Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1881)
- Date
- 1881-11-09
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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1070 einer Geldstrafe M 200 Mark, eventuell 20 Tage Gefängniß verurtheilt und die Confiscation sämmtlicher Exemplare der „Oberschlesischen Volksstimme" vom 3. März 1881 ausgesprochen worden. Die fragliche Stummer enthielt einen Artikel mit der Überschrift: „Der Juden Antheil am Verbrechen", in welchem der Inhalt der gleichnamigen Broschüre wiedergegeben und bemerkt war, daß die Juden in der Verbrecherstatistik die erste Stelle einnehmen; allerdings seien dieselben nicht in allen Verbrechen durchweg gleich groß, am meisten begingen sie Sittlichkeitsverbrechen; in Betrug, Meineid, Bankrott und Urkundenfälschung seien sie Haupthelden; dagegen seien Raub und Einbruchdiebstähle bei den Juden nicht so sehr in Hebung, — das gereiche den Kindern Israel nicht zur Ehre, sie zögen sich von diesen Verbrechen Nicht etwa darum zurück, weil sie dieselben verabscheuen, sondern weil sie Zur Ausübung derselben zu feig 2c. Durch biejen Artikel fühlten mehrere jüdische Einwohner von Gleiwitz sich beleidigt und stellten unterm 7. März d. I. Strafantrag, auf welchen die oben erwähnte Verurtheilung erfolgte. Das Gericht nahm an, daß durch die allgemein gegen die Juden ausgesprochene Mißachtung jeder einzelne Jude verletzt und zu dem Antrag auf Bestrafung des Beleidigers berechtigt sei, zumal dem Angeklagten bewußt gewesen, daß die Beleidigungen zur Kenutniß der jüdischen Einwohner in Gleiwitz kommen würden. Der Angeklagte hat gegen das verurtheilende Erkenntniß die Revision eingelegt mit der Rüge materieller Gesetzesverletzung. Der Reichsanwalt hält das Rechtsmittel für verfehlt; ob in einer gegen eine ganze Klasse oder einen Stand gerichteten beleidigenden Aeußerung auch eine Beleidigung einzelner Personen zu finden sei, sei Sache rhatsächlicher Feststellung und ebenso, wie nach wiederholten Erkenntnissen des preußischen Obertribunals eine Beleidigung des ganzen Heeres die Beleidigung eines einzelnen Soldaten sein könne, so habe die Vorinstanz ohne Rechtsirrthum feftgestellt, daß durch gegen die Juden im Allgemeinen gerichteten Artikel jüdische Einwohner von Gleiwitz beleidigt seien. Das Reichsgericht hebt das llrtheil auf und verweist die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an die erste Instanz zurück. Eine Beleidigung ist die Ehrverletzung bestimmter Personen. Es ist wohl möglich, daß durch eine Injurie, welche sich gegen eine kollektive Mehrheit richtet, auch einzelne Personen beleidigt sind und daß der Thäter sie beleidigen wollte; aber es ist im vorliegenden Falle nicht genügend festgestellt, daß die betreffenden Antragsteller beleidigt sind. $ nt t H e t p k. Ukiba. XXXXIII. Unter den Ankömmlingen befand sich auch Rabbi Elasar Hamodat. Die Gattin des Ehiskijahu aus Bethlahem war seine Schwester gewesen. „Wahrlich," sprach er, als er Ben Kesiba erblickte, „Du bist der verlorene Menachem, der Sohn meiner Schwester. Du gleichst meinem verstorbenen Schwager Ehiskijahu, wie nur ein Sohn seinem Vater gleichen kann." Endlich kehrte Rabbi Akiba zurück. Um ihn sammelten sich die Weifen. Es war ein höchst wichtiger Moment. Wenn die Weifen dem angebliche^ Messias ihre Anerkennung versagten, so entstand ein entsetzlicher Bruderkrieg in Aussicht; denn schon hatten sich um Ben Kisiba Tausende geschaart, die bereit waren, ihn zu ihrem Könige auszurufen, für ihn zu kämpfen, für ihn zu sterben. Eine nicht minder schwere Verantwortlichkeit nahmen die Weisen auf sich, wenn sie den Jüngling als den erwarteten und heißersehnten Messias begrüßten. Dann galt es einen Kampf gegen die mächtige, weltbeherrschende Roma auf Leben und Tod. Es galt nun vor allen Dingen, die Verhältnisse klar zu legen. Rüuben erschien vor der Versammlung und erzählte die wunderbaren Dinge, die er erlebt hatte; Levi kam und berichtete, wie er das Kind gefunden und wie sich dessen Jugend gestaltet hatte; von den glänzenden Geistesanlagen des Knaben, von seinem nimmer ermüdenden Fleiße, von seiner wunderbaren Körperkraft, von seinen hochfliegenden Plänen und Träumen. Rabbi Eleasar Hamodat bestätigte die Herkunft des Jünglings und dessen nahe Verwandtschaft mit ihm. Rabbi Akiba wurde mächtig erregt von allen diesen Berichten, und fast all die großen Weisen Israels glaubten die Erfüllung ihrer schönsten Hoffnungen, ihrer heißesten Sehnsucht nahe; aber nicht alle. £garnenk xyhob Rabbi Jose ben Kisma seine Stimme: „Wie können wir," sprach er, „uns erheben gegen das große, mächtige Reich! Gott hat es zugelassen, daß die Römer Sein heilig Haus zerstört haben, und wir sollten uns gegen sie empören!" Rabbi Jose ben Kisma war einer der angesehensten Lehrer Israels und stand bei den Römern in hohem Ansehen. Von diesen waren ihm ein hohes Staatsamt angeboten worden, das er zurückgewiesen hatte, um ausschließlich dem Thorastudiuw zu leben'I. Deßhalb war seine Meinung bestimmend *') A'Yrgkidje die Borailha, die als das sechste <5npitd der tzirke?!bo:h in unfern Gebetbüchern stehr, $ 9.