Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1881)
- Date
- 1881-11-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1115 aller und jeder Hilfsmittel, die uns heutzutage so zahlreich zu Gebote stehen, eine solch' hohe Stufe der Vernunft und Wissenschaft erklommen, wie sie auch heute noch nur von den wenigsten modernen Forschern erreicht, sich zu verschaffen: so gilt dies besonders von den astronomischen Kenntnissen derselben. Wenn heute das Auge des astronomischen Forschers die weiten Räume des Himmels durchmißt, wenn er den Zusammenhang und das System jener unermeßlichen Welten und Sternenhaufen, Planeten und Kometen zu erforschen und zu ergründen vermag: so ist dieses, nach den großartigen Werkzeugen, welche die Kunst der Menschen als Mittel zu solchem Zwecke ersonnen und geschaffen, kein so großes Wunder; wenn aber zur Erforschung all jener zahlreichen Gesetze des Weltgebäudes all jene Mittel fehlen, wenn man zur Ergründung und mathemathischen Berechnung des Kreislaufs der Gestirne, kein anderes Mittel, als die natürliche Sehkraft und eine starre Zahlenberechnung vor sich hat und es dennoch zu einem solch' wissenschaftlichen Verständniß der Himmelserscheinungen bringt, wie dies bei den Weisen des Talmuds der Fall: Das ist rühmlich, das ist lobenswerth, das zwingt Bewunderung und Erstaunen vor jenen Geistesriesen ab, deren Geist vom Streben nach Wahrheit und Erkenntnis; so mächtig ergriffen und erfaßt war, daß sie die mühevolle Arbeit nicht scheuten, die die Erreichung derselben für sie im Gefolge hatte. Dies nachzuweisen ist auch Zweck und Streben der Schrift. Sie will beweisen, daß eine moderne Wissenschaftlichkeit, stolz auf ihrer Errungenschaften, Unrecht rhut, den frühem Geschlechtern jedes wissenschaftliche Verständniß für die himmlischen Erscheinungen abzusprechen. Nicht nur Babylonier und Syrer haben die Gesetzmäßigkeit der Himmelserscheinungen erkannt; nicht erst Hyparchus und Claudius haben die Bewegungen derselben erforscht und ergründet; sondern viele Jahrhunderte vor dem ersten Versuche zu solch' practischen Wahrheitsermittlungen vorzudringen ist dem Volke Gottes dieselbe im Princip bereits geworden. Wir müssen es uns selbstverständlich versagen, in den meritorischen Theil der Schrift hier näher einzugehen: denn, weder haben wir die umfassende Kenntniß des ungeheuren wissenschaftlichen Stoffes, der uns dazu berechtigen würde, noch dürften wir, selbst wenn wir die Kenntniß desselben hätten, es so leicht wagen, einer solch gewiegten Kraft, wie es der Verf. dieser Schrift ist, entgegenzutreten oder dieselbe garbekritteln zu wollen —; dennoch zwingen uns, die.Liebe zum Gegenstände und die Verehrung, die wir für die Person des Verfassers hegen, einige Bemerkungen — mehr allgemeiner Natur — ab. Cap. VI. § 2 (Hilchoth Kidusch Hachodesch) schreibt Maimonides: Der Tag besteht aus 24 gleichen Stunden, 12 zum Tage und 12 zur Nacht gehörig, die Stunde wird in 1080 Theile getheilt, weil diese Zahl durch 2, 4, 8, 3, 6, 9, 5, 10 und noch viele andere Theile ohne Rest getheilt werden kann. Der ehrw. Lerf. bemerkt hierzu in einer Note (S. 28): In einem Mischna-Commentar (njrD*> p zu Erachin n. 2) wird gegen Maimonides nwnirt, daß hierzu das Drittel dieser Zahl genüge, da auch 360 durch alle diese Zahlen theilbar ist u. s. w. In der That aber hat Maimonides in den Schlußworten des Paragraphen die Antwort gegeben, indem drei Producte der angegebenen Divisoren wohl in 1080 nicht aber in 360 aufgehen, nämlich: 8. 9; 3. 9; 6. 9. — Uebrigeus wird in der Einfettung des Werkes punuy mit Bezugnahme auf Chron. I. 7, 33 ein Midrasch angeführt, nach welchem die Jisschariden diese 1080-Theilung erfunden hätten, bis jetzt habe ich jedoch die Stelle noch nicht gefunden. Sollte vielleicht A. E. diese Bruchtheile deshalb zu Exodus 12, 1 In-w ’ppn nennen, und das Wort daher nicht, wie die Commentare meinen, in rutrn zu emendiren sein? — So weit der gelehrte Vers, dessen Jdecngang, an dieser Stelle, wir zu unserem größten Bedauern nicht begriffen haben. Versuchen wir es die Sache etwas naher in's Auge zu fassen. Der Talmud (R. H. 25 a.) erzählt, daß R. Gamliel als eine alte, feststehende Ueberlieferung folgende Angabe mitgetheilt: ein Mondmonat bestehe aus 29 V- Tage */» St. und 73 „Theilen". Nun hat noch keiner der spätem Erklärer gefragt: welchen Flenner denn eigentlich die 73 „Theile" haben? sondern es galt ihnen allgemein als ausgemacht, daß als Nenner die Zahl 1080 dafür angenommen werden inüsse. Wieso gerade diese Summe so allgemein als Nenner vorausgesetzt wurde, dafür gibt es zwei Antworten: entweder führte eine spätere Berechnung und das Resultat derselben ebenfalls auf diese Summe, oder, was wahrscheinlicher ist, es war diese Angabe ein Theil jener astronomischen Bcrechnungstheorien, die ans alter Ueberlieferung her allgemein bekannt waren. Solcher Theorien gab es viele — so z, B. die Bestimmung, daß innerhalb 19 Jahre -uno die Zeit des Neumonds wieder auf die vorigen Tage des Jahres zurückkomme, welche Theorie demSanhedrin aus alter Ueberlieferung her bekannt sein mußte, da sie nach derselben, lange vor der Zeit in der Meton und Ektemon dieselbe aufstellteu, jedenfalls bevor dieselbe durch die Griechen bekannt wurde, verfuhren - , und wird die Erhaltung und Pstege derselben theils aus den Stamm Jissachar (vgl. Raschi M. I. 49, 15), der diese Wissenschaft pflegte, zurückgeführt, oder sollen Moses durch G. überliefert worden fern (vgl. Mann. H. K. H. Absch. 17). Es