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Der Israelit · 1881-11-09 · Heft 45 (9.11.1881) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 45 (9.11.1881)
Date
1881-11-09
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1131 Eintritte der Juden gezogenen Schranken vorzubereiten. Aber die Excesse der letzten Zeit haben der jüdischen Bevölkerung vom Westen und Süden eine große Abneigung eingeslößt, sich in Provinzen hineinzuwagen, die ihnen unbekannt sind und wo sie gegenwärtig vielleicht von neuen Gefahren bedroht sein könnten. Sie fürchten insbesondere in Städten oder Dörfern zu wohnen, wo es keine Inden, keine Rabbiner, keine Synagoge giebt, wo sie sich auf schwierige Weise Beziehungen schaffen mühten und wo sie gänzlich isolirt und verlassen wären. Dieses sehr natürliche Gefühl wird vielleicht mit der Erinnerung an die letzten Ereignisse schwinden. Es erübrigt also nur die Auswanderung nach Amerika, diesem immensen, reichen und freien Lande, wo Alle, welche arbeiten können und wollen, ihre Existenz finden. Die Alliance war zu der Unterstützung der Auswanderer nach diesein Lande um so mehr ermuthigt, als sie zu wiederholten Malen von dem Loarä ok Delegafes zu New-2)ork, dieser hohen und ausgezeichneten israelitischen Adininistration in den vereinigten Staaten, die Versicherung erhalten hatte daß die amerikanischen Israeliten stets diejenigen israelitischen Emigranten, welche Aussichten aus Erfolg darbieten, gern ausnehmen und thätig unterstützen würden. Im Jahre 1878 ließ uns der üoarcl durch eines seiner Mitglieder, H. Myer Stern, die Bedingungen kennen lernen, unter denen er die Emigration unterstützen könnte. Er beklagte sich lebhaft darüber, daß verschiedene europäische Gemeinden greise, gebrechliche, schwächliche und arbeitsunfähige Personen nach Amerika schicken. Derselbe wiederholt uns jetzt, daß solche Auswanderer in trauriger Weise zum Betteln verurtheilt sind, daß die Noth in Amerika groß ist und daß es allein in New-Aork eine israelitische Bevölkerung von 10,000 Seelen giebt, welche lediglich von Almosen lebt; man solle daher mit der größten Sorgfalt die Auswanderer nur unter den jungen, kräftigen, gesunden, arbeitsfähigen Männern und ganz besonders aus denjenigen wählen, welche ein Handwerk betreiben können; solche, aber auch nur solche Auswanderer erklärte sich der Kvnrel bereit, aufzunehmen, da er überzeugt ist, daß sie den Gemeinden nicht zur Last fallen und dem amerikanischen Iudenthum nicht durch Bettelei und Vagabondage zu Schande gereichen würden. Als der Loarä die Mittheilung der Alliance erbalten hatte, ging er sofort ans Werk und wurd hierbei von der einstimmigen Gesinnung der amerikanischen Israeliten ermnthigt. Er richtete an Letztere einen warmen Aufruf, in welchem er sie bat, Locateomites zu bilden, um zu den Kosten der Aufnahme und Unterbringung der Emigranten, beizutragen, und ihm alle für die Unterbringung derselben in den verschiedenen Staaten nützlichen Mittheilungen zu machen. In diesem Augenblicke prüft derselbe die Mittel der Unterbringung einer Anzahl von Emigranten in Texas oder anderen Agriculturländern Amerikas. Unter Mitwirkung der amerikanischen Israeliten und ihrer hohen Leitung ist dieses Hilsswerk zu prosperiren berufen. Die Aufgabe der Alliance war nun, die Emigranten gut auszusuchen, die Transporte zu organisiren, die Reisekosten bis nach New-Jork zu bestreiten und dem Loarä verhältnißmäßige Zuschüsse zu den Kosten der Unterbringung derselben in New-Pork oder in entfernteren Staaten zu leisten. Dank dem (Ertrage der russischen Subscription, der gegenwärtig die Summe von Francs 430,076.54 erreicht hat, Dank insbesondere einem Geschenke ganz außergewöhnlicher Bedeutung, war das E.-ComitCs im Stande, in ziemlich großem Umfange die Auswanderung ins Werk setzen zu können. Dennoch wird ohne Zweifel die Zahl der nach Amerika transportirten Personen im Berhältniß zu der hilfsbedürftigen Bevölkerung, die Zurückbleiben muß, schwach sein; aber die sowohl von der Alliance selbst, i. I. 1869, als von AuswanderungSgesellschasten früher gemachten Erfahrungen beweisen, daß jeder arbeitsfähige Auswanderer gewöhnlich nach einer gewissen Zeit Angehörige oder Freunde nach sich zieht und eine Art von Airziehungseentrum wird, welches die Auswanderung verlängert uild die Wirkung derselben vervielfaligt. Tie von der Alliance unternommene Emigration kann ziemlich lauge, vielleicht Jahre laug dauern, sie kann eine verhältnißmäßig beträchtliche Anzahl von Persollen nmsassell und wenil sie, wie wir hosfell, gute Resultate liefert, so ist kein Zweifel, daß sich durch unsre Bemühungen ein coustanter Auswanderuugsstrom von Rußland nach Amerika einrichten wird. Dieses ziemlich lange methodisch und beharrlich fortgesetzte Hilsswerk wird ganz gewiß einen wohlthätigen Einfluß aus das Schicksal der Israeliten von Rußland ausüben. Der Erfolg hängt, lvie gesagt, von der guten Auswahl der Emigranten ab; die Elemente zu einer gelten Auswahl fehlen nicht; die Israeliten von Südrußland sind im Allgemeinen schöne, kräftige und gesunde Menschen und vielfach Handwerker; ihr Betragen und ihre Erzihung sind sehr lobenswerth. Die mit der Auswahl von Emigranten beauftragten Personen haben am häufigsten keine andere Verlegenheit, alö diejenige, welche ihnen die Ueberfülle von Bittgesuchen bereitet. Diese Auswahl ist es überhaupt, auf welche die Alliance die allergrößte Sorgfalt verwendet. Bereits länger als einen halben Monat nullt im Allstrage der Alliance eine vertrauenswürdige Person in Brody, ander russischen Grenze, wohin sich 3 bis 4000 russische Israeliten geflüchtet haben, und nimmt daselbst die Auswahl der Emigranten vor; ebenso hat sich neulich das Mitglied des E.-Eomites, H. Eharles Netter, dessen hingebungsvoller Eifer auf der Höhe dieser großen Aufgabe steht, auch seinerseits nach Brody begeben, um den Gang dieser Operationen zu überwachen und zu reguliren. Letztere haben Anfangs September e.

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