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Der Israelit · 1881-11-23 · Heft 47 (23.11.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 47 (23.11.1881)
Date
1881-11-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1163 der Unterweisung in dem Talmud an allen Lehrmitteln, die einen systematischen Unterricht ermöglichen — ein Uebelstand, der in einer Zeit, wie der jetzigen, wo für den Religionsunterricht eine verhältnismäßig geringe Stundenzahl zugemessen ist, und bei einer Disciplin, zu deren Erfassung eine liebevolle Hingebung, ein tieferes Eindringen erforderlich ist, um so schwerer empfunden werden muß. Wohl gibt es mit größerem oder geringerem Geschick hergestellte Uebersetzungen der Mischna und einzelner Traktate des Talmud. Doch in der Mischna allein kommt noch nicht der ganze Geist des Talmud zum Ausdrucke, sie enthält noch nicht alle jene Elemente, welche bei der Heranwachsenden Jugend Verstand und Genmth anregen und ihr dadurch einen tieferen Einblick in das 'Wesen des Judenthums eröffnen und Liebe zur angestammten Religion einflößen. Was aber die Talmudübersetzungen anbelangt, so werden durch dieselben, so verdienstlich sie auch au und für üch sein mögen, die eigentlichen Schwierigkeiten, die bei der Unterweisung der Jugend im talmudischen Lchriftthum hervortreten, nicht gehoben. Der Talmud lätzt sich bei der Anordnung seines reichen Materials von der Rücksicht auf das pädagogische Ledürfniß der Schuljugend nicht leiten; seine Anlage ist vielmehr derart, daß leichtere Partien, welche der Jugend zugänglich gemacht werden können, mit schwierigen, welche die Fassungskraft derselben weitaus übersteigen, in mannigfaltigster Weise ineinandergretfen und mit einander abwechseln. Soll also das talmudische Schriftthum der Jugend zugänglich und für ihre religiöse Erziehung fruchtbar gemacht werden, so müßten aus dem reichen Materiale des Talmud jene Partien ausgezogen und nach pädagogischen Principien zusammengestellt werden, die nach Form und Inhalt dem Geiste der Jugend angemessen und zur Belebung des religiösen Bewußtseins besonders geeignet sind. Ein Werk, welches diese Aufgabe in glücklicher Weise löst, begrüßen wir in der an der Spitze genannten Schrift. Der erste Theil dieses Werkes, welcher uns vorliegt, zerfällt in 10 Abschnitte (Perakim), welche die wichtigsten Momente des religiösen Lebens, wie Vorschriften über Segenssprüche und Schemah-Gebet, über Fest und Feiertage u. s. w. zum Gegenstände ihrer Behandlung höben. Die Verfasser haben mit einem Sachverständniß, das eine vollkommene Beherrschung des reichen Stoffes voraussetzt, und mit vielem Geschmacke aus dem weitschichtigen Gebiete des Talmud die geeigneten Mischnah's und die darauf bezüglichen halachischen und hagadischen Gemarastellen ausgewählt und in übersichtlicher, vom Leichteren zum Schwierigen methodisch fortschreitender Weise geordnet. — Diese aus den verschiedenen Traktaten sinnreich ausgewählten und zu einheitlichen, in sich abgeschlossenen Gruppen zu sammengesügten Talmudstellen sind von den Verfassern mit einem hebräischen Commentar versehen der an Raschi sich anlehnt und durch seine faßliche Sprache und seine klare Darstellungsweise das Verständnis des Textes sehr erleichtert. So ist es den Verfassern gelungen, ein Werk zu schaffen, welches sowohl in formaler als in materialer Beziehung den Ansprüchen genügt, die man an eine „talmudische Chrestomathie" die, „für den ersten Unterricht int Talmud" berechnet ist, stellen muß. Durch den Gebrauch des Buches wird der Geist des Knaben, der in das Talmudstudinm eingeführt werden soll, in einer seinen Kräften entsprechenden Weise angeregt und ein bedeutendes Material von wichtigen und inj haltsreichen Halacha's und Agada's ihm zugesührt.! Dieses Buch ist darum für den Jugendunterricht i vorzüglich geeignet und kann überdies auch denjenigen j warm empfohlen werden, die, ohne durch gründliche | Forschung in den tiefen Schacht des Talmud ein-! dringen zu können, doch aus seinem reichen Stoffe ' dieKenntniß mancher wichtigen Materien sich aneignen! und Verständniß für den unsterblichen Geist desselben! gewinnen wollen. M. I- I»IWM IIILI l -l Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Nordhaufen. Am Tage der Feier der goldenen Hochzcitsfeier unseres verehrten Kaiserpaares, am 11. Juni 1879, überreichte Herr Jacob Plaut, ein Kind unserer Stadt, der im Jahre 1852 nach Leipzig übersiedelte, aus Anhänglichkeit an seine Vaterstadt, zu Händen des Oberbürgermeisters Riemarm ein Geschenk von 300,000 Mk. zur Stiftung einer Alter-Versorgungsanstalt mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß arme und würdige, über 50 Jahre alte, hilflose Personen unserer Commune, ohne Unterschied des Geschlechtes, der Religion und des Standes in dieser Anstalt eine Zufluchtsstätte finden mögen. Schon vorher hatte Herr Jacob Plaut, mit Rücksicht auf seine hier verlebte Jugendzeit und die erfreuliche Thatsache, daß der Grund zu den nachherigen ausgedehnten Geschäftsunternehmungen des Bankhauses Plaut hier in Nordhausen gelegt worden ist,, (Inhaber des früher Plaut'schen Bankgeschäftes ist jetzt sein Schwager S. Fränkel hier) unsere Stadt in Gemeinschaft mit seinen zwei Brüdern in hochherziger Weise mit verschiedenen Legaten zu milden Zwecken bedacht. Betreffs der Altervertorgungsanstalt genannt Plaut'sche Stiftung

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