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Der Israelit · 1881-11-16 · Heft 46 (16.11.1881) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 46 (16.11.1881)
Date
1881-11-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1154 Ein Mitglied der isr. Religionsgesellschaft wurde ohne sein Wissen und gegen seinen Wunsch von Mitgliedern der neologen Partei vorgeschlagen. Die Religionsgesellschast als solche verhielt sich dabei vollkommen passiv, und was Herrn Rabb. Dr. Lehmann betrifft, so erklärte er öffentlich, daß er nicht wünsche, daß ein Mitglied der isr. Religionsgesellschaft in den Vorstand der Reformgemeinde cintrete. Das Resultat war, das; jenes als Vorstandscandidat vorgeschlagene Mitglied der Religionsgesellschaft eine beträchtliche Anzahl Stimmen erhielt, so daß er zweifellos gewählt worden wäre, wenn sich die Orthodoxie an der Wahl betheiligt hätte. Die geehrten Leser werden aus Vorstehendem zur Genüge erkennen, ^vie wahrheitsliebend Herr Dr. Rahmer und die «einen sind. — Hoffentlich wird die isr. Gemeinde zu Rotterdam diesen „Wahrheitsapostel" von sich fern zu halten wissen! — Mainz, den 11. November. Der Jahresbericht des orthodoxen Rabbinerseminars zu Berlin über das Jahr 5641 enthält zunächst eine gelehrte Abhandlung des Rectors der Anstalt, des Herrn Rabbiner Dr. H i l d e s h e i m e r, über die wir bereits ausführlich berichtet haben. — Die Verhältnisse der Anstalt gestalten sich, Dank der unermüdlichen und energischen Thätigkeit des Herrn Rectors in erfreulicher Weise. Die Einnahmen betrugen fast 50,000 Mark, die Ausgaben aber wenig mehr als 30,000 Mark, so daß ein Ueberschuß von fast 20,000 Mark erzielt wurde. Das Vermögen der Anstalt beläuft ssch gegewärtig inclusive des Stipendiensonds, auf beinahe 200,000 Mark. Wenn man bedenkt, daß es einzig und allein Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer ist, durch dessen unablässige Thätigkeit nicht allein die großen Kosten alljährlich bestritten werden, sondern auch noch der Eapitalfonds in so überaus erfreulicher Weise anwächst, wenn man ferner einen Blick auf die obenerwähnte Arbeit wirft, welche einen der schwierigsten Gegenstände des jüdischen Schriftthums in echt wissenschaftlicher Weise behandelt, wenn man ferner ans dem dem Jahresberichte beigegebenen Lections-Verzeichnisse ersieht, welch tätigen Antheil der Herr Rector an dcrn Unterrichte der Hörer nimmt, wenn man außerdem bedenkt, welch vielseitige Thätigkeit Herr Dr. Hildesheimer als Rabbiner seiner Gemeinde, als Vorsteher zahlreicher Wohlthätigkeitsanstalten, als Helfer und Berater unzähliger Menschen entfaltet, so wird man diesem ausgezeichneten Manne die ganze mtb ungetheilte Bewunderung entgegenbringen, die er in so reichem Maße verdient. Die Anstalt wurde in verflossenem Jahre von 21 Hörern besucht. Von diesen wurden Dr. Jacobfohn als Rabbiner nach Schrimm, I. Schiffer als Stkftsrabbiner nach Hannover und Eduard Baneth als Rabbiner uach Krotoschin berufen. Den Preis der Jesaia-Berlin-Stiftung erhielte der Hörer Oscar Bähr aus Mayen bei Koblenz für eine gelehrte Arbeit über das Thema: nny ru’N 712' nn« nny 72 Möge des Allgütigen Segen diese hochwichtige Anstalt einer ferneren gedeihlichen Entwickelung entgegenführen. Mainz, den 14. November. Ein in einem hiesigen Geschäfte in der Lehre stehender israelitischer Jüngling, dessen Eltern in der Vorstadt Weisenau wohnen, wurde allabendlich beim Nachhausegehen von einer Anzahl christlicher Knaben mit Hepp-Hepvrnfen und anderen Schimpfereien verfolgt. Eines Abends griffen sie ihn sogar thätlich an, so daß der Knabe in seiner Verzweitelung ein Messer zog und einen seiner Angreifer schwer verwundete. Am vorigen Samstag wurde die Angelegenheit vor dein hiesigen Schöffengericht verhandelt. Herr Rechtsanwalt Dr. Ferdinand Mayer, welcher den Angeklagten vertheidigte, wies auf die gegenwärtige Judenhetze hin, welche solche Blüthen treibe und solche Früchte zeitige. Auch der Großh. Staatsanwalt gestand zu, daß der Angegriffene sich im «tande der Notwehr befunden und stellte seinen Antrag dahin, das; auf eine geringe Geldbuße ei'famtt werde. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten frei. Tübingen, 4. Nov. Pros. Dr. Pfeiffer hier wurde heute Morgen uach 9 Uhr im Lesezimmer des Museums vom Schlage gerührt und war sofort todt. Der so jäh aus dem LebenGeschiedene gehörte der juristischen Fakultät seit einer Reihe von Jahren als außerordentlicher Professor an. Am vorigen Montag wurde der Verstorbene auf dem israelitischen Friedhöfe in Stuttgart vom Bahnhofe aus beerdigt. Es hatten sich zu^der ernsten Feier u. A. Ministerialdirektor Dr. v. «sicher, Laudesgerichtsdirektor v. Firnhaber, Staatsanwalt Schönhardt und jüngere Justizbeamte, welche Schüler des Verstorbenen gewesen waren, eingefunden. Die gesammte israel. Oberkirchenbehörde war im Leichengefolge und Kirchenrath Rabbiner Dr. Wassermunn hielt die Grabrede, in welcher er darauf hinwies, wie eifrig der Verstorbene bestrebt gewesen sei, seiner Religion Achtung zu verschaffen, wie er aber auch jede andere Religion. hochgchalten habe. Ans der Lebensskizze, die derRedner entwarf, entnehmen wir, das; Pfeiffer am 25. Okt. 1821 in Weikersheim geboren wurde. Das Studium der Jurisprudenz, welches er erwählt, absolvirte er an den Universitäten Berlin und Tübingen. 186! verheiratete er sich. An der Landesuniversität war er als Privatdocent, später außerordentlicher Pro-

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