen der Völkerleidenschaften heranftürmen, so soll ihnen Israel mit dem Bekenntnisse der Einheit Gottes aut den Lippen Halt gebieten. Die Leidenschaften werden verrauschen, und Israel bleibt. Jetzt wissen wir, warum Jakob das Gteichniß vom Sande am User des Meeres gewählt hat, da Esaw mit seiner mächtigen Schaar gegen ihn heranstürmte. Wir aber, die Nachkommen Jakobs, sollen sein der gesammten Menschheit ein leuchtendes Beispiel gleich dem vom Gotteslichte strahlenden, die Nacht durchleuchtenden Sternen des Firmaments; wir sollen aber auch dem fruchtbaren Erdboden gleichen, der Nahrung bringt und Gedeihen. Zugleich sollen wir sein eine Schntzwehr gegen verderbliche Ideen und Leidenschaften, wie eine Grenze setzt den heranstürmeuden Wogen, der Sand am User des Meeres. Jakob und Von Naptha! i Simo n. Die zwanzigjährige Dienstzeit Jakobs war zu Ende. Zwanzig Jahre hatte er bei Laban als .Knecht gearbeitet, schwer und hart; dio nmn wyn ’njtf mm mp) :nn „ich war stets auf meinen; Posten, ob mich auch am Tage die Hitze und Nachts die Kälte aufrieb, und der Schlaf stob meine Augen", also schildert er selbst die bittere Zeit des Dienens, der Abhängigkeit von Laban. Er will in die Heimath zurückkehren, will selbstständig werden. Als mit Sorgen schwer belasteter Familienvater lenkt er seine Schritte der Heimath zu, wo der ihm feindlich gesinnte Bruder in Mach: und Anseherl haust. Da wird ihm die Kunde, daß dieser Brudcrj Esan, ihm entgegenzieht, und zwar au der Spitze von vierhundert Reisigen. Ob zum Brudergruße, ob zu seiner Vernichtung — er weiß es nicht; er zittert für Weib und Kind. Was kann er, der Schwache, Wehrlose dem gewaltigen Bruder entgegenstellen, wenn dieser ihn überfällt, „um ihn zu erschlagen und die Mutter sammt den Kindern?" In dieser bängiglichen Stunde dringt sein flehender Ruf zu Gott empor: ’ns td nj war „rette Du wich doch von der Hand meines Bruders!" Er vollbringt was seiner Ohnmacht möglich ist zum Schutze vor der drohenden Gefahr und wacht allein noch in später Nacht für Weib und Kind. Da wird ihm durch ein Ereigniß die Antwort auf seinen Angstschrei, auf sein Gebet.