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Der Israelit · 1881-11-23 · Heft 47 (23.11.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 47 (23.11.1881)
Date
1881-11-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1167 Süden. Rabbi Akiba hatte einen Esel mit sich genommen, der sein Gepäck trug, und einen Hahn, dessen Schrei ihn Morgens früh vom Schlafe weckte. Rabbi Akiba und sein Schüler wanderten den ganzen Tag, und als die Sonne untergegangen war, suchten sie Nachtlager in der Stadt Sekonia. Aber die Wächter der Stadt verweigerten ihnen den Eintritt.*) „Wir dürfen Niemanden einlassen", sprachen sie. „Die Römer nahen heran, und leichtlich kann ein Verräther unter der Maske eines harmlosen 8 Wanderers sich einschleichen in unsere Stadt." S „„Und soll"", fragte Perez, „„mein hochbe- 8 tagter Lebrer die Nacht im Freien zubringen, preis- 8 gegeben allen Unbilden der Witterung?"" I „Ich kann's nicht ändern", antwortete der 1 Wächter. 1 „„Weißt Du auch"", fragte Perez, „„wer Dich i um Einlaß bittet f Es ist Rabbi Akiba, der große, I berühmte Lehrer Israels."" Z „Jetzt sehe ich," entgegnete der Wächter, „daß » Ihr Lügner und Betrüger seid. Rabbi Akiba ist j beim Könige in Jerusalem und wandert nicht im [ Lande umher." Er schlug das Thor zu, und die Beiden standen einsam draußen. „Laß es Dich nicht verdrießen, Perez", sprach Rabbi Akiba. „Alles, was Gott thut, das thut Er zum Guten. Wir wollen uns in jenes Gehölz begeben und unter den Bäumen übernachten." Sie gingen einem nahen Walde zu und suchten einen passenden Platz zum Uebernachten aus. Perez nahm zwei Hölzer, die er mit sich führte, rieb sie mit seltener Fertigkeit aneinander, bis sie Feuer singen. Dann zündete er das Licht in einer Laterne an, die er aus dem Gepäcke von dem Rücken des Esels genommen hatte. „Das ist recht", sprach Rabbi Akiba, als das Licht in der Laterne brannte. „Jetzt werden uns die wilden Thiere des Waldes und die Raubvögel der Lüste sehen und sich vor uns fürchten, wie es heißt: Und die Furcht vor euch und die Angst vor euch wird sein auf allem Gewild der Erde und aus allen Vögeln des Himmels." \ Kaum hatte Rabbi Akiba zu Ende gesprochen, l da erhob sich ein furchtbarer Sturm, und ein mäch- U tiger Windstoß ergriff die Laterne, warf sie weit I weg, zertrünimerte sie und verlöschte das Licht. » „Was werden wir nun beginnen, Rabbi?" »fragte Perez bekümmert. „„Wir werden uns ohne Licht behelfen müssen"", antwortete Rabbi Akiba. „„Alles, was der Allbarmherzige thut, das thut Er zum Guten."" Uni der Sturm legte sich, der Esel schlief und '\ *) Ler.'.cbüih t. GO. auch der Hahn. Rabbi Akiba und Perez legten sich ebenfalls zur Ruhe nieder auf den harten Boden. Plötzlich durchdrang ein furchtbares Gebrüll die Stille der Nacht. „Was ist das, Rabbi?" fragte Perez zitternd. „„Stille, mein Sohn"", antwortete Rabbi Akiba, „„es ist das Gebrüll eines Löwen. Wenn der Löwe brüllt, wer wird sich da nicht fürchten?"" In großen Sätzen sprang der mächtige König der Thiere herbei, packte ien Esel und tödtete ihn. Nachdem der Löwe seinen Hunger gestillt hatte, eilte er von dannen. „Unser gutes Lastthier!" jammerte Perez, „wer wird unser Gepäck tragen?" „„Alles, was der Allbarmherzige thut"", entgegnete Rabbi Akiba, „ „thut Er zum Guten. Freuen wir uns, daß das grimmige Raubthier uns verschont hat. Laß uns den Rest der Nacht zur Ruhe benützen, damit wir morgen gestärkt unsre Reise sortsetzen können. Der Hüter Israels schläft und schlummert nicht; Er wird uns schützen."" Kaum waren die Beiden entschlummert, als ein furchtbarer Schrei sie erschreckte; ein Adler schoß aus den Lüsten hernieder, direct auf den Hahn zu, tödtete ihn, und entführte ihn mit sich in die Höhe. „Wollen denn die Schrecken dieser Nacht", sprach Perez, „gar kein Ende nehmen?" „„Alles, was der Allmächtige thut, thut Er zum Guten; gelobt sei Sein heiliger Name", sprach Rabbi Akiba ergeben. Und wieder wurde es still, und die beiden Reisenden entschlummerten. Da weckte sie wildes Geschrei. Sie sprangen aus und sahen wilde Krieger mit brennenden Fackeln in den Händen auf die Stadt S:konia losftürmen. „Stille", flüsterte Rabbi Akiba, „verhalten wir uns ganz stille; es ist eine Streifschaar der Römer, welche die Stadt überfällt." Mit ihren gewaltigen Sturmböcken berannten die Römer das Thor. Vergeblich schossen die Bürger von den Mauern hernieder. Wohl wurde mancher römische Soldat getroffen und gelobtet; doch das beirrte die andern nicht. Bald war eine Bresche gebohrt, durch welche die Krieger in die Stadt eindrangen. Furchtbares Geschrei und schreckliche Töne des Jammers begleiteten ihr Vordringen. Die Soldaten raubten, mordeten und plünderten, daun zündeten sie die Stadt an allen vier Enden an und zogen weiter, als der Tag anbrach. Rabbi Akiba aber sprach zu seinem Schüler: „Siehst Du, wie Gott uns gnädig errettet hat! Hätte man uns in die Stadt ausgenommen, so hätten wir das Schicksal ihrer Bewohner getheilt. Aber auch der Schein der Laterne, das Geschrei des Esels und des Hahnes hätten uns den Römern verrathen.

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