Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1881)
- Date
- 1881-11-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1090 willen, zog Nebukadnezar herbei, der König von Babylon, und verbrannte das Haus unsres Gottes. Juda mußte in die Verbannung wandern. Nach siebenzig Jahren erbarmte sich Gott unsrer Väter und befahl dem Cyrus, dem König von Persien, der unterdeß das babylonische Reich zerstört hatte, den Juden zu gestatten, in die Heimath zurückzukehren und das Haus des Herrn wiederauszubauen. — Meine Brüder, auch dieses Haus war schön und herrlich; ich habe es noch gesehen mit meinen Augen, als ich ein Jüngling war, und seine Gestalt ist mir unvergessen geblieben Ihr wißt es, das Haus unseres Gottes ist zum zweiten Male zerstört worden durch die römische Kaiser Vespasianus und Titus. — Nun hat sich Gott unser erbarmt, und uns seinen Messias gesendet, aus daß wir zum dritten Male Sein Haus erbauen, schöner und herrlicher, als es je gewesen. Friede und Wahrheit wird darin wohnen, der Name des Ewigen, des Gottes Zebaoth wird über es genannt werden, zu Ihm werden die Völker strömen und ihre Gebete emporsenden zum Gotte Israels, dem einzigen Gotte, dem Gotte der Wahrheit. Und wenn wir die Kämpfe, die wir noch zu bestehen haben, siegreich überwinden, dann wird die Lehre hervorgehen von Zion und das Wort unsres Gottes von Jerusalem. Dann wird anbrechen eine Zeit des Friedens, des Segens und des Glückes für alle Völker der Erde. Dann werden alle Nationen die Waffen des Krieges umwandeln in Werkzeuge friedlicher Beschäftigung und werden einander nicht mehr zu tödten und zu'vertilgen suchen. Das Laster und die Sünde werden verschwinden von der Erde, und alle Völker werden erkennen, daß ein einziger Gott alle Menschen erschaffen, daß alle Nationen nur Einen Vater haben, daß alle Menschen Brüder sind und leben sollen in brüderlicher Eintracht. — Diese herrliche Zukunft, meine Brüder, ich hatte die Hoffnung auf sie nicht einen Augenblick lang aufgegeben. Einst ging ich mit meinen Lehrern Rabbön Gamliel, Rabbi Josua und Rabbi Elasar ben Asaria hierher, um an diesem heiligen Orte für das bedrängte und bedrohte Israel zu beten. Da sahen wir, wie ein Fuchs daherlief von der Stätte, wo einst das Allerheiligste gestanden hatte. Meine Lehrer weinten, ich aber lachte. Sie weinten ob der Zerstörung; ich aber lachte und freute mich im Vertrauen auf die Verheißung des allmächtigen Gottes, in der Erwartung des glückseligen Augenblickes, der jetzt eingetroffen ist. Da Gott, sprach ich zu meinen Lehrern, all das Schlimme, womit Er uns bedroht hat, hat eintreffen lassen, so wird Er auch all das Gute über uns bringen, was Er uns verheißen durch Seine Propheten, wird uns schicken Seine heilige Hilfe, wird uns bereiten endlosen Frieden, wird wieder aufbauen die Städte Juda's, wird wieder errichten Sein Hciligthum, wie ehedem, wird wieder weiden das Volk seiner Weide auf den Gefilden der Gerechtigkeit und des Friedens. — Meine Brüder, der Zeitpunkt des Trostes und des Glückes ist jetzt eingetroffen. Gott hat uns geschickt dm erhofften uno heißersehnten Erlöser. Es ist-ein Ltcrn hervorgegangen aus Jakob, der hoch emporhebt das Scepter Israels, der uns befreit hat aus den Klauen Edoms, aus der Gewalt der mächtigen, weltbeherrschenden Roma. Zerstreut sind ihre Heere, verjagt ihre Gewalthaber, und Kaiser Hadrian erzittert in seiner römischen Feste. Und Edorn wird noch weiter fallen; alle Völker werden sich erheben, und das römische Joch schütteln von ihren Schultern, bis die gewaltige Roma zu Grunde geht, während Israel Heldenthaten vollbringt. — Und nun wird der Gesalbte des Herrn hierhertreten und den Grundstein legen für das heilige Haus. So laßt uns denn singen dem Ewigen, laßt uns preisen Seine Macht, laßt uns Ihm danken, daß Er unser Flehen erhört und uns diesen Tag hat erleben lassen. Laßt uns jubeln und frohlocken, damit in Erfüllung gehe die Verheißung des Propheten Secharia: Und er legt den Grundstein unter dem zustimmenden Jubelrufe der Menge!" So sprach Rabbi Akiba, und all die Versa m melten erhoben ein Jubelgeschrei, daß die Erde erdröhnte und der Berg in seinen Grundfesten erzitterte. Unter den Klängen der Musik und des Gesanges der Leviten brachten die Bauleute den Grundstein herbei, welchen Bar Kochba einfügen sollte. Es war ein gewaltiger Stein, viele Centner schwer, Bar Kochba packte ihn mit beiden Händen und hob ihn hoch über sein Haupt. Da ergriff Staunen alles Volk, und Einer sprach zum Andern: „Wahrlich, das ist der Gesalbte des Herrn,, der König Messias; ein anderer Mensch könnte das nicht vollbringen." Bar Kochba legte dann den Stein an die von den Bauleuten bezeichnete Stätte und fügte ihn ein. Rabbi Akiba aber nahm eine mit Diamanten reich verzierte goldene Krone, setzte sie dem Helden auf und rief: „Es lebe unser Herr, der König!" Und alles Volk stimmte ein in den Jubelruf: „Es lebe unser Herr, der König, der König Messias lebe ewiglich!" (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Äeranlroortliche Redaction: Dt. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des ^Israelit" große DIeicbe 45. I. Gott-leben'- Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).