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Der Israelit · 1881-11-23 · Heft 47 (23.11.1881) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 47 (23.11.1881)
Date
1881-11-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1173 mente erhalten konnten. Durch diese Einrichtung, die begreiflicherweise große Kosten und dem mit der Behandlung betrauten Arzte sehr viel Mühe und Anstrengungen verursacht, glaubt das Pflegeamt wiederum einem schon lange bestehenden Bedürfnisse in der Gemeinde abgeholsen zu haben. Im Jahre 1880 wurden nicht weniger als 200 Kranke auf diese Weise für Rechnung des Hospitals verpflegt. Gera, 12. Nov. Die NationalliberaleMWen hier zu Gunsten des Pros. Marquardsen undHWen Dr. Max Hirsch ein Flugblatt verbreitet, welches an Judenhetze alles übertrifft, was in dieser Beziehung bisher von Stöcker und Genossen geleistet worden ist. Dazu kommt, daß es im ganzen dortigen Wahlkreise überhaupt nur 69 Juden gibt. Das Flugblatt führt nun aus, daß, wenn Dr. Max- Hirsch in Gera in den Reichstag gewählt würde, alle Juden in Preußen denken würden, das Fürstenthum Reuß j. L. sei das gelobte Land, und sie würden dann -in hellen Haufen dorthin auswandern. Die Juden aber machten Geldgeschäfte; sie hätten in den östlichen Provinzen Preußens, im Eisenacher Oberland und in dem Nürnberger Bezirk ganze Gegenden zu Grunde gerichtet durch wucherische Geschäfte, die Bauern von Haus und Hof getrieben, die Handwerker und Kaufleüte an den Bettelstab gebracht, so daß in diesem Sommer die Christen in ihrer Verzweiflung zuletzt sich zusammengerottet hätten, um die Juden zn vertreiben. Wähle man den Dr. Max Hirsch, so käme alles Unglück über Reuß j. L. „Die Inden", so schließt das Flugblatt, „saugeri Euch aus bis auf's Blut; sie werden sich von der Arbeit Elirer Hände und voll Eurenl Schweiß mästen wie dort." Also betreiben die Nationalliberalen für ihren Candidateu Prof. Marquardsen die Judenhetze. Abg. Eugen Richter hielt gerade an dem Tage, wo dieses Flugblatt verbreitet war, im hiesigen Schützenhanse vor vielen Tausenden einen Vortrag über die Stichwahl. Er appellirte an die Ehrenhaftigkeit des nationalliberalen Candidaten Professor Marquardsen. Wenn derselbe nicht noch vor der Wahl erkläre, daß er dieses von seinem Comitö in 40,000 Exemplaren verbreitete Flugblatt für eine Nichtswürdigkeit halte, so könne kein anständiger Mensch auch unter den Nationalliberalen mehr dem Prof. Marquardsen irgendwo seine Stimme zum Reichstag geben. Man müsse sich als Liberaler schämen, daß dergestalt zum ersten Male in Deutschland für eine liberale Candidatur solche Mittel in Anwendung gebracht würden. (Fr. Ztg.) Aus Pammern, 14 November. Schon wieder hatte sich ein pommer'sches Gericht mit einer Anzahl jener Leute zu beschäftigen, die sich durch die schmählichen Hetzereien hatten zur Theilnahme an den antisemitischen Excessen verleiten lassen. Vor dem Schwurgerichte zu Stolp standen am Sonnabend der Tuchmacher Rächer aus Rummelsburg, der Tischlergeselle Windmüller aus Raths-Damnitz, der Maurergeselle Höppner aus Stolp, die Schuhmacherlehrlinge Fildebrandt, Seils und Knoop angeklagt, sämmtlich in Stolp am 3. September Abends, nachdem die aus den Straßen und Plätzen versammelte Menschenmenge von dem Befehlshaber der bewaffneten Macht aufgefordert war, sich zu entfernen, nach der dritten Aufforderung sich nicht entfernt, an einer öffentlichen Zusammenrottung theilgenommen zu haben und zwar Windmüller, Höppner, Fildebrandt, Seils und Knoop unter Beschädigung von Sachen, und Räther als Räthselführer, ferner Räther in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander angercizt zu haben. Nach einer umfassenden Beweisaufnahme lautet der Spruch der Geschworenen auf Schuldig nur gegen Windmüller, welcher wegen groben Unfugs zu 6 Wochen Haft verurtheilt wurde, die übrigen Angeklagten wurden sämmtlich freigesprochen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pefth. Der Chef des hauptstädtisch statistischen Bureaus veröffentlicht einen statistischen Ausweis, nach welchem die Zahl der Bewohner helvetischer und augsburger Eonfeffion in Ofen und Althofen zunimmt, jene" der Israeliten daselbst stetig abnimmt. Bei der Volkszählung kamen auf je tausend Einwohner 163 6 Percent Katholiken, 29*49 Percent Evangelische, 64.52 Percent Reformirte und 12*30 Percent Juden. Speciell bezüglich der jüdischen Bevölkerung liefert er folgende Daten: Im Jahre 1813 wohnten in Pest, Ofen und Altofen 5525, 1829: 10.599, 1845: 13.867, 1851: 18.27, 1854: 26.389, 1860: 31.346. Seit dieser Zeit ist die Zunahme schon erheblicher, doch kommt dieselbe nichr Altofen und Ofen, sondern Pest zugute. Pesth Jener Theil der Berliner Universitätsjngend, welcher feit Jahr und Tag in Antisemitismus macht, hat auch an die Budapester akademische Jugend eine Aufforderung gerichtet, worin es unter Anderem heißt, der Ausruf um Unterstützung der antisemitischen Strebungen werde nicht erfolglos verhallen in dem Lande, wo der Abgeordnete Jstoczq * mit seinem energischen Auftreten dieses wichtige, die Wohlfahrt der Völker untergrabende soziale Gebrechen bekämpft hat. Offenbar hat es die Jugend unserer Universität noch nicht so weit gebracht in der Unduldsamkeit und Mißachtung der Gewissensfreiheit,

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