Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1881)
- Date
- 1881-11-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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1174 wie ihre in der Metropole deutscher Kultur und Gelehrsamkeit wohnhaften Komilitonen und allem Anscheine nach wird der Aufruf der jugendlichen Berliner Obskuranten in unserem Lande unerhört verhallen; denn der hiesige akademische Leseverein hat das famose Sendschreiben der Berliner Universitätsjugend einfach in den Papierkorb geworfen, ohne von dem Inhalte desselben auch nur Notiz zu nehmen. Pefth. Des Oefteren war davon die Rede, der Pariser Bankier Baron Hirsch wolle auf Anregung der Präsidentin des hiesigen isr. Frauenvereins, Frau Johanna Bischitz, zur Förderung hierländischer humanitärer Zwecke eine Stiftung von einer Million Francs gründen! Wie man uns mittheilt, wird es beim — Willen bleiben, weil der Baron diesen Betrag den Juden zuweist, die Rußland verlassen müssen. — Aus dem nahen P e c z e l kömmt vie Nachricht, daß ein vor vielen Jahren nach Amerika ausgewanderter Jude, Namens Max Lilienthal, sein ganzes Vermögen, bestehend in fünfzig Millionen Dollars(d), einem in Ungarn lebenden, angeblich in Milchdorf wohnhaften Großonkel, Lazar David Lilienthal testamentarisch vermacht; da jedoch dieser Goßonkel vor einigen Monaten gestorben, werden höchstwahrscheinlich dessen Kinder die alleinigen Erben des immensen Vermögens sein. — Unser Korrespondent knüpft an diese märchenhafte Erbschaftsnachricht folgendes Proskriptum: Ich habe meine Angabe aus sicherer Quelle geschöpft und habe überdies vor einiger Zeit in Preßburg bei einem erst vor kurzer Zeit aus Brasilien zurückgekehrten Sohne des L. D. Lilienthal ein Originalschreiben des Erblassers in englischer Sprache gelesen. Pefth Die hauptstädtische Subventiomrungs- Commiffion hat für dieses Jahr noch eine Subvention von 500 fl. für das israelitische Taubstummeninstitut in Vorschlag gebracht. Der bekannte Bankier Baron Moritz v. Hirsch in Paris hat dem patriotischen Verein zum „Rothen Kreuz" 1000 fl. zur Errichtung eines Bettes im projektirten Elisabeth- Spital gespendet. Pesth. Der verdienstvolle Präses des hiesigen Talmud - Vereins, der Weingroßhändler Herr Gustav Taub ließ auf seine Kosten ein min isd schreiben, dasselbe mit einem hübschen Mäntelchen versehen und kaufte dazu eine prachtvolle Krone aus Silber, die allein 500 fl. kostete. Das Alles spendete Herr Taub der Schasz-Chewra, der er. schon seit vielen Jahren mit Lust und Liebe, aber auch mit hingebungsvoller Opferwilligkeit vorsteht. Daß die Ueberreichüng dieser kostbaren Spende mit einerschönen Feier verbunden war, ist selbstredend. Ofen. Der neue jüdische Friedhos in Ofen konnte bisher nicht eröffnet werden, weil in Folge der anhaltend schlechten Witterung der dahin projektirte Fahrweg nicht hergestellt werden konnte. Die Ofner israelitische Kultusgemeinde hat nun eine Eingabe an den Magistrat gerichtet, in der sie sich bereit erklärt, die Todteu nach dem Friedhof tragen zu lassen, wenn dessen Eröffnung sofort gestattet wÄM. Nachdem der Magistrat dem Wunsche der JMWKitengemeinde willfahrte, wurde der Ofner alte israelitische Friedhof auf dem Mathiasberge in Neustist am 1. November geschlossen und der dem Wasserstädter katholischen Friedhofe sich anschließende, neue israelitische Friedhof eröffnet. Dem t Akte wohnten bei das Rabbinat, die Vorstände der israelitischen Gemeinde und der Chewra-Kadischa und zahlreiche Mitglieder beider Körperschaften. Sowohl auf dem alten, als auf dem neuen Friedhofe hielt Rabbiner Dr. Goldmann dem Ernste der Feier entsprechende, alle Anwesende tief ergreifende Ansprachen. Aus Brody wird gemeldet: Die Delegirtcn der Pariser und der Wiener Alliance Israölite haben angesichts des großen Andranges russich-jüdischer Auswanderer und der Schwierigkeiten, welche die rauhe Jahreszeit mit sich bringt, beschlossen, weitere Expeditionen zu sistiren und die noch vorhandenen, allerdings zahlreichen Flüchtlinge theils irr ihr Vaterland zurückzuschicken, theits für die Auswanderung im nächsten Frühjahre vorzumerken. Bis heute wurden acht Züge mit ungefähr 1600 Personen nach Amerika expedirt. R u m ä n i e u. Jassy. Der Banquier Israel Haim Daniel dahier hat bei Gelegenheit der Jnspection, welche General Calinesco in der hiesigen Garnison vorgenommen hatte, 30 Uniformen der nationalen Garde zur Vertheilung an arme Soldaten geschenkt. (Arch. isr.) F r a n k r e i. ch. Paris, 13. November. Aus Tunis wird vom 11. November telegraphirt: „Die Israeliten, deren Zahl in Tunesien sehr groß ist, haben gestern eine glänzende Kundgebung zu Gunsten Frankreichs gethan. In der Wahl des lokalen Comite's der Alliance Jsraelite drang ausschließlich die französische Liste durch; die italienische unterlag und selbst die angesehendsten Namen der italienischen Kolonie erhielten nur eine geringe Anzahl von Stimmen. Als Präsident des Comite's wurde der Erstgewählte der französischen Nationalität beibehalten und um ihren Gesinnungen einen noch deutlicheren Ausdruck