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Der Israelit · 1881-11-02 · Heft 44 (2.11.1881) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 44 (2.11.1881)
Date
1881-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Erste Beilage zu Ar. 44 des Israelit. Jeilnngsnachrichlerr und Correspondenzen. Deutschland. Schriailtach, 26. Oct. Vorige Woche stellte sich der bekannte Berather Vismarks in den socialpolitischen Fragen, Herr Professor Adolf Wagner in Berlin, welcher nutzer in Berlin auch in dem Reichstagswahlkreise Fürth-Erlangen der Eandidat der Conservativen ist, dahier in dem Hauptorte des Katholizismus in diesem vorwiegend Protest. Wahlkreise, den Wählern vor. Er sprach da selbstverständlich auch über den „Kulturkampf" und betonte mit Emphase die Segnungen des anbrechenden Friedens zwischen den beiden christlichen Eonfessionen in Deutschland. Hieran knüpfte er unmittelbar eine Besprechung der „In den frage". Er erklärte, kein Antisemit zu sein und berief sich auf seine bekannten in Berlin gesprochenen Worte, datz er den Ruf in einer dortigen antisemitischen Versammlung, warum nian die Juden nicht todtschlagc, als verwerflich bezeichnet habe, daß er die Judenhetzen verabscheue u. s. w. Er sei auch gegen Ausnahmsgesetze, und nur für den Ausschluß jüd. Lehrer von christl. Schulen. Nun ging der Herr Professor im Gegensätze zu diesem seinem Programm in agitatorischer Weise zum Angriffe gegen die Juden über. Die Juden leien eine abgeschlossene Masse, die dennoch sich überall vordränge; dann kam das Lied von der jüd. Fortschrittspresse, der jüd. Opposition und endlich die falsche Denunciation an die bahr. Katholiken, die Juden hätten s. Z. für das Jesuitengesetz eifrig gewirkt. (Bekanntlich hat dieses Gesetz, nicht wie die Maigesetze Preußen allein, sondern das ganze Reich betroffen). Nach dein Schluffe dieser Rede erhob sich Herr Distriktsrabbiner Dr. Salzer von hier und be-! merkte, daß er lediglich wegen der Angriffe des Vor- > redners gegen die jüd Religionsgenossen sich zum Worte gemeldet habe. Er nannte es — unter Heiterkeit der Versammlung höchst löblich, daß W. die Juden nicht todtgeschlagen wissen wolle, und 'prach sich in offener Anerkennung aus, daß derselbe auch gegen Ausnahmsgesetze sei, beklagte aber, daß W., sogleich nachdem er den Frieden zwischen Katholiken' und Protestanten gepriesen, die „Judenfrage" in gedachter, friedenstörender Weise behandelt habe. Hier kenne man keine Judenfrage. Seit vielen Jahrhunderten lebe die hiesige christl. Bevölkerung einträchtig mit der jüdischen zusammen. In Schnaittach sei die älteste der gegenwärtigen jüdischen Gemeinden Bayerns, und die blutigen Verfolgungen und Ausweisungen der früheren Jahrhunderte haben sie nicht getroffen. Dieses friedliche Verhältniß, welches durch - vorhandene alte Dokumente bewiesen werde, sei heutigen Tages ein geradezu herzliches geworden. Man kenne aber auch in Bayern keine Juden- : frage, und da wo sie wirklich ausgetreten, sei sie; von Norddeutschland dahin importirt : würden. In einer weisen Voraussicht habe daher j bereits vor 9 Monaten S. M. König Ludwig II.! ein Reskript veranlaßt, in welchem die Behörden an-! gewiesen wurden, Sorge zu tragen, daß die judenfeindliche Agitation nicht vom Norden nach Bauern verpflanzt werde. Sodann ging der Redner zur Abwehr der Angriffe Wagner's über. Er bezeichnete es für ungerecht, den deutschen Juden Abgeschlossenheit vorzuwersen, nachdem sie Jahrhunderte lang bis varwenigen Jahrzehnten in den bürgerlichen Rechten beschränkt und von allen politischen Rechten, wie von der Gesellschaft ausgeschlossen worden waren. Man sollte es vielmehr lobend anerkennen, daß sie sich seit der kurzen Zeit ihrer Emancipation ihren christlichen Mitbürgern, so wie heute accommodirt haben. Auf die Anklage W.'s gegen die jüd. fortschrittlichen Redacteure, bemerkte Herr Dr. Salzer, daß diese nicht anders schrieben als ihre christlichen fortschrittlichen Kollegen. So sei in Bayern kein einziger Jude an den fortschrittlichen Zeitungen betheiligt und dennoch unterschieden sich diese in nichts von deney in Berlin. Allein, selbst wenn es ein Verbrechen wäre, der fortschrittlichen Gesinnung zu huldigen, so sei es doch unerhört, für 3—4 jüd, Redacteure 500,000 Juden verantwortlich zu machen, zumal man recht gut wisse, daß bisher der größte Theil der deutschen Juden national-liberal gewählt habe. Als drastischen Beweis für die bisherige regierungsfreundliche Gesinnung der Juden führte der Redner die Reichstagswahl v. I. 1878 in unserem Wahlkreise an, in welchem die Juden fast ausnahmslos nicht ihrem Glaubensgenossen Sonnemann, sondern dem rechtsliberalen Prot. Marguardsen ihre Stimmen gegeben haben. — Was den Antheil der Juden an dein Jesuitengesetz berrcffe,

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