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Der Israelit · 1881-11-30 · Heft 48 (30.11.1881) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 48 (30.11.1881)
Date
1881-11-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Erste Leilage zu Ar. 48 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Fürth, 1. Kislev. Gerne nehme ich Veranlassung, Ihnen die erfreuliche Mittheilung p machen, daß die hiesige isr. Waisenanstalt durch eine Erbschaft eines kürzlich in Würzburg verstorbenen Herrn Wiesengrund in Besitz eines Legats von über M. 100,000 gelangt ist; es ist dies die erste bedeutende Schenkung, die dieses Großartiges leistende Institut erhalten hat und ist hierdurch Gelegenheit geboten, eine Vergrößerung der Räumlichkeiten und eine Vermehrung der Aufnahme von Zöglingen eintreten lassen zu können. Bereits nahe an künftig Waisen erhalten, wie Ihnen bekannt ist, geistige Erziehung und körperliche Verpflegung; diese Anstalt ist zu einem Glanzpunkte unsrer alten Gemeinde und zu einer Zierde unsres bayrischen Vaterlandes geworden. Kein zweites derartiges Institut haben wir in unserm ganzen Süddeutschland anfzuweisen und ist es ganz speciell ein solches staunenswerthes Unicum, in dem die drei Grundpfeiler unsrer erhabenen Religion nie, selbst in den schwärzesten Tagen der Reaction, nicht einen Moment aufgehört haben. Von dem Tage seiner Entstehung bis zu seiner heutigen imvonirenden Größe waren die größten Männer unsrer jüdischen Gemeinde in seiner Verwaltung, Männer, wie der erst kürzlich verstorbene Rabbi Menki Zimmer j/"j, Herr Simon Bamberger, Herrvr.König shöferrc. trugen lebhaft dazu bei, daß diese Anstalt in verhältnißmäßig kurzer Zeit so blühend wurde. Gebe der Allgütige, daß dieselbe sich immer segensreicher entwickeln möge. Bonn. Herr Dr. Schreiber hat nun unsere Stadt wieder verlassen, um nach Amerika auszuwandern. Es heißt allgemein, daß derselbe sich mit unfern deutschen Sitten nicht gut zurechtzusinden wußte, ebensowenig wie die hiesige Synagogen-Gemeinde mit den seinigen sich einverstanden erklären konnte. Und so gab sie ihm den Scheidebrief. Die Trennung vollzog sich ziemlich geräuschlos. Und nun kann Herr Dr. Schreiber im freien Amerika seinem innersten Drang nach freiem Leben vollen Laus lassen. Ob er nicht doch suchen wird im neuen Lande eine neue Verbindung mit irgend einer Gei meinde einzugehen? Wer kennt ihn dort? Vielleicht ist gerade seine Bouillon-Affaire eine Empfehlung für ihn! Wir haben diesem Herrn wahrscheinlich doch Eins zu verdanken, daß nämlich unser Gemeinde- Vorstand mit der künftigen Wahl eines Rabbinen etwas vorsichtiger sein wird und nicht dem ersten Besten das Rabbinat überträgt, blos weil er ein Gegner des jüdischen Gesetzes ist. Das sind noch nicht die immer die geeignetsten Männer um einer Gemeinde, auch wenn sie der Reform huldigt, vorzustehen. Es war eine bittere Lehre für die hiesige Gemeinde, die sich seiner Zeit so herausfordernd in öffentlichen Blättern ihres Rabbinen annahm, als geschähe ihm so großes Unrecht, und sich selbst ein Zeugniß ausstellte, daß sie mit ihm auf derselben Höhe jüdischer Anschauung stehe. Altona, 22. Nov. In voriger Woche langten in Hamburg, an zwei verschiedenen Tagen, diezweite und dritte Partie jüdischer Emigranten aus dem südlichen Rußland an. Diese, etwa 500 Personen, wurden beide Male seitens des hiesigen Local-Comiw's der „Alliance Isr." und deren Assistenten auf dem Berliner Bahnhöfe empfangen und nach dem Auswandercrhause von L. Fries u. Co. geleitet, wo sie mehrere Tage einlogirt und bewirthet, und mit Allem für die Reise Röthigen, als da sind Decken, Geschirr?c. 2c. auf liberale Weise versehen wurden. Die Leute, von denen auch einige mit geringen Geld-Mitteln versehen waren, machten meist einen sehr anständigen Eindruck und befanden sich außer vielen Handwerkern, Klein-Industriellen 2c. zum Beispiel bei der letzt angekommenen Partie eine ganze Anzahl Kiewer Studenten, sowie auch einige Studentinnen, von denen die meisten zur Auswanderung gezwungen wurden, weil jüdischen Studenten neuerdings der Besuch der Kiewer Universität untersagt wurde. Der vierte Theil aller bisher Angekommenen waren Kinder, darunter viele unter zwei Jahren. Beide Partien sind mit den Dampfern Filcari und Allemannia nach Rew-Aork befördert worden und erwartet man noch im Laufe dieser Woche die Ankunft weiterer Transporte aus Brodi. Es ist Sorge getragen, daß sämmtliche Passagiere mit Koscherkost während der ganzen Dauer der Reise verpflegt werden und fährt zu diesem Behufe ein jüdischer Koch mit. —

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