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Der Israelit · 1881-11-09 · Heft 45 (9.11.1881) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 45 (9.11.1881)
Date
1881-11-09
Page
– (sequence 27)
Language
German
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:1 r »09 Vorwärts, dies sei unser Losungswort! Conjurati. Die Hetze hatte mit dem Anschlägen dieser Placate begonnen, deren Verfasser nicht zu eruiren waren. Morgen wird das Zeugentierhör beendet worauf die Acren dem Vicegespan-Amte übermittelt werden. Gegenwärtig herrscht in Paszto vollkommene Ruhe Der Pasztoer Stuhlrichter Ladislaus Horvath ließ! die Zigeuner zu sich citiren und verbot ihnen bei! strengster Strafe das Hepp-Hepp zu spielen. Der katholische Pfarrer Joseph Hovan hat in seiner! jüngsten Sountagsprcdigt die Gläubigen in beredten ' Worten zur Eintracht und Toleranz gegen die Juden gemahnt, da dies der christlichen Religion; am besten entspricht. * , Lemberg, 17. Cct In er heutigen Sitzung! des Landtages improvisirte die Majorität eine : regelrechte Judendebatte, die einen unwiderlegj baren Beweis für die antisemitische Gesinnung der j seitens der slavischen Geschichtsschreiber als „tolerant" verschrieenen polnischen Nation lieferte. Den Anlaß; hiezu gab der bekannte Antrag des Abg. Merunowicz! wegen der strengeren Ueberwackung der jüdischen j Matrikenbücherführnng. Dr. Goldmann wies darauf hin, daß schon der erste gegen die Juden gerichtete; Antrag des Abg. Merunowicz, betreffend die strengere , Eontrole der nichtcoucessionirten Pfandleihanstalten, ' nach den Ausführungen der landtäglichen Rechts-! connnission, welche die vorhandenen gesetzlichen Vor-; schritten als ausreichend bezeichnet, gegenstandslos; geworden tft; ebenso überflüssig sei auch der zweite Antrag des Abg. Merunowicz, denn weder die Verwaltungs-Commission, noch der Antragsteller seien im Stande gewesen, auch nur einen einzigen Fall eines bei der Führung der jüdischen Geburts- und Trauuugsbücher vorgekommenen Mißbrauches anzugeben, wie dies ja im Ausschußberichte ausdrücklich constatirt werde. Der Abgeordnete Merunowicz habe j also blos einige Gemeinplätze vorgebracht, seine einen ganzen Volksstamm beleidigenden Insinuationen aber durch nichts erwiesen Zwar habe sich dieser Abgeordnete auf Vorgänge bei Assenttrungen berufen; j allein da die letzten diesbezüglichen Ministerial-Ver-! ordnungen erst im Jahre 1878 zur Durchführung gelangten, so lasse sich jetzt noch überhaupt nicht beurteilen, ob die Klagen über die angeblichen Mißbräuche begründet sind; es sei fürwahr unverantwortlich, daß man in so leichtfertiger Weise grundlose Beschuldigungen in die Welt hinausschleudere. Redner will für die Zuweisung des Antrages an die Regierung stimmen, damit endlich einmal auch den Behörden Gelegenheit geboten werde, sich von der Grundlosigkeit ähnlicher Denunciationeu zu überzeugen. Abgeordneter Zurowski erhob wieder die Anschuldigung, daß bei Assenrirungen in Galizien noch zmmer jüdischerseits Irregularitäten Vorkommen. Einen Beweis für seine Behauptung ist auf- Zurowski schuldig geblieben. Abgeordneter Merunowicz sagte, nach seiner innersten Ueberzeugung werden die bestehenden Vorschriften, die sonst zur Hintanhaltung von Mißbräuchen vollkommen ausreichen, jüdischerseits umgangen. Beweise für derartige Fälle könne keine Privatperson, sondern nur die Behörde, die aber dabei mitbeteiligt ist, vorlegen. Abgeordneter Romanowics äußerte die Ansicht, daß es am zweckmäßigsten wäre, wenn die Führung der Eivilstandsregister für alle Konfessionen statt den kirchlichen Organen fortan den Verwaltungs- Behörden übertragen werden sollte. Abgeordneter Dr. Zucker betonte, daß Merunowicz auf allzu vage Vermuthungen hin eine folgenschwere Anklage erhoben habe. Die judenfeindlichen Anträge des Genannten können sich wegen Mangels einer jeden tatsächlichen Grundlage nicht einmal zur formellen parlamentarischen Grundlage eignen. Der vorliegende Antrag müsse so gedeutet werden, als ob man die Juden von den öffentlichen Aemtern ausschließen wolle. Graf Mencinski von der Krakauer Partei ergriff das Wort, um darzuthun, daß Merunowicz mit seinen Anschauungen im Landtage nicht vereinzelt dastehe. Bei der Verhandlung des Antrags, betreffs der Errichtung eines Lehrer-Internates haben die Juden gewisse Rechte für sich beansprucht, die ihnen freilich nicht zugestanden wurden. Es sei daher nur billig, darauf zu achten, daß sich die Juden der Erfüllung der ihnen aufcrlegten Pflichten nicht entziehen Beweise über vorgekommene Mißbräuche seien zwar keine vorhanden, aber die öffentliche Meinung habe sich dariiver bereits ein Urtheil gebildet. (Diese Argumentation ruft lebhafte Heiterkeit hervor.) Im Namen seiner Gesinnungsgenossen erkläre er nun, daß sie die Intentionen des Abgeordneten Merunowicz genau verstanden haben und daher für die Einleitung einer Untersuchung stimmen werden. Trotzdem der Berichterstatter der Commission, Dr. Madejski, nochmals versichert, daß kein einziger Beweis für die Stichhaltigkeit der wider die jüdischen Rabbiner und Matrikelämter erhobenen Beschuldigungen erbracht worden sei, wird der Antrag auf Zuweisung dieser Angelegenheit an die Regierung mit großer Majorität angenommen. Deutschland. Leipzig, 6. Oct. Der Redacteur der in Gleiwitz erscheinenden „Oberschlesischeu Volksstimme", R., ist unterm 17. Juni 1881 vom Landgericht zu Gleiwitz wegen Beleidigung der Juden, unter Freisprechung von der Anklage der Aufreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten, zu

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