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Der Israelit · 1881-11-09 · Heft 45 (9.11.1881) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 45 (9.11.1881)
Date
1881-11-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1124 Trier tit Scene gesetzt wurden und zwar gewöhnlich! zur Frühlingszeit, um durch eine Judenhetze die Faschingsfreuden zu erhöhen. Die Urkunden enthalten die Beschwerden der Inden über die ihnen widerfahrene Unbill und sind theils an den Magistrat der ^tadt, theils direct an den Churfürsten gerichtet. Letzterer, der zur Zeit in Koblenz und (5'hrenbreitstein residirte, ließ eine strenge Untersuchung anordnen, verbot durch den Rector der Universität, daß die Studenten bei Anbruch der Nacht sich aus der Straße blicken lassen, ließ endlich unter Trommelschtag verkiindeu, daß jedes an den Inden verübte Unrecht hart geahndet werde; aber bei der Schwerfälligkeit des Verkehrs in damaliger Zeit und besonders bei der Langsamkeit des Gerichtsverfahrens verstrichen oft Wochen und Monate, ehe die Ruhe wieder vollständig hergestellt war. Der Umstand, daß die im vorigen Capitel erwähnte Verfolgung um Purim — nahe um die Faschingszeit — ihren Anfang nahm, läßt vermntheu, daß sie ebenfalls durch den Muthwillen roher Studenten, welche die übrige Bevölkerung zur Mißhandlung der Inden gereizt hatten, in Scene gesetzt wurde. Von diesen Verfolgungen selbst abgesehen, war die Lage der Juden in' Trier im Anfänge des 18. Jahrhunderts eine sehr driickende. Die Gemeinde hatte sich zwar von Jahr zu Jahr vergrößert, aber man würde fehl gehen, wenn man ans dieser Vergrößerung auf eine Verbesserung ihrer socialen Lage schließen wollte. Im Jahre 168!) waren in Trier nur 9 Familien, welche im Besitze des vorgeschriebenen Judengeleits waren; eine Urkunde aus diesen: Jahre, welche die Namen derselben enthält, bedroht alle übrigen Inden mit Ausweisung innerhalb 8 Tagen. In: Jahre 1056 hatte die Zahl der mit Geleite versehenen Familien bereits die doppelte Höhe erreicht; die betreffende Urkunde enthält ebenfalls die Ramen der einzelnen Familienväter. *) Auch aus den Jahren 1718, 1714, 1715 sind noch Verzeichnisse der damaligen jüdischen Einwohnerschaft vorhanden. Diese Verzeichnisse sind in: Aufträge der 'churfürstlichen Ganzlei vom Stadtmagistrate angefertigt behufs Festsetzung der zu entrichtenden Judensteuer.— Um die drückende Steuer zu veranschaulichen, welche die Juden zu tragen hatten, mag hier ein Verzeichnis; der jüdischen Familien *> Die llrfiiiiben, denen diese und die folgenden Angaden entnommen find, befinden sich auf der Ltadtbibliorhek $11 Trier. — Tun Jahre 1830 wurden SO,000 Urkunden zw an c;sw eise nach Coblen; in das dortige Archiv gebracht. Muer denselben befinden sich ohne Iwenel anch solche, welche sich aus die beschichte der Inden in Trier begehen. Tie ans der ^tadrbibliorhek in Trier noch vorhandenen, die Juden betr. Handschrifren sind größtentheils vo:i mehr untergeordnetem Interesse. vom Jahre 1 /18 und die an die churfürftliche Kaffe zu entrichtende Judensteuer folgen: 1) Calmann Schweich 200 Thlr., 2) Dabib Mayer Schweich 120 Thlr» 8) Mayer Calman Schweich 1t) Thlr., 4) Nathan Picardt 10 Thlr., 5) Jäckel Schweich und Sohn 60 Thlr., 6) David Picardt 00 Thlr., 7) Meyer Picardt 80 -tfjlr., 8) Jsac Lob Schweich 70 Thlr., 9) Löb Meisenheim und Sohn 50 Thlr., 10) Judas Veith 70 Thlr., 11) Philipp Levy, Jndendoctor, 40 Thlr., 12) Löb Schweich 200 Thlr., 18) Lob Picardt 90 Thlr., 14) Herz Münster 80 Thlr., 15) Jäckel und dessen Schwiegersohn 40 Thlr., 16) Jsak Picardt 50 Thlr., 17- Schmnel Mering 80 Thlr., 18) Abraham der Biedel (Büttel/) 10 Thlr., 19) .Kusel 10 Thlr., 20) Herz Picardt Löb 10 Thlr., 21) Jsak Schweich 20 Thlr., 22) MoseS Herz 10 Thlr., 28) Meyer Berncastel 10 Thlr., 24) Abraham Levy 10 Thlr., 25) Moses Meisenheim 5 Thlr., 26) ^alomon Schweich 15 Thlr., 27) der Judensänger 10 Thlr., 28) der Judenrabbiner 30 Thlr., znsanmleu1850 Thlr. Vergeblich beschwerten sich die Trier'schen Juden wegen dieser erdrückenden Steuerlast mit dem Hinwels ans die vielen anderen Zölle und Abgaben, die sie noch all die Stadt zu entrichten hatten und die, zumal bei den damaligen schlechten Zeiteil, geradezu unerschwinglich für sie waren. In der That ergibt ein Vergleich mit der Judensteuer in anderen Städten, daß die Trier'sche Gemeinde zu ben am höchsten besteuerten gehörte. So schreibt z. B. Kriegk in den „F rank f n r t e r B ü r g e r z w i st e n" über die dortige Judensteuer im 11. Jahrhundert: „Der höchste jährliche Betrag der Jndenstener während der Zeit voll 1860 bis 1400 ist 642Gnlöell (1875), der 'niedrigste 95 Gulden (1362), dieDnrchschnittssumme 847 Gulden. Die erste Summe wurde von 1.8, die zrveite voll 6 Inden bezahlt. D i e höchste Steuer, welche eine Iudenfamilie im 14. Jahrhundert bezahlte, war 60 Gulden/' Dabei waren den Inden die Rahrungswege tu einer ganz unglaublichen Weise erschwert und alle Zünfte und Genossenschaften wachterr mit eifersüchtigem Hasse darüber, daß kein Jude ein offenes, ehrliches Oieschäft betreiben konnte. Im Jahre 1708 hatte Rathan Picardt das unerhörte Verbrechen begangen, sich einen offenen Kramladen allzulegen, flugs war die.Krämerznnft mit einer „kläglichen" Beschwerde an den Grzbischof bei der Hand, damit er dieses frevelhafte Oiebahren untersage. Die zopfig^ Bc-! schränktheit, die Beschwerden dieser Art all der Stirne! tragen, bedarf keines weiteren Hinweises. Daß ein! jüdischer Kranlkadeli den Mitgliedern der Krämer-; zunft unangenehm sein mochte, mag man wohl glan-! ben. Wic man aber eine solche Unbeauemlichkeit

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