Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1881)
- Date
- 1881-11-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1193 ihren Gemeinden für die Ausbreitung unseres Vereins nach Kräften thätig zu sein, damit die Arbeit desselben unter Gottes Beistand der Jugend zum Segen gereichen und zur Erhaltung des sittlich religiösen Erbes in Israel beitragen möge. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. In einem hiesigen obscuren Blättchen, welches zur Verpflanzung von Antisemitischer Propaganda in Wien gegründet worden, erschien vor einigen Wochen ein Artikel im Stöcker'schen Style und wurde sofort von der Staatsanwaltschaft mit Beschlag belegt. Eine Nummer mit dem confiscirten Aufsatze war dem Maschincn-Techniker Slaje zugesendet worden, und dieser übergab dieselbe der Buchdruckerei des Johann Ludwig Bondi mit dem Aufträge, ihm eine Anzahl Abdrücke davon zu machen. Als die Pflichtexemplare dem Preßbureau vorgelegt wurden, erfolgte jedoch selbstverständlich abermals die Beschlagnahme, und es wurden nun Herr Slaje, der Buchdrucker Bondi und sein Geschäftleiter I. Schmitt wegen Verbreitung einer verbotenen Druckschrift in Anklagestand versetzt. Sämmtliche Angeklagte verantworteten sich damit, daß ihnen das ausgesprochene Verbot unbekannt gewesen sei. Herr Schmitt fügte hinzu, daß ihm erst einige Stunden nach der bei ihm vorgenommencn Consiscation seitens des Gremiums das Verzeichniß der neuesten Beschlagnahmen, worunter sich auch diese befand, zukam. Der Gerichtshof (Vorsitzender Landesgerichtsrath Holzinger) sprach nach dem Anträge des Staatsanwalts-Substituten Franz Slaje und Schmitt schuldig und verurtheilte sie zu je fünfzehn Gulden Geldstrafe. Bondi wurde, dem Anträge seines Vertheidigers Dr. Kupka gemäß, sfreigesprochen, weil er vor: dem Inhalte der Druckschrift keine Kenntniß gehabt und diese Angelegenheit nur von seinem Geschäftsleiter besorgt worden war. Lemberg, 17. Nov. Der „Wiener Allg. Ztg." wird von hier telegraphirt: „In der verflossenen Nacht wurde in einer den: Stadtcentrum nahe gelegenen Gasse ein gräßlicher Raubmord begangen. Em Polizei-Soldat bemerkte das Schanklokal eines Israeliten geöffnet; er trat in dasselbe ein, fand dasselbe ausgeplündert und den Besitzer, Korkes, todt aus dem Boden liegen, neben ihm dessen Frau und Tochter schwer verwundet und besinnungslos in einer Blutlache. Von den Thätern hat man bisher keine Spur. Die noch lebende Frau und Tochter haben ihre Besinnung noch nicht wiedererlangt und werden dieselbe wahrscheinlich nicht mehr wiedererlangen." Lemberg 20. Nov. Dem „Wiener Fremdenbl." wird gemeldet: „Gestern Vormittags wurde imSpitale der Infanterist Hunko, der verdächtig war, den Mord an dem Schänker Korkes begangen zu haben, mit der Frau des ermordeten Schänker Korkes konfrontirt. Die Frau befand sich bei vollster Besinnung und erklärte, Hunko nie vorher gesehen zu haben. Hunko erbrachte überdies ein Alibi, welches erwies, daß er den Mord nicht begangen haben konnte. Hunko reinigte sich von dem Verdachte eines Raubmordes aber noch dadurch, daß er nachwies, vor der kritischen Zeit — einen Einbruchsdiebstahl begangen zu haben, der noch gar nicht entdeckt war. Bei dieser Gelegenheit hatte er sich auch an der Hand verletzt, woher die Blutspuren bei ihm rührten. Die Lembergcr Polizei befand sich in Folge dieser Enthüllungen im Zustande komplettster Rathlosigkeit, als plötzlich, um 1 Uhr Mittags, ganz unvorhergesehenerweise ein des Raubmordes an Korkes dringend verdächtiger Mann von der Militärbehörde verhaftet wurde. Dieser Mann ist gleichfalls ein Soldat, heißt Michalski und dient im 30. Infanterie - Regiment. Michalski befand sich während der letzten Tage krankheitshalber im Militärspitale. Am 16. Abends — in derselben Nacht wurde der Raubmord begangen — fand Michaelski Gelegenheit, sich aus demSpitale unbeachtet zu entfernen: er vagirte in der Stadt herum und soll im Laufe der Nacht Gelegenheit gefunden haben, beit Raubmord an Korkes zu begehen. Des Morgens schlich er sich ins Spital zurück und machte den Versuch, eine Uhr bei einem Kameraden zn verpfänden. Diese Uhr wurde als jene agnoszirt, welche dem Korkes geraubt wurde. Weitere Erhebungen sind im Zuge. Karczagi, 20. Nov. Drei Bauern kamen in das Haus des Rabbiners zu I. Sz. Jmre Rabbi M. L. Rosenbaum und verlangten 50 fl. Als er ihnen nur 5 fl. gab, so erschlugen sie den pns und verwundeten auch seine Gattin lebensgefährlich. Der hiesige Gerichtshof nimmt jetzt dort den Thatbestand auf? Salomon Schück, Bez.-Rabbiner. Frankreich. Paris. In das neue Ministerium Gambetta ist auch ein Israelit berufen worden. Herr David Raynal aus Bordeaux wurde zum Minister der öffcntlichen Arbeiten ernannt. England. London. Die beiden Vereine „Anglo Jewish Assoc." und „Board of Deputies" haben ein Specialcomittz ernannt, welches über die nöthigen Schritte berathen soll, die zur Besserstellung der Juden in Rußland gethan werden können. Rußland. Petersburg. Der bekannte Judenfeind Letostansky, welcher durch seine anfrührischen Reden viel