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Der Israelit · 1881-11-23 · Heft 47 (23.11.1881) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 47 (23.11.1881)
Date
1881-11-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1170 gefallen wären. Es wurde daher an eine Versöhnung oder Verschmelzung der beiderseitigen Anschauungen gedacht, um so das väterliche (h'k zu retten und auch griechische Bildung pflegen zu können. Man wollte jüdische Propheten und griechische Denker mit einander verbinden, ja man redete sich am Ende gar ein, daß ein directer Verkehr zwischen denselben stattgcfnnden und daß die Letzteren die Empfangenden waren. Man suchte zu beweisen, daß die Ideen Pythagora's, Plato's und Aristoteles' ihren Ursprung in der heiligen Schrift haben, oder in ihr zu finden sind. Man wollte sich nicht mehr mit dem nackten Glauben begnügen; nur ihn zu bekleiden, versuchte man „den Pröphetenmantel mit dem Philosophenmantel in eins zu weben. Die Weber waren oft nicht geschickt; die Nähte des zusammengestückten Gewandes waren meist so sichthar, daß sie den Muthwillcn heidnischer Spötter erregen mußten, waren nie so dicht, daß nicht die schneidende Kälte heidnischer Dialektik hätte durchdringen können." Ein solcher Weber, aber der Geschicktesten Einer, war Philo. Auch er versuchte zu allegorisiren, nicht nur die Erzählungen, sondern auch die Gesetze der heiliger: Schrift, um den abstracten Gedanken aus den positiven Gesetzesvorschriften hervorznsuchen. Daß es gerade die Ideen griechischer Denker waren, die ihm aus den Worten der heiligen Schrift entgegenleuchteten, darf uns nicht befrernden; er suchte ja nur diese, und wie sagt doch Goethe: „Im Auslegen seid frisch und munter! Legt ihrs nicht aus, so legt was unter." Aber zu seiner Ehre muß es gesagt rverden, daß er die Gefahr einer solcher! Schristcrkläruug vor Angen sah und ihr zu begegnen suchte. Das er sich nicht gänzlich von ihr losmacherr konnte, das lag in den bereits oben geschilderten Zeitverhältnissen. Er spricht sich darüber ganz deutlich und bemerkenswerth aus: „Denn es gibt Leute, rvelche, rveil sie derr Wortarrsdruck der Gesetze für ein Svmbol geistiger Gegenstände halten, sich auf die Deutung dieser vorzüglich legen, jene aber gerirrgschätzen. Ich rnöchte ihnen Leichtsinn zur Last legen; denn man muß sich um Beides kümmern, sowohl um die genauere Untersuchung dessen, was verborgen ist, als auch um eine treue Beobachtung dessen, was offen vorliegt. So wollen Mir also nicht etwa die gesetzlichen Gebräuche des Sabbat aufheben, irn Lande arbeiten, Klagen anstellen, Recht sprechen, Geliehenes zurücksordern, oder etwas Anderes thnu, was au anderen nicht festlichen Zeiten verstattet ist, weil wir etwa wissen, daß die Siebenzahl uns die schöpferische Kraft des Unerzengten und die natürliche Unthätigkeit alles Erzeugten lehren solle. Auch wollen wir keineswegs die jährlich!! festlichen Zusammenkünfte abftellen, weil sie ein Bild geistiger Freude und Dankes sind. Auch wollen wir nicht deshalb das Gebot der Beschneidung vernachlässigen, weil wir wissen, daß uns dieses Gebot auffordern soll, die unnöthigen Genüsse zu vermeiden und unsere ausschweifend: Phantasie, die uns leicht zu verderblichen Ausschreitungen und Dhorheiten verleitet, zu zügeln." Und so wie er es hier direkt thut, so spricht er fick an unzähligen Stellen gegen eine Verflüchtigung des Gesetzes durch philosophische Gedanken aus: man sieht, es war ihm mit der Beobachtung des Gesetzes heiliger Ernst. Er gebraucht schon das sooft angeführte Bild von Körper und Seele, und sagt, daß das Ausüben der Gebote, dem Gedanken erst Fleisch und Blut verleiht, welcher ohne That eii: körperloses Wesen wäre. Schon Asarja (lei Rosst macht ans die bemerkenswerthe Uebereinftimmung mit dem was R. Isaak Arama Porta VII sagt, aufmerksam. Philo hat zahlreiche Schriften hinterlassen, die sich fast über alleTheile des Gesetzes verbreiten, Uuwillkürlich drängt sich einem die Frage auf: Welches war denn das Verhältniß der alexandrinischen Inden zu ihrem Stammlande Palästina? Haben die alexandrinischen Juden mit Palästina im Verkehr gestanden und welcher Art war derselbe? Wir wissen aus dem Talmud, daß ein. solcher Verkehr stattgefnnden hat und daß palästinische Gelehrt: nach Alexandrien kamen und sich dort niederließen. Um nur ein bekanntes Factum anzuführen, so erinnere ich an das lakonische Schreiben, welches Schimon ben Schetach an Juda ben Tabai'Z richtete, um ihn zur Rückkehr nach Jerusalem ausznfordern. „Von ulir, Jerusalem, der heiligen Stadt, an Dich, Alexandrien! Mein Ehegemahl weilt bei Dir und ich bin verlassen." Wie stand es aber damals mit der praktischen Ausübung des Gesetzes in Alexandrien? Wie wurde dasselbe geübt? Im Sinne der traditionellen Auslegung oder nach den: Wortlaute der Bibel? Und da Philo, der^ vornehmste Repräsentant der alexandrinischen Inder die Kenntniß der Gesetze und der religiösen Gebräuckr seiner jüdischen Mitbürger in sich vereinigte, so lasser sich die Fragen kurz dahin zusammenfaffen: welches ist das VerhältnißPhilo's zur palästinensischen Halacha Wir besitzen eine umfangreiche Literatur über Philo und doch hat noch Niemand dieses Verhältniß klargelegt. Das summarische Sündenregister, welches Asarjah de'i Rossi in seinem Werke auffnhrt, un die zahlreichen Verstöße Philo's gegen die Halach zu beweisen, ist mehr im Tone einer Strafpredigt I) 3o Ierm. ^ynhedrin 6.!>; Babli 3ota 47a hat da nt Josua ben Perachjah.

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