Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1881)
- Date
- 1881-11-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1140 auch nicht — und der Himmel ist gleichgültig." Die Verzierungen zum Weihnachtsbaume werden von den jüd. Schülern am Sonnabend gemacht. Am Weihnachtsabend, der diesmal auf Freitagabend fiel, haben die jüdischen Schüler um 7 Uhr, also am Sabbat, die Lichter am Weihnachtsbaume angezündet, ihn mit dem Liede „O Tannenbaum" besungen und darauf im Tempel eine kurze Sabbatandacht abgehalten. Hingegen wurde das Chanukalicht während des ganzen Stägigen Festes nur einmal und zwar am Freitag-Abend um 7 Uhr vom christlichen Hausdiener angezündet, wobei der Vorbeter die Segenssprüche sprach. Am Sabbat ist Schule, Sonntag hingegen wird der Unterricht (bis auf eine hebräische Stunde) ausgesetzt, obgleich der größte Theil der Schüler Juden sind und nach der ausdrücklichen Bestimmung des seligen Testators die Anstalt im religiösen Sinn geleitet werden soll. Kein Kind legt Tefilin, und das tägliche Gebet besteht in einigen hebräischen Versen und einem deutschen Choralgesang. Aus allem bisher Angeführtem geht zur Genüge hervor, daß an dieser Anstalt mit den heiligsten Institutionen gebrochen wird, und daß die Jugend, die in einem solchen religiös indifferenten Institut erzogen, in Zukunft nur ein p*n rup ein „geknicktes Rohr" für das Judenthum bilden wird. Ich habe zu Ostern gekündigt, weil ich mein Gewissen bedrückt fühlte, und habe seit October die Stelle verlassen. Sollten nicht alle Rabbiner und jüdischen Blätter, denen die Religion am Herzen liegt, gegen eine solche Anstalt proteftiren, die so verderblich auf den Geist und das Gemüth der Jugend einwirkt? Ich hielt es für eine Gewissenspflicht, dies zu veröffentlichen. mm nwsj 5'sn denn auch religiöse Familien, besonders aus dem Auslande, führen dieser Anstalt — bona Me — Kinder zur Ausbildung zu; sie besonders mögen gewarnt sein. 8. 0. Frankreich. Aus Paris 10. Nov., wird uns geschrieben: Chalons a. d. Saone war in der Nacht vom 31. October der Schauplatz eines geheimnißvollen und schauderhaften Mordes. Armand Marx, 27 Jahre alt, Substitut des Staatsanwalts, wurde am Morgen des 1. November in seinen: Zimmer ermordet ausgefunden. Kopf und Kinnbacken des! wahrscheinlich Schlafender: waren zerschmettert, die! Zunge zerschnitten, der Mord mit barbarischer Wuth! und Grausamkeit vollbracht. Nichts war geraubt worden, nur in den Taschen der Kleider fanden sich Blutflecken, als ob man nach Briefen oder Papieren darin gesucht hätte. Das unglückliche Opfer wurde am Fuße des Bettes bewußtlos gesunden, (woher die Pariser Blätter Irrthümlich seinen Tod meldeten), er kehrte zum Leben, jedoch nicht zum Bewußtsein zurück und starb nach 3 Tagen, ohne über den Mörder auch nur die geringste Auskunft geben zu können. Ein gräßlicher Akt der Rache liegt hier vor, aber noch weiß man nicht, war es die That eines Verurtheilten, war es Eifersucht, welche einen Wüthenden dazu veranlaßte. Der junge Mann war allgemein geachtet, besaß umfassendes Wißen, und lebte nur seinem Berufe. Er war der Sohn eines angesehenen Kaufmannes, Emanuel Marx in Nancy (die Mutter ist eine geborene Frankfurterin, eine Beer-Eskeles) der Stolz seiner Eltern und er sah einer glänzenden Laufbahn entgegen. Am Sonntag den 6. fand die Beerdigung in Nancy statt. Alle Spitzen der Behörden waren anwesend, über 10,000 Menschen gaben ihm das letzte Geleite. Hoffentlich wird der ruchlose Mörder der Hand der Gerechtigkeit nicht entgehen. Feuilleton. U k i k a. XXXXVI. Vor dem Schlafzimmer Bar Kochbas stand Barak, einer der Leibwächter des Königs, mit gezücktem Schwerte. Mitten in der Nacht trat Rabbi Akiba auf ihn zu und sprach: „Ich muß den König sprechen!" „„Es ist unmöglich"", antwortete Barak, „der König will nicht gestört sein."" „Weißt Du, wer ich bin?" fragte Rabbi Akiba. „„Der Mann"", antwortete Barak, „„den alle Juden als ihren Vater und Lehrer verehren."" „So laß mich eintreten beim Könige." „„Ich kann Dir den Eintritt nicht gestatten."" Da öffnete sich die Thüre. In ihr erschien Bar Kochba. „Rabbi", rief er, „es muß etwas Wichtiges sein, was Dich in so später Stunde zu mir führt. Tritt ein." Bar Kochba war in voller Rüstung. Er ließ sich auf dem Divan nieder und lud Rabbi Akiba durch eine Handbewegung ein, ein Gleiches zu thun. „Ist Israel in Gefahr?" fragte er. „„Es ist in Gefahr"", antwortete Rabbi Akiba. „„Israel ist nie bedroht, so lange es der Eine bewacht, der seine treuen und geliebten Kinder nie vergißt. O, Du Nachkomme Davids, den Gott auser-