Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1881)
- Date
- 1881-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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11GO Lastträger, welche von griechischen Lastträgern aus dem Hasen von Odessa vertrieben worden sind. Endlich gibt es Handlungsdiener, die keine Beschäftigung mehr haben, nachdem die isr. Kaufleute, bei denen sie in Stellung waren, ruinirt sind. Ich habe einige Kauffeute aus Elisabethgrad gesehen, welche mit den Krümmern ihres Vermögens zugleich ihr früheres Personal mitsühren. „Wir sind", sagte mir Einer von ihnen, indem er mir seine beiden Commis vorstellte, „in den guten Tagen vereint gewesen, wir wollen es auch in den bösen Tagen sein." Es gibt unter den Flüchtlingen gewesene Soldaten, die mehrere Male mit Tapferkeitsmedaillen decorirt worden sind. Das sind die Männer, welche die russische Negierung aus einem Lande jagen läßt, das so mangelhaft ist irr allen Elementen, die es bewohnen. Man brachte mir einen graubärtigen Mann, der während seiner 21 Dienstjahre 3 Medaillen ans den Schlachtfeldern errungen hatte und der ans Kiew verwiesen worden war, weil er nicht zu der Kategorie der Privilegirten gehörte. Man sagte mir, das; diese Unglücklichen sich dieses Alles durch ihre Wuchergeschäfte ec. zugezogen hätten. Ich erkläre, das; nicht Einer von denen, die ich bis jetzt geprüft habe, mir diesen Borwurf zu verdienen scheint und das; sie Alle lediglich Opfer der abscheulichsten der Verfolgungen sind, ohne den Schatten eines anderen Grundes, als desjenigen ihrer Neligion. Es ist der deutsche Antisemitismus, der sich nach Rußland verpflanzt hat, und auch der Wodka, der wilder ist, als das Vier. (Fortsetzung folgt.) 1*;? >jr - awan« int■msw.-viae •« bb Feuilleton. U k i ö a. XXXXVII. Am andern Morgen verlies; Rabbi Akiba in Begleitung seines Schülers Perez die Stadt. Dieser Jüngling war gleichsam der lebendige Beweis, wie Rabbi Akiba sein Volk liebte und wie er für jeden Einzelnen väterliche Liebe und Sorgfalt hegte. Der Vater des Perez war ein elender, schlechter Mensch gewesen, allen Sünden und Lastern ergeben. Perez hatte ihn nicht gekannt, denn der Vater war vor der Geburt des Sohnes gestorben; aber der Knabe schien all die schlimmen Neigungen und Leidenschaften seines Erzeugers geerbt zu haben. Schon als Kind war er den Bewohnern seiner Vaterstadt eine Plage, und mit Schrecken dachten die Leute der Zeit, da Perez als Mann aller Wahrscheinlichkeit nach noch schlimmer werden würde, als sein Vater gewesen war. Da kam Rabbi Akiba in die Sladt und hörte von dem wilden, unbändigen, bösartigen Knaben. Er suchte die Mutter auf und bat sie, chm das Kind zur Erziehung zu übergeben. „Du wirst mich und die ganze Stadt", sagte die Mutter, „von einer schrecklichen Plage befreien, wenn Du den bösen Buben mit Dir hinfortnimmst." Und Rabbi Akiba nahm ihn mit sich und versuchte, ihn in der Thora zu unterrichten. Der Knabe aber war störrig und wollte nichts lernen. Da nahm sich Rabbi Akiba mit himmlischer Geduld desselben an; in heißer Andacht flehte er zu Gott, das; es gelingen möge, das verstockte Herz des Knaben zu bewegen und für die Thora empfänglich zu machen, und als es trotzdeni nicht gehen wollte, da nahm Rabbi Akiba ein vierzigtägiges Fasten auf sich. Die unendliche Liebe, Sorgfalt und Sanftmuth des Lehrers bezwang endlich des Knaben hartes Herz. Er fing an zu lernen und hatte es bald dahin gebracht. einige Mischnoth zu verstehen und darauf in der Synagoge für seinen verstorbenen Vater das Kaddisch zu verkünden, das Kaddisch, welches die Söhne beten zum Heile ihrer verstorbenen Eltern. Keine Bitte um das Seelenheil enthält das Kaddisch; es ist weiter nichts als die Heiligung des göttlichen Namens. Nur in ihr findet der Jude Trost bei den bittern Leiden des Herzens. Jeder, der stirbt mit dem Bekenntnisse der Einheit Gottes auf den Lippen, heiligt den göttlichen Namen, und Jeder, der lebt, ist zur Heiligung des göttlichen Namens berufen. Das ist Israels Weihe und Bestimmung, der Zweck und das Ziel seines Lebens, und ein Sohn, der das Kaddisch sagt, beglückt die Seelen der verstorbenen Eltern; denn, wer einen Sohn hinterläßt, der den Namen Gottes heiligt, hat dazu beigetragen, daß die Bestimmung Israels ununterbrochen sortwalte. Als Perez das erste Mal öffentlich das Kaddisch verkündet hatte, da vernahm Rabbi Akiba im Traum eine Stimme, die da sprach: „Ich bin der Geist des Vaters Deines Schülers Perez. Habe Dank für die Liebe und Sorgfalt, die Du meinem Sohne erwiesen hast und die auch mir zu Gute gekommen sind. Seitdem mein Sohn das Kaddisch gesprochen, hat man mich von den Höllenqualen befreit, durch die ich meine vielen und schweren Sünden abbüßen mußte. Möge Dir der allgütige Gott reichen Lohn geben für Dein frommes und edles Streben." Perez hing mit unendlicher Liebe an seinem Lehrer und war beglückt, wenn er ihn bedienen durste. Die Beiden verließen Jerusalem und zogen nach