Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1881)
- Date
- 1881-11-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1120 den. Die Kuthäer wollen die Feindschaft gegen Juda, die jetzt beinahe ein halbes Jahrtausend dauert, aufgeben, wollen sich mit uns verbrüdern, wollen uns helfen die Römer bekämpfen und besiegen, wollen gemeinsam mit uns bauen das Haus unseres Gottes. Ich denke, wir ergreifen mit Freude die dargebotene Bruderhand. Dieser Entschluß der Kuthäer ist ein doppelt frohes Ereigniß; er verleiht uns Stärke und verringert die Zahl unserer Gegner." „König von Israel", nahm Rabbi Akiba das Wort, „Deine Worte setzen mich in Erstaunen, und Du hast sie nur wohl gesprochen, um uns, Deine Diener, auf die Probe zu stellen, ob wir ganz und voll überzeugt seien von Deiner göttlichen Sendung, ob wir Dir ganz und voll vertrauen. Was bedarf es menschlicher Hilfe, wenn Gott mit uns ist? Ist die Hand des Ewigen etwa zu kurz, um zu helfen durch viel oder wenig? Wenn wir die Freundschaft der Kuthäer gewollt hätten, so wäre sie uns schon vor einem halben Jahrtausend zu Theil geworden. Damals sprachen sie zu den aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehreuden: Wir wollen sein wie Ihr und mit Euch bauen das Heiligthum Gottes. — Serubabel und Josua wiesen die dargebotene Freundschaft zurück, und sie thaten recht daran. Unser Volk muß rein erhalten bleiben und die Vermischung mit allen fremden Elementen abweisen." „„Aber die Kuthäer"", wendete BarKochba ein, „„sind seitdem Andere geworden; sie opfern und dienen nicht mehr fremden Göttern, und manche Gebote der Thora halten sie strenger als die Juden."" „Sie sind," rief Rabbi Äkiba, „noch heute Götzendiener wie ihre Voreltern es waren. Sie bringen Opfer dar aus dem Berge Gerisim, wiewohl es verboten ist, an einer andern Stelle zu opfern, als auf dem Berge Gottes in Jerusalem. Man sagt, daß sie ein Götzenbild verehren, welches die Gestalt einer Taube hat. Sie glauben nicht an die mündliche Lehre, die Gott dem Moscheh auf Sinai offenbart hat, sie würden unser Volk verderben und verführen, wenn wir uns mit ihnen verbinden möchten. — Warum willst Du, König von Israel, auf menschliche Hilfe hoffen, um menschlichen Beistand werben, da' Gott der Allmächtige, der Herr der Heerschaaren, mit uns ist und unsre Feinde vor uns niederwirft? Wir brauchen die Kuthäer nicht, nicht sie und ihre Hilfe. Daher ist mein Rath, daß Du sie abweisest wie es einst Serubabel und Josua gethan haben." „„Und sollen wir"", rief Bar Kochba, „„muthwillig die Zahl unsrer Feinde vermehren? Bereits ist mir gemeldet worden, daß der beste Feldherr der Römer, daß Julius Severus, mit einem großen, mächtigen Heere heranzieht, dem zu widerstehen wir alle Kräfte aufbieten müssen. Sollen wir die Samaritaner gewaltsam zu unsren Feinden machen? Sie sind hier im Lande ansässig, wie wir, kennen alle Berge und Thäler, alle Schluchten und Engpässe, und sind im Stande, die Römer auf heimlichen Wegen bis in das Herz unsrer Festungen zu führen."" „Simon bar Kochba", sprach Rabbi Akiba bekümmert, „Du wendest Deine Sinne auf Kriegskunst und Staatsklugheit? Du vertraust nicht auf die allmächtige Hilfe des allmächtigen Gottes? Du denkst. Dein starker Arm soll Dir helfen und Dein gewaltiges Heer? Hat nicht Gideon mit nur 300 Männern die Hunderttausende der Midjaniter geschlagen? Nur Gott allein kann uns helfen, nur Seiner Allmacht vertraue ich!" „„Deine Worte, Rabbi Akiba"", sagte Rabbi Elasar Hamudai, „„sind begründet und ruhen auf den Grundpfeilern der Wahrheit. Wie könnten wir uns unsrer großen, mächtigen Feinde erwähren, wenn wir nnr unsrer eigenen Kraft vertrauen wollten! Groß und gewaltig ist das Römerreich. Seine Heere sind so zahlreich wie der Sand am Meere, und seine Kriegskunst ist unübertroffen. Kein Volk der Erde hat ihm widerstehen können, und die Grenzen des ungeheuren Reiches dehnen sich von einem Ende der Welt bis zum andern. Wie könnte das kleine Inda einen so mächtigen Feind überwinden wollen? Aber vor dem allmächtigen Gott sind alle Völker wie ein Tropfen, der am Eimer hängt und den Staub auf der Wagschale werden sie gleich geachtet. Er ist es, der mit hohler Hand die Gewässer ausmißt, der die Himmel umspannt und mit zwei Fingern den Staub der Erde umfaßt, der da abwägt die Berge und die Hügel mit der Wagschale. Ihm gegenüber sind alle Völker wie nichts, gleich Nichtigkeit und Leere sind sie vor Ihm geachtet. Nur durch ^eine allmächtige Hilfe haben wir bisher gesiegt und werden wir ferner siegen. Mögen sich die Kuthäer zu unsren Feinden schlagen; wir bedürfen ihrer Hilfe nicht."" Bar Kochba erhob sich. „Ich hebe die Rathsversammlung auf", sprach er. „Wir wollen die Entscheidung der Angelegenheit bis morgen verschieben. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition de? .JSraelit" große Bleiche 45. I. GattSleben'8 Duchdruckerei (Mainzer Anzeiger).