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Der Israelit · 1881-11-23 · Heft 47 (23.11.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 47 (23.11.1881)
Date
1881-11-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1162 die Tradition. ~wv m p">*n 'föwm „lind von der Fettigkeit der Erde, das ist die Mischnah." — Jedes der göttlichen Gebote und Verbote bedarf der näheren Erklärung, Anwendung und Ausführung in Bezug auf tausenderlei irdische Verhältnisse und Eventualitäten. Betrachten wir z. V. das Gebot der Sabbatruhe. In der heiligen Schrift ist dasselbe nur ganz kurz ausgesprochen. Wir würden aus ihr nicht erfahren, was erlaubt ist und was verboten sei. Wir würden aus dem Schriftworte nicht folgern können, wie wir uns Kranken gegenüber oder in Todesgefahr am Sabbat zu verhalten haben; wir würden nicht wissen, ob es erlaubt sei, über das Meer zu fahren oder durch die Wüste zu wandern, da doch innerhalb der Seefahrt oder der Wüstenwanderung Sabbate fallen müssen; wir würden nicht wissen, welche Knoten wir am Sabbat knüpfen dürfen und welche nicht; wir würden nicht wissen, wie wir uns mit der Beschneidung zu verhalten haben, wenn der achte Lebenstag des neugeborenen, männlichen Kindes auf einen Sabbat fällt. — Die Mischnah belehrt uns in Bezug auf die Anwendung der Gottesgebote auf alle irdische Verhältnisse rutro ,p**n 'joro\ „Und von der Fettigkeit der Erde, das ist die Mischnah." Nicht den Thau des Himmels und nicht die Fettigkeit der Erde können wir genießen; wohl aber die durch die Verbindung beider erwachsende Frucht. hcpp n: ,p- 3m. „Und die Fülle des Getreides, das ist der Talmud." Die Mischnah erscheint dem oberflächlichen Blicke als ein selbstständiges, unabhängiges Gesetzbuch. Der Talmud stellt die Verbindung zwischen der Thora und der Mischnah her. : 'K? Kipy KJ3? ’HDKD ’JHp" \vp JOT) KJD Aus dieser Verbindung erwächst gleichsam das Brod, das wir genießen, von dem wir leben. Der Talmud weist den Ursprung der Mischnahvorschriften aus dem geschriebenen Gottesworte nach; er enthält die Deutungsregeln und die Anwendung derselben. Aus einem scheinbar überflüssigen Buchstaben oder aus einem scheinbar fehlenden, aus der Wahl der Ausdrücke und der Wortstellung erschließt er uns den Sinn der heiligen Schrift und erklärt die Vorschriften der Mischnah. Er führt das Rüstzeug des menschlichen Verstandes herbei und zieht durch logische Schlußfolgerungen die uothweudigen Eonsequenzen i-,LPn.m 3m. „Und die Fülle des Getreides, das ist der Talmud." Ein deutscher Dichter*) nannte die Agadah einen Garten und verglich sie den schwebenden Gärten der Semiramis. *) Heinrich Heine. Hoch auf colossalen Säulen Prangen Palmen mrd Chpressen, Goldorangen, Blumenbeete Marmorbilder, auch Springbrunnen. Alles klug und fest verbunden Durch unzählige Hänge-Brücken, Die wie Schlingepflanzen aussehen Und worauf sich Vögel wiegen. Alle athmen ein, beseligt, Einen reinen Balsamduft, Welcher unvermischt mit schnödem Erdendunst und Mißgeruch. Die Agadah ist ein Garten. Sinniger vergleicht der Midrasch die Agadah dem süßen Moste, dem Weine, der des Menschen Herz erfreut, der da ist 't? mpip’n ten-p, heilig zur Lobpreisung dem Ewigen. Das ist der Segen unsres Vaters Jizchak, welcher die höchsten Güter unsres Volkes bezeichnet. So lange Israel diesen Segen sich bewahrt, ist es groß und herrlich, ,m*nn Py pK-ue*» najrtso -pNty 8yo ibiy und erst dann, wann es die Lehre Gottes vernachlässigt, ist es der Verfolgung und Unterdrückung preisgegeben. — Die Thora, die Mischnah, der Talmud und die Agadah, sie sind unser größter Reichthum, unser Leben, unser Ruhm, unser Glück. Literarischer Bericht. Hamadrich, Talmudische Chrestomatie für den ersten Unterricht im Talmud von Abraham Singer, Bezirksrabbiner in Var-Palota (Ungarn) und Wilhelm Singer 1. Theil 1. Band Hreßburg 1882. Selbstverlag der Verfasser. Preis 1 fl. tO kr. — M. 2.20. Wer ein tieferes Verständniß für das jüdische Erziehungswcsen besitzt, ist von der Ueberzeuguna durchdrungen, daß von dem Religionsunterricht nur dann ein ersprießlicher Erfolg zu erhoffen sei, wenn auch das talmudische Schristthum, wenigstens in seinen leichtern Partien, in den Lehrplan hiueingezogen wird. Denn gerade der Talmud enthält jene Momente, die geeignet sind, den jugendlichen Geist mit all seinen erwachenden Kräften anzuregen, sein Denken und Fühlen in die religiöse Sphäre hineinzuziehen und so durch Erweckung des religiösen Sinnes eine wahrhaft jüdische Weltanschauung zu begründen. Während aber der Unterricht in allen andern Schulgegenstände in methodischer planmäßig fortschreitender Weise ertheilt wird, mangelt es hier bei 1

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