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Der Israelit · 1881-11-23 · Heft 47 (23.11.1881) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 47 (23.11.1881)
Date
1881-11-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Erste öcilage zu Ilr. 47 des Israeli). -».- _!» - ———————— Leitender Artikel. Milo, der Merandrirer. Schon während des Bestehens des zweiten Tempels beherbergte Aegypten eine große Zahl Israeliten, welche'sich daselbst, in dem Lande ihrer I einstigen Unterdrückung, dem Geburtslande ihres Volksthums angesiedelt hatten. Besonders war es die reiche und blühende Handelsstadt Alexandrien, welche sie sich zum Wohnsitz erwählten. Wie alt diese Ansiedlung sei, ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen, sie wird von verschiedenen Quellen, selbst bis auf die Zeiten Jirmijahus zurückgeführt. Feststehend ist es aber, daß zu Zeiten Alexanders des Großen viele Juden sich tu Aegypten niederließen und daß er ihnen, in dem von ihm neuerbauten Alexandrien, gleiche Rechte mit den übrigen Bürgern einräumte. Wir kemten aus einer späteren Zeit die hohe Bedeutung der Juden und ihre einflußreiche Stellung in der genannten Stadt; wir wissen, daß sie sich in dem Oniastempel (”Jin nc) einen neuen religiösen Mittelpunkt schufen. Ihre Hauptsyuagoge, die Basilika, von deren Pracht uns im Talmud lLucca 51 b.) erzählt wird, von der mair sagte: „Wer sie nicht sah, hat niemals die Herrlichkeit Israels geschaut" — legt Zeugniß ab für die glänzende soziale Stellung, die sie sich durch ihren Fleiß errungen hatten, aber auch für ihre Opferwilligkeit, wo es galt der Religion der Väter eine Heimstätte zu errichten. Alexandrien war damals Sitz und Mittelpunkt der ganzen wissenschaftlichen Welt und überragte an Bildung die Metropole der alten Wissenschaft, Athen. Die Juden wetteiferten mit den Griechen und bestrebten sich, nicht zurückzubleiben, 8 m dem Studium und in der Förderung von Wissenschaft und Literatur, gegen ihre heidnischen Mitbürger. Mit der ihnen eigenen geistigen Regsamkeit, hatteit sie sich bald auch auf diesen, ihnen ursprünglich fremden Gebieten eine achtunggebietende Stellung errungen, sie hatten in ihren Mitte Gelehrte, Dichter und Philosophen, die sich hohen Ruhm erwarben und die sich ihren heidnischen Kollegen als ebenbürtig zur Seitet stellen konnten. Der hervorragendste in diesem Kreise, der bedeutendste Mann, den das alexandrinische Judenthum hervorgebracht, der auch für die Nachwelt, weit über den Kreis des Judenthums hinaus, wirkte, war der einer der angesehensteir und vornehmsten Familiert Alexandriens entstammte Philosoph Philo. Wenn das Judenthnnt seine berühmten Söhne alter und neuer Zeit zählt, darf auch der Name Philos nicht vergessen werden. Unter den edlen Kämpfern, die mit den Waffen des Geistes und der Wissenschaft Juden und Judenthum vertheidigt haben, glänzt sein Name als einer der Ersten, ^'s ist bekannt, daß derselbe int Jahre 40 (gew. Zeitr.) au der Spitze einer Gesandschaft nach Rom ging, um die Juden Alexandriens bei dem halbverriickten Ungeheuer Caligula zu vertheidigett, weil sie sich weigerten, das Bild des Imperators, der göttliche Ehren beansprtlchte, in Wirklichkeit aber durch seine Rohheit uild Grausamkeit tief unter dem Thiere stand, — in ihrer Synagoge aufzustellen. Seine tiefe Bildung und glänzende Beredsamkeit ließen ihn für eine solche Mission besonders geeignet erscheinen. Um die Thätigkeit Philos gerecht beurthcilen zu können, muß sie, wie die Thätigkeit eines jeden bedenteitden Mannes, aus seiner Zeit heraus beurtheilt werden; man umß sich die Lage des Judenthums, nicht der Juden, im damaligen Alexandrien vergegenwärtigen. Die Griechen waren damals das gebildetste Volk der Welt, ja das einzige Volk der Heiden, welches eine alte Literatur besaß, auf die es mit Recht stolz war. Die Judeti besaßen eine tveit ältere Literatur, die sie aber bereits nicht mehr in der Ursprache verstanden, die ihnen nur durch das Medium der griechischen Sprache zugänglich war. Daß hier, wo zwei so diametral entgegengesetzte Weltanschauungeit, wie die jüdische und die griechische aufeinanderstießen, ein Kampf unausweichlich sei, muß Jedem klar fein. Auf der einen Seite der starre Monotheismus, auf der andern der ausschweifendste Polytheismus; hier ungezügelte Genußsucht und Streben nach der höchsten Lust, dort Enthaltsamkeit und Mäßigkeit, das Schönheitsideal der Griechen und das Tugendideal der Juden, das alles sind nur einzeltte Momente, die uns einen Einblick in die Verschiedenheit der beiderseitigen Anschauungen gewähren. Hier auf diesem Boden geschah es zum ersten Mal, daß nö’ tw mis’EP feindlich gegenüberstand den cv Dieser Gegensatz konnte nicht weiter bestehen, ohne daß die Schwachen und Unselbstständigen, vott der glänzenden Atlßenseite des griechischen Wesens angelockt, ihm zum Opfer

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