Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1881)
- Date
- 1881-11-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1119 Das Reich Juda überdauerte das Reich Israel 130 Jahre. Da kam Nebukadnezar, der König von Babel, eroberte Jerusalem, zerstörte den heiligen Tempel und führte die Juden in die Gefangenschaft nach Babel. Nach 70 Jahren erbarmte sich Gott seines Volkes, und die Juden kehrten unter der Anführung des Serubabel, des Sohnes des Schealtiel, und des Hohenpriesters Josua ben Jehuzdak nach Judäa zurück, um Jerusalem und den heiligen Tempel wieder aufzubauen. Und es war im zweiten Jahre ihrer Rückkehr, im zweiten Monat, da legten sie den Grundstein zur Erbauung des heiligen Hauses unter dem Jubel des Volkes und dem Schmettern der Trompeten und Posaunen. Als nun die Kuthäer vernahmen, daß die Juden zurückgekehrt seien und begonnen hatten, den heiligen Tempel wieder zu bauen, da schickten sie eine Gesandtschaft an Serubabel und an die Fürsten des Volkes und ließen ihm sagen: „Wir wollen mit Euch bauen; denn wie Ihr, suchen wir Euren Gott und Ihm opfern wir, seit der Zeit, daß der König von Assyrien uns hierhergeführt hat." — Und es sprachen zu ihnen Serubabel und Josua nnd die anderen Fürsten des Volkes: „Nicht Euch und uns liegt es ob zu bauen ein Haus unsrem Gotte; denn wir allein wollen bauen dem Ewigen, dem Gotte Israels." Von diesem Augenblicke an wurden die Kuthäer die schlimmsten Feinde der Juden; sie thaten ihnen wehe, wo sie nur konnten; sie suchten sie irre zu führen und verklagten sie bei dem Könige von Persien; sie griffen sie mit dem Schwerte an, störten den Bau des Heiligthums und brannten die neu erbauten Städten und Dörfer nieder, bis Esra und Nehemia eine neue Eolouie von Babel herbeiführten. Ihnen gelang es den Bau des Heiligthums zu vollenden, den jüdischen Staat wieder einzurichten und die Kuthäer in Schranken zu halten. Damit war aber die Feindschaft der Kuthäer gegen die Juden nicht gebrochen. Sie erspähten jede Gelegenheit, den Juden zu schaden, und als Alexander der Große das persische Reich zerstörte und einen großen Thetl von Asien eroberte, da wäre es den Kuthäeru beinahe gelungen, den Zorn des Eroberers gegen die Juden zu richten und diese der Vernichtung zu weihen. Aber dem damaligen Hohenpriester, Simon dem Frommen, gelang es, den großen König zu versöhnen und das Verderben von seinem Volke abzulenken. Alexander hatte Tyrus belagert und die Juden aufgefordert, ihm zu Hilfe zu kommen. Diese aber, treue Unterthanen des damals noch lebenden letzten persischen Königs Darius Codomannus, hatten sich geweigert, dem Feinde ihres Königs Beistand zu leisten. Als die Belagerung vollendet war und nnterdeß der sterbende Darius den König von Macedonien zu seinem Erben eingesetzt hatte, schürten die Kuthäer den Haß Alexanders gegen die Juden und beredeten ihn, nach Judäa zu ziehen, Jerusalem zu erobern, den heiligen Tempel zu zerstören und die Juden vom Erdboden hinwegzuvertilgen. Als Simon, der Fromme, der Hohenpriester und Fürst der Juden, dies erfuhr, legte er die weißen Priestergewänder an, bestieg ein weißes Roß, befahl den übrigen Priestern dasselbe zu thun, und so zogen sie hin zu dem Lager des Eroberers der Welt. — Als Alexander die hohe, erhabene Gestalt des frommen Hohenpriesters erblickte, warf er sich demüthig vor ihm nieder. — Da sprachen zu ihm seine Feldherren: „Du stolzer Eroberer der Welt, Du erhabener Sohn der Götter, Du demüthigst Dich vor diesem Juden?" — Und Alexander sprach: „An den Vorabenden aller jener großen Schlachten, die ich geschlagen, erschien mir die Gestalt dieses ehrwürdigen Greises im Traum, und ich wußte, daß ich siegen werde." — Und der König war sehr gnädig gegen Simon und die Seinen und übergab ihnen die verläumderischen Kuthäer zur Bestrafung. Später besuchte Alexander Jerusalem und den heiligen Tempel und verlangte nicht von den Juden, daß sie, wie die andern unterworfenen Völker, ihm göttliche Ehre erweisen, und sein Bild in dem Heiligthum aufftellen sollten. Die Juden aber bewiesen sich dankbar, und alle Priester benannten die Söhne, die ihnen in jenem Jahre geboren wurden, Alexander, nach dem Namen ihres neuen, huldreichen Königs. Daher kömmt es, daß noch heute der griechische Name Alexander den hebräischen Namen gleichgestellt ist nnd daß der Jude, der diesen Namen führt, mit ihm zur Thora gerufen wird. Daß diese Ereignisse nicht dazu beitrugen, das Verhältniß zwischen Juden und Samaritanern besser zu gestalten, braucht nicht gesagt zu werden. Die Kuthäer blieben die erbittertsten Feinde der Juden, sie waren es geblieben, als der heilige Tempel zum zweiten Male zerstört wurde; sie hatten sich zu den Feinden Israels gehalten, als die Juden unter Kaiser Trajan sich empörten und von Quietus mit Vernichtung bedroht wurden. Jetzt aber fühlten sie sich durch die großen Erfolge Bar Kochba's veranlaßt, der alten Feindschaft zu entsagen und sich dem Kriege gegen die Römer anzuschließen. An der Spitze ihrer Gesandtschaft stand einer ihrer vornehmsten Anführer Namens Menascheh. Bar Kochba berief die Rathsversammlung, um derselben die Vorschläge der Kuthäer vorzutragen. „Meine Freunde", redete er die Versammelten an, „ich habe Euch eine höchst wichtige Mittheilung zu machen. Wenn Gott begünstigt die Wege eines Mannes, so macht er seine Feinde zu seinen Freun- »