Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1881)
- Date
- 1881-11-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXII. Jahrgang. Zweite Leilage z» Ur. 46 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. „Die Leiden und Verfolgungen der Juden und ihre Beschützer in chronologischer Reihenfolge von Pharao 1650 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung bis zur Gegenwart. Von H. E. Budapest 1882. Verlag von Samuel Zilahy. Eine sonderbare Zusammenstellung, ohne Plan und ohne System. Die Jahreszahlen der alten Geschichte sind fast alte illcorrect. Schon die auf dem Titelblatt genannte ist ungenau und würde richtig 1406 heißen müssen. Bekanntlich begann die Unterdrückung der Israeliten in Aegypten 86 Jahre vor der Geburt unseres Lehrers Moscheh. Dieses Geburtsjahr setzt der Verfasser auf das Jahr 1608 (richtiger 1400). Wie stimmt dazu die oben angegebene Zahl 1650? Geringes und Unbedeutendes wird häufig hervorgehoben, dagegen wird Wichtiges nicht erwähnt. So wird Nabbon Jochanan ben Sackai, der Erhalter der jüdischen Lehre und Wissenschaft, nicht genannt, während dem Rabbiner-Seminar in Pesth eine ganze Seite gewidmet wird. Für Rabbenu Jehudah, den Fürsten und Beschützer seines Volkes, den Redacteur der Mischnah, hat der Verfasser keinen Raum, wohl aber für Dr. Ludwig Philippson, den Redacteur der „Allgemeinen Zeitung des Judeuthnms"!!! Joseph Luans (Rabbi Joselmann von Rosheim) wird mit keinem Worte gedacht; dagegen werden Leopold Löw, Julius Barrasch und derlei unbekannte Größen in den Himmel gehoben. Das Ganze ist nichts als eine geistlose, ermüdende Zusammenstellung, die auf wissenschaftlichen Werth nicht den geringsten Anspruch machen kann. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Vom Rheine, 10. November. Nicht nur die Herren Stöcker, Hcnrici, Förster 2C. hänfen Lügen und Verläumdnngen ans Juden und Judenthnm. Man lese einen aus Rheinhessen datirten Artikel in Nr. 45 der isr. Wochenschrift. Soviel Worte, soviel Unwahrheiten und Verdächtigungen. Zuerst wird behauptet, Herr Dr. Sänger, Rabb. der isr. Religionsgesellschaft zu Bingen, sei in Aschaffenburg als Neologe aufgetreten! Diese Lüge wird offenbar in der Absicht ansgesprengt, Herrn Rabbiner Dr. S. bei seiner Gemeinde zu disconditiren, denn das saubere Blatt schreibt wörtlich: „Und Sänger fungirt annoch als Rabbiner der orthodoxen Religionsgesellschaft in Bingen!" — Alle diejenigen, welche das Glück haben, Herrn Rabbiner Dr. Sänger näher zu kennen, wissen, welch' hohe Verehrung, Liebe und Achtung ihm verdientermaßen von seiner Gemeinde entgegengebracht werden, und daß derlei Verdächtigungen vollkommen ihren Zweck verfehlen. Hieraus folgt die ganz ungeheuerliche Angabe, Herr Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz habe bei den jüngsten Wahlen für die — Socialdemokraten Partei genommen. Die Behauptung ist zu kölnisch, als daß sie einer Widerlegung bedürfe. Die angebliche Thatsache wird aus einem Artikel in Nr. 42 des „Israelit" gefolgert, in welchem berichtet wird, daß Herr Liebknecht in seiner in Mainz gehaltenen Kandidatenrede sich energisch gegen die moderne Judenhetze ausgesprochen habe. In derselben Nummer wird ein Gleiches von Herrn von Kusserow, einem conservativen Wahlkaudidaten aus Berlin und Herrn v. Meyer, einem nationalliberalen Wahlkandidaten aus Bremen, berichtet. Mit demselben Rechte könnte man demnach behaupten, Herr Dr. Lehmann habe für die Conservativen oder für die Nationalliberalen Partei genommen. Politische Agitationen liegen dem „Israelit" vollkommen fern. Es ist aber der Tendenz dieses Blattes angemessen, es rühmend hervorznheben, so Jemand öffentlich zu Gunsten unserer Glaubensgenossen auftritt. Es ist dabei ganz gleichgilrig, welcher politischen Partei der Betreffende angehört. Wir zollen dem Guten, wo immer es auch zu Tage tritt, gern und freudig unsere volle Anerkennung. Und nun noch ein Trittes: in Mainz habe bei der jüngsten Vorstandswahl der Candidat der orthodoxen Religionsgesellschaft nur wenige Stimmen ans sich vereinigt; es wird daraus der Schluß gezogen, wie sehr das Prestige Lehmanns in Mainz und Umgegend, wo man ihn kennt (sie!), im Sinken begriffen sei. Tie Thatsache verhält sich ganz anders.