Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1881)
- Date
- 1881-11-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447850-2447893--18230-2474264- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1164 bestimmte Herr Plaut ein Curatorium von fünf Personen, bestehend a) aus einem Magistratsmitgliede, welches den Vorsitz führt, z. Z. Herr Oberbürgermeister Riemann, 6) aus eine Mitgliede der Familie des Stifters, vorläufig dem Herrn Banquier Samuel Frenkel, e) einem christlichen Geistlichen, z. Z. Herrn Oberprediger Dr. Haase, cl) dem jeweiligen Rabbiner der jüdischer! Gemeinde, z. Z Herrn Rabbiner Dr. Leimdörfer und e) einem Bürger der Stadt Nordhausen, z. Z. Buchdruckercibesitzcr und Herausgeber der „NordhäuserZeitung" Herrn Theodor Müller, nach dessen Ableben die Stadtverordneten die Wahl vorzunehmen haben. Ferner wünschte der Stifter, daß die Familie des Stifters über ein Fünftel der Stimmen vorzugsweise zu bestimmen habe und das; aus den nach Vollendung des Baues übrig bleibenden Mitteln außer freier Wohnung auch ganz oder theilweise Verpflegung zu gewähren sei. Dieser hochherzigen Schenkung schloß sich der Schwager des Stifters, Herr Samuel Frenkel in rühmlicher Weise an durch Schenkung eines an der Halle'schen Chaussee belcgenen Areals von ca. 5 Morgen zum Bauterrain. Am 6. August 1879 ertheilte Sr. Majestät der Kaiser und König zur Errichtung der Stiftung seine Genehmigung, am 21. Juni v. I fand die feierliche Grundsteinlegung statt. In dem Grundstein wurden eingefügt die vidimirten Abschriften der Stiftungsurkunde, der allerhöchste Erlaß der Bestätigungsurkunde, Notizen über die Plaut'sche Familie, ein Verzeichniß der jüdischen hiesigen Mitbürger, ein Gedicht des Herrn Dr. Leimdorfer, ein Verzeichniß der Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetcn-Versammlung, ein Exemplar des Adreßbuches von 1880 und beide hiesigen Zeitungen vom vorhergehenden Tage. Der Bau schritt unter Leitung des Herrn Baunleisters Kämmerer so rimig vorwärts, daß am 18. August v. I. das Richtefest auf dem Bauplatz begangen werden tonnte. Gemäß den Intentionen des Stifters ist das Gebäude massiv, einfach, um Capital für die Verpflegung zu sparen, ohne außergewöhnlichen Schmuck, aber solide ausgeführt. Das Gebäude enthält: 28 Zimmer für je eine Person bewohnbar, sämmtliche Zimmer werden durch Ceutralheizung (Heißwaffersystem) geheizt, 10 Zimmer für je 2 Personen, so daß also 60 Personen untergebracht werden können. Nachdem im Laufe der verflossenen Woche die sämmtlichen Anfgenomlnenen ihren Einzug gehalten, fand heute Vormittag Punkt 11 Uhr die feierliche Einweihung der Stiftung in dem einfach und dem ernsten Zweck entsprechend ausgefchmückten Erbannngssaal der zweiten Etage statt. Nur eine kleine Anzahl Leute konnte dieses Zimmer aufnehmen und mit Rücksicht darauf mußten auch die Einladungen beschränkt werden. Es waren zugegen die Mitglieder des Magistrates und der Stadtverordneten, die Mitglieder des Curatoriums und fämmtliche Insassen. Nach dem Vorträge eines Chorals auf dem Harmonium hielt zuerst Herr Oberbürgermeister Riemann eine Ansprache an die Versammelten, in welcher er mit Hinweis auf die heftigen Wellen, welche der Wahlkampf geschlagen, den Beitrag zu einer friedlichen Lösung der socialen Frage pries, welchen Menschenliebe in dem Institute geschaffen, zu dessen Einweihung die Anwesenden sich hier vereinigt hatte, jener friedlichen Lösung, welche anzustreben "eine schöne Aufgabe der Begüterten sei. Herr Oberbürgermeister Riemann gab hierauf einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der Anstalt, welcher im Wesentlichen die Daten enthielt, die wir bereits oben angeführt haben. Namens der Stadt sprach er sodann herzlichen Dank dem Stifter, Herrn Jakob Plaut, ferner dem Spender des Grundstückes, Herrn Samuel Frenkel und dem Baumeister Kämmerer aus, der das Gebäude dem Plane gemäß in schöner, gediegener Weise ausgeführt hat und schloß mit dem Wunsche, daß die Stiftung sich inttner mehr zu dem entwickeln möge, was ihr Begründer geplant, zu einen! friedlichen Daheim des hilflosen Alters, und daß das hier gegebene Beispiel noch Nachahmung finden möge zu jeder Zeit. Herr (Superintendent Haase hielt darauf die Weiherede, welche auf die anwesenden Pfleglinge des Stifts sichtlich den tiefsten Eindruck machte und in welcher er die schon von dem Vorredner ausgeführte « Idee, daß man in dem verdienstlichen Werke echter I Humanität, wie es Jakob Plaut geschaffen, eine Er- 1 gänzung der staatlichen Bestrebungen zur Lösung der 1 socialen Frage anzuerkennen habe, weiter ausführte. 8 Sein eindringliches Schlußwort an die Insassen des 8 Instituts, in welchem er versuchte, den mannigfal- 8 Ligen Gefühlen, welche dieselben heute bewegen, 8 Deutung zu geben, erweckte bei vielen Zuhörerinnen 8 Thränen der Rührung, welche davon Zeugniß abz legten, wie tief auch sie die Bedeutung des Tages z mitempfanden und wie lebhaft die Dankgefühle sind, I welche sie gegen den hochherzigen Stifter hegen. An z diese Feier schloß sich ein gemeinsames Diner, an z welchem die Insassen der Anstalt, die Hausverwalter i und einige Mitglieder des Curatoriums theilnahmen. I Herr Rabbiner Dr. Leimdörfer brachte dabei den ersten Toast aus den Kaiser aus, wobei er auf! die Menschenliebe, die Toleranz und den Patriotin- | mus des Stifters der Anstalt hinwies. Hierauf | folgten noch weitere Trinksprüche auf Jakob Plant j und die Familie Frenkel, auf das Curatorium uu) - die Pfleglinge der Anstalt. (Rordh. Ztg.) jj Oesterr. - Ungar. Monarchie. Prag, 17. Nov. Die „Boheniia" veröffentlicht -