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Der Israelit · 1881-11-09 · Heft 45 (9.11.1881) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 45 (9.11.1881)
Date
1881-11-09
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1132 begonnen und sind seitdem ununterbrochen fortgesetzt worden. Bis jetzt sind 4 Expeditionen bewerkstelligt worden und eine 5. ist bereits in der Bildung begriffen; die Gesammtzahl der Emigranten, inclusive dieser 5., beträgt 451. Alle verstehen ein Gewerbe oder ein Handwerk; am häufigsten sind unter ihnen: Ackersleute, Gärtner, Maurer, Schmiede, Dachdecker, Glaser, Vergolder, Stubenmaler, Klemptner, Tischler, Schlosser, Schuhmacher, Schneider, Seiler, Hutmacher, Buchbinder, Uhrmacher, Goldschmiede, Lithographen, Brauer, Fleischer, Bäcker, Erdarbeiter re. Die Emigranten werden mit der Eisenbahn von Brody nach Antwerpen befördert und von hier zu Schiff nach Liverpool transpotirt, wo sie große Schiffe einer englischen Compagnie besteigen. In Amerika werden sie vom Board empfangen, der sie unterzubringen sucht. Mit Unrecht hat man nach Briefen, die fälschlich der Alliance untergeschoben wurden, veröffentlicht, daß dieselbe in Amerika Landstrecken erworben habe, um sie an die Emigranter zu vertheilen, und daß sie ihnen ein Capital zur Cultivirung dieser Ländereien gebe. In Antwerpen hat sich mit dem alten Lokalcomit^ der Alliance ein neugebildetes Specialcomitö verbunden, welches die Alliance israölite universelle thätig unterstützt; dieses Comittz, unter Leitung der Hh. Horn- Feist und L. Snitzler, nimmt die Emigranten auf, vertheilt an sie die von der Alliance geschickten Bekleidungsgegenstände, überwacht ihre Einschiffung und widmet ihnen alle Fürsorge, welche die Bahrmherzigkeit und Menschlichkeit erfordert. Das Comite der Anglo- Jewish Association von Liverpool gewährt uus unter der Leitung des H. Baron v.Benas zu demselben Zwecke seine ausgezeichnete Mitwirkung. Ebenso hat sich in Brody ein Lokaleomitö gebildet, das den: H. Netter zur Seite steht und zu dem guten Fortgang des Werkes beiträgt; zu den Mitgliedern dieses Comittzs gehören die HH.H. Kapelusz, Kallier, Ph.Kolischer und Chajes. — Nicht minder haben die Emigranten in den Städten von Oesterreich-Ungarn und Deutschland, welche sie passirt haben, überall Symphathiebeweise erhalten. (Die Israeliten von Bulgarien.) Der Direktor der Schule von Philippopel richtet an das C.-Comitö folgendes Schreiben! „Ich habe die Ehre, Ihnen zu melden, daß durch Ukas Sr. H. des Fürsten und auf Empfehlung des Präsidenten des Stadtraths von Sophia, H. Daskaloff, von Hh. Abraham B. David und Mardochai B. Hann zu Mitgliedern dieses Nathes ernannt worden sind." Pari-. Der verstorbene Baron James Eduard Rothschild in Paris war vor Allem ein Mann der Wissenschaft und Literatur im höchsten Sinne des Wortes, ein leidentschaftlicher Arbeiter und scharfsinniger Kritiker voll tiefer und vielseitiger Gelehrsamkeit und durchdringendem Verstände. Ter Baron theilte seine Zeit zwischen den Geschäften und den Musen; die Theiluug war aber eine ungleiche, denn den letzteren fiel der Löwenantheil zu. Seine Bibliothek war angefüllt mit seltenen Büchern und kostbaren Manuskripten; jeden Morgen von 6V2 bis 11 Uhr arbeitete er in derselben bei verschlossenen Thüren. Dann ging er nach der Nue Lafitte auf's Bureau; dieses ist die in der Familie Rothschild gebräuchliche und herkömmliche Bezeichnung, die ihren alten Traditionen der pünktlichen Ordnung und regelmäßigen Arbeit entspricht; dieRothschild's gehen jeden Tag auf's Bureau wie jeder fleißige und treue Handlungsgehilfe. Wenn man einem Rothschild zwischen 11 und 11*/« Uhr Vormittags auf den Boulevards begegnet, so bewundert man sich gewiß über den sehr beschleunigten Schritt desselben; aber man wird nicht mehr staunen, wenn man erfährt, daß 11 Uhr die Bureaustunde der Rothschilds ist, der eilende Fußgänger sich also verspätet hat. Baron James schwänzte jedoch häufiger als die anderen Rothschilds die Schule. Und wo fand man ihn dann? — In der Nationalbibliothek, wo er sich in alte Folianten vertiefte und vergilbte Manuskripte eopirte. Noch im letzten Winter eopirte er eine Handschrift, welche ca. 25,000 Verse in altsranzösischer Sprache zählt. Warum überließ er diese ermüdende Arbeit keinem Copisten? Weil dieselbe so viel Sorgfalt und unausgesetzte Aufmerksamkeit verlangte, daß der Baron sich dabei auf Niemanden verlassen zu können glaubte, als auf sich selbst. — Auch wegen seiner Wohlthätigkeit und Freigebigkeit war Baron James Rothschild allgemein beachet und geliebt. Das zeigt sich in der großartigen Thcilnahme bei seinem Begräbnisse, lieber das bei letzerem beobachtete Ceremoniell wird aus Paris berichtet: Am Eingang zum jüdischen Kirchhof empfing der Groß-Rabbiner Isidor den Sarg, welcher in einer sternübersäete Sammtdecke gehüllt und auf eine Bahre gehoben wurde. Vor dem Erbbcgräbniß der Familie Rothschild standen die Knabendes Synagogenchors in violetten Gewändern und Turbans;sie begrüßten den Sarg durch das Anstimmen eines Trauerliedes. Die Leichenträger setzten die Bahre nieder. Der Groß-Rabbiner trat hinzu und hielt erst in hebräischer, dann in französischer Sprache eine kurze Anrede. Als er dann die Gnade des allmächtigen Gottes erflehte „pour notre eher d6c6d6 confrere James Eduard Rothschild“, singen die Brüder des Verschiedenen, die sich bis dahin nur mühsam bemeistert hatten, convulsivisch an zu schluchzen. Jetzt zogen die Diener der „Soci6t6 des pompes funebres“ die Sammtdecke, die den Sarg verhüllte, hinweg. Ein Brettersarg wurde sichtbar, der, wie es der strenge jüdische Ritus verlangt, ohne jeden Zierrath und ohne Blumenschmuck war. Man trug den Sarg in die Gruft hinein, während jetzt ein Männerchor mit dumpfem Baß die schwermüthigen Weisen der Klagelieder ertönet: ließ. Plötzlich verstummte der Sang. Aus der Gruft

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