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Der Israelit · 1881-11-16 · Heft 46 (16.11.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 46 (16.11.1881)
Date
1881-11-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1143 die mich von hinnen treibt. Möge sich Gott Deiner und unsres Volkes erbarmen." (Fortsetzung folgt.) Uus den papieren einer Schameth- Jamitte. Von Naphtali Simon. IV.*) Das mir vorliegende Heft, aus welchem ich das Folgende mittheile, zeigt auf dem Umschlag die Worte: (II) „Ans meinen Erfahrungen — für meine Nachkommen zur Erinnerung an ihren Vater und Großvater Abraham Löb, emeritirten Küster und Beglaubigten der hiesigen israelitischen Gemeinde." 11x2 N’sim npj/’ x'ii ivy rism ■pvi 'n Jy "onnsD . Befiehl Gott deine Wege, vertraue Ihm, — Er wird es vollführen; — Er wird deine Tugend wie das Licht und dein Recht wie den Hellen Mittag erscheinen lassen." Wohl erkenne ich meinen geringen Werth und weiß, daU ich zu den Geringsten zähle. Gering ist inein Wissen und geringfügig waren meine Handlungen; unbedeutend und wenig geachtet ist die Stellung, welche ich in meinem Leben eingenommen. Dennoch aber glaube ich, daß meine Kinder und Enkel in mir den Vater ehren werden, auch wenn ich nicht mehr bin, und daß mein Andenken in ihnen lebendig bleiben wird. Dem Alten wird ja überhaupt Hochachtung gezollt, und ein Vater ist seinen Kindern immer ehrwürdig. Deshalb habe ich mich der Bitte meiner Kinder nicht entziehen mögen, welche ausdem Leben des Vaters einige Aufzeichnungen zu besitzen wünschen, und benutze die Zeit der mir aufgenöthigten Muße zum Niederschreiben einiger Erfahrungen aus meinem Leben, welches bald seinem Ende entgegengeht. Das hehre Vorbild meines Vaters und Großvaters wies mich auf den Pfad des Rechten. Ich suchte ihnen nachzustreben und danke Gott dafür, daß er mich gehütet und beschirmt hat vor den Versuchungen, welche an mich herangetreten sind. Ich darf es wagen im Jenseits vor diesen Frommen zu erscheinen. Wenn ich auch als ein Zwerg neben ihrer Größe dastehen werde — ich bin ihres Namens nicht unwürdig. Neben diesen erhabenen Gestalten erglänzt in freundlicher Milde das theuere Antlitz meiner tugendhaften Mutter. Sie hat in mein Herz den festen *) Fortsetzung aus :>i r. 34. Grund des unerschütterlichen Gottvertrauens gelegt, welches ich mir bewahrt habe bis zu dieser Stunde. Es verstand sich fast von selbst, daß mir nach dem Tode meines Vaters das Amt übertragen wurde, welches seit Menschengedenken in unserer Familie sich von Vater auf Sohn vererbt hat. Ich bin der Letzte meines Stammes, der es bekleidet. Die alte Gemeinde ist untergegangen und 'der „Schamesch" hat ihr zu folgen; die Todtengräber der „Kehilla" gewähren ihm für die kurze Spanne Zeit, welche er noch hienieden zu weilen hat, das Gnadenbrot. Sechsunddrcißig Jahre habe ich im Dienste der „Kehilla" gestanden — das Herz wollte brechen. Doch es ist so besser; - was hatte ich noch zu wirken? Neue Satzungen sind an die Stelle der alten gekommen; aus dem Gotteshause und der Gemeinde ist der Gehorsam gegen das göttliche Gesetz gewichen; man hat ihm die Treue gebrochen und wollte mich alten Mann zu gleichen! Abfall nöthigen. Doch der alte Mann achtete Gottes Gebot höher als der Menschen vermeintliche Weisheit und weigert den hochmögenden Herrn den Gehorsam. — - - Ich will nicht murren, nicht klagen; — ich wollte doch von meinen Erfahrungen mittheilen! Was sich in der Gegenwart vor unfern Augen vollzieht, ist das Erzeugniß vergangener Tage, ist die Frucht einer Saat, welche lange im Schooße der Vergangenheit gekeimt hat. Als ich mein Amt antrat, war die Gemeinde als solche noch eine echt jüdische. Es war aber die Zeit der „Aufklärung", wie man sie nannte, die Zeit des Ringens nach politischer und bürgerlicher Freiheit und Gleichstellung unter den Juden. „Aufgeklärt" nannten sich alle Diejenigen, welche nach allgemeiner Bildung strebten, welche die Werke der Gelehrten und Dichter studirten. Verderblich aber war der damals verbreitete Glauben, daß diese Bildung und Wissenschaft im Widerspruche stehe mit der heiligen Lehre des Judenthums. Verderblich aber war die Meinung, daß man dem göttlichen Gesetze den Rücken kehren müsse, wenn man „gebildet", „aufgeklärt" werden wolle; und verhängnißvoll ist es geworden, daß nicht nur die abgefallenen Brüder also dachten, sondern daß auch vielfach die großen und gelehrten Führer, die Rabbiner, die Lehrer des Gesetzes und die aufrichtig Frommen der gleichen Ansicht waren. Diese waren deshalb der Aneignung jener Bildung und der Beschäftigung mit der profanen Wissenschaft abhold und warnten davor. Die Nothwendigkeit aber drängte darauf hin, daß die Jugend dennoch sich mit der allgemeinen Bildung vertraut machte, daß sie die Schulen, welche den Real- und gelehrten Wissenschaften gewidmet waren, besuchten. Wegen des tn den frommen Kreisen theil-

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