Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1881)
- Date
- 1881-11-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1165 folgenden Statthalterei-Erlaß, mit welchem die Auflösung der Mestanska Beseda in Neubidschow, die sämmtliche Juden ans ihrer Mitte ausgeschlossen, angeordnet wird: Die hohe k. k. Statthalterei fand laut Erlasses vom 14. October l. I. ben Verein Mestanska Beseda in Neubidschow, welchem bereits mit dem hohen Statthalterei-Erlasse vom 2. Cctofcer 1878 wegen Überschreitung des statutarischen Wirkungskreises die Auflösung im Falle nochmaliger Wiederholung statutenwidriger Vorgänge angedroht worden war, im Grunde des § 24 des Vereinsgesetzes vom 15. October 1867 aufzulösen, weil, abgesehen davon, daß der Vereinsvorftand es unterlassen hat, die Abhaltung der General-Versammlung vom 25. Sept. 1881 nach Vorschrift des Paragraphs 15 des obbezogenen Gesetzes der k. k. Bezirkshauptmannschast anzuzeigen, der in dieser General-Versammlung gefaßte und seither in Vollzug gesetzte Beschluß aus Ausschließung aller Mitglieder, welche sich zur mosaischen Religion bekennen, aus dem Grunde dieser Angehörigkeit aus dem Vereine, als ein in demonstrativer Weise gegen die Angehörigen einer gesetzlich anerkannten Religions-Genossenschaft gerichteter und gegen das Staatsgrundgesetz vom 21. December 1867 über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger verstoßender, somit rechtswidriger angesehen werden muß, der Verein daher den Grundlagen seines rechtlichen Bestandes nicht mehr entspricht. Als Vertreter der Juden in Neubidschow hatte Advocat Dr. Lichtenftern aus Prag bei der Statthalterei intervenirt. F r a n k r e i ch. Paris. Monatsbericht (October) der „All. Jsr. Univ.": (Die Israeliten von Rußland.) Das in Brody begonnene Emigrationswerk wird unter Leitung des D. Charles Netter fortgesetzt; derselbe berichtet hierüber Folgendes: Wir haben es mit einer Auswanderung von Menschen jedes Alters und jedes Standes zu thun; obgleich wir täglich 16—18 Stunden arbeiten, fürchte ich doch, daß unsere Arbeit nicht sonderlich vorwärts schreitet; aus 60 Personen, die in einem Tage geprüft werden, kommen immer 100 neue Zuzügler. Diese Auswandernng über Brody ist größtentheils hervorgerusen worden durch Briese, welche der Alliance untergeschoben wurden und den Emigranten Wunder von Versprechungen machten: freie Fahrt, Geld, Ländereien. Mau muß durchaus diese Gerüchte demeuriren, deren Uebertreibung selbst schon ihre Unrichtigkeit hätte verrathen sollen; aber diese Unglücklichen waren nur zu geneigt, denselben Glauben zu schenken. Ich schätze die Zahl der Personen, die seit Anfang September sich hierher gezogen haben, ans 3000; Viele von ihnen haben ihre Hilfsmittel erschöpft. Es handelt sich darum, täglich mehr Personen, als ankommen, entweder zu repatriiren oder zu expediren, und ich habe zu diesem Zwecke drei Bureaux organisirt: 1) Einschreibungs-Bureau unter i H. Magnus; 2) Entscheidungs-Bureau unter ineiner | eigenen Direction; 3) Ausführungs-Bureau unter H. Schafier; in jedem dieser drei Bureaux wirkt ein Mitglied des Localcomites mit. Hierzu wird! noch ein von einem städtischen Eomitö geleitetes! viertes Bureau kommen. j Es gibt unter den Flüchtlingen Reiche und Arme; wenn ich sage Reiche, so meine ich solche, die es vor den Ereignissen vom April waren und von denen manche bis zu 2000 Rubel gerettet haben; I Andere besitzen nicht einmal soviel, um ihre Kinder! zu bekleiden; es gibt darunter unverheirathete und verheirathete Leute, Kauffeute, Studirende, Hand-! werker. Man muß jeden einzelnen Fall untersuchen, i das Vermögen bewachen, die Schwachen zurückschicken, l ohne Rücksicht darauf, ob sie Familie haben oder i nicht. Aber es genügt nicht, die Personen nach rechts! oder links zu expediren, man muß sich besonders! auch mit der Jugend, mit den Kindern beschäftigen, I für die eben das vierte Bureau bestimmt ist; toir | werden niemals verlegen sein, Menschen zu machen! ans diesen Kindern, die schöner und intelligenter sind, als man sie sich bei Leuten, die aus Rußland kommen, denken könnte. Was man auch immer, I selbst in Deutschland, hierüber gesagt Habe, man hat | sich über die Bevölkerung, die jetzt unsere Hilfe sucht, > ganz außerordentlich getäuscht. Die Männer tragen > weder Psot noch Kaftan; es sind schöne, große, j saubere, intelligente Männer. Die Amerikaner wer- >, den von den beiden ersten Zügen, die sie empfangen? haben, entzückt gewesen sein. Die Frauen sind fast; elegant; ich habe eine kennen gelernt, die sich sehr j nett französisch auszudrücken wußte. Die gewöhnj liehe Sprache dieser Leute ist russisch; wenn sie! deutsch sprechen, so sprechen sie es mit dem russischen! Accent; nur Wenige bedienen sich des jüdisch-polnischen! Jargons. Unter den Knaben sind viele, vielleicht die Hälfte, : Zöglinge von Gymnasien, welche man unter dem; Vorwände, daß kein Platz mehr vorhanden, entlassen : hat. Nachdem man ihnen vorgeworfen, daß sie sich 1 nicht assimiliren wollen, findet man jetzt, daß sie sich; zu sehr assimiliren. Der vierte Theil der jungen i Männer sind Handwerker, die aus den Werkstätten ' vertrieben wurden, sei es von ihren christlichen Meistern, sei es von den anderen Arbeitern, oder denen! ihre isr. Meister, welche im April ruinirt worden : sind, gekündigt haben. Ich habe auf meiner Liste