Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1881)
- Date
- 1881-11-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1095 Feuilletorr. U k i b a. XXXXIV. Mehr als 900 offene Städte und 50 Festungen hatte Bar Kochba erobert; aber die heilige Stadt Jerusalem war noch in der Gewalt der Römer. Wir haben bereits oben erzählt, daß Tinius Rufus aus Befehl des Kaisers Hadrian, den heiligen Tempelberg hatte umpflügen lassen; an der Stelle des heiligen Tempels war ein Götzentempel erbaut worden; sogar der Name der Stadt sollte aus dem Gedächtniß schwinden; Jerusalem existirte nicht mehr, und die Römer nannten jene heilige Stätte Aelia Capitolina. Bar Kochba halte sich die Eroberung der heiligen Stadt bis zuletzt ausgespart. Mit einem großen Heere zog er zur Belagerung heran. Doch ohne nach Art der Belagerer sich vorher zu schützen und zu decken, ließ er sofort zum Sturm blasen. Mit tausend Helden erstieg er die Mauer, sprang in die Stadt, machte Alles nieder, was sich ihm entgegenstellte, und öffnete das Thor. Da zog das ganze Heer Israels ein. Die römische Besatzung wurde theils getödtet, theils gefangen genommen, und die Juden waren wieder im Besitze der Residenz des großen Königs. In den bisher so verödeten Straßen Jerusalems ertönten wieder Freude- und Lobgesänge. Bon allen Enden der Erde strömten die Juden herbei, um die Gottesstadt wieder aufzubauen, sie mit neuen und festen Mauern zu umgeben, und vor allen Dingen darin wieder zu errichten das große und heilige Haus dem Ewigen, dem Gott Zebaoth, der da thront auf den Cherubim. Lobgesänge wurden gesungen in der ganzen Stadt, auf ihren Plätzen und in ihren Straßen, überall herrschte Freude und Jubel. Alle Händen mühten sich, Marmorsteine herbeizubringen, gehauene Steine, Zedernholz und Schittimholz, Lehm und Mörtel, Eisen und Kupfer, Silber und Gold und Alles, was man brauchte zur Erbauung des Palastes des Königs aller Könige. Männer und Frauen, Greise und Jünglinge, Knaben und Mädchen wetteiferten in der Beschaffung alles Röthigen. Die Priester traten zusammen, um sich wegen der Wahl eines Hohenpriesters zu besprechen und sich gegenseitig in Bezug auf die Ausführung des heiligen Opferdienstes zu belehren. Die Leviten übten sich in den heiligen Gesängen und in der Hand, habung der musikalischen Instrumente, der Trompeten, Harfen und Flöten wie sie der heilige Tempeldienst erheischte. Die Weisen Israels beriethen sich über die Einsetzung des großen Synhedrium in der Ouaderhalle des neu zu erbauenden Tempels und über die Errichtung der kleinen Synhedrin in allen Städten des heiligen Landes. Darin stimmten Alle überein, daß Rabbi Akiba den Vorsitz führen müsse als Fürst der Lehrer Israels wie einst Sckimeon Hazadik und Josua ben Perachia und Hillel Hasaken. Endlich war der Zeitpunkt gekommen, in welchem Bar Kochba den Grundstein legen sollte für den neu zu erbauenden Tempel. Das Götzenhaus war hinweggeräumt , die Götterbilder waren zertrümmert und alle Vorbereitungen waren getroffen. Dicht gedrängt stand die Menge und bedeckte den Tempelberg und die anliegende Plätze und Straßen, Töne der Freude und der Lust schwirrten durcheinander. Da bestieg Rabbi Äkiba eine Tribüne, um an die Versammelten eine Anrede zu halten, und plötzlich deckte tiefes Schweigen die unzählige Menge. „Meine Brüder", sprach Rabbi Akiba laut und vernehmlich, „ein Tag des Jubels und der Lust ist angebrochen für das Haus Israels. Dieser Berg Möriah ist die heiligste Stätte auf der ganzen Erde. Von dem Staube desselben hat Gott einst das erste Menschenpaar gebildet; hier hat Adam sein erstes Opfer dargebracht, den Stier, der ein einziges Horn auf seiner Stirne hatte; auch Kajin und Hebel brachten hier ihre Geschenke dem Ewigen, und Feuer fuhr hernieder vom Himmel, um das Geschenk des Hebel zu verzehren. Än dieser heiligen Stätte ordnete unser Vater Abraham den Altar, um, gehorsam der Stimme des allmächtigen Gottes, seinen einzigen Sohn Jizchak zum Opfer darzubringen. Hier war es, wo Gott sich unsrem Vater Jakob offenbarte, und wo dieser die Leiter erschaute, deren Fuß auf der Erde stand und deren Spitze in den Himmel ragte, und auf ihr erschien die Herrlichkeit Gottes. Aber die Herrlichkeit dieses Ortes blieb verborgen den Nationen und auch für Israel, bis David die Tenne des Arawna kaufte und sie bestimmte für ihren heiligen Zweck. Rach David's Tode erbaute der Weiseste der Könige das Haus unseres Gottes. Tyrus war damals die kunstfertigste Stadt der Welt; deßhalb schloß Salomo mit Chiram, dem Könige von Tyrus, einen Bund, und die Bauleute des Chiram brachten in Verbindung mit den Bauleuten Salomons die großen kostbaren Steine herbei zur Grundsteinlegung des heiligen Hauses. Sieben Jahre bauten die geschicktesten Bauleute der Welt, unterstützt von 70,000 Lastträgern und 80,000 Holzfällern. Der weiseste König war auch der reichste; die kostbaren Schätze der Welt ließ er herbeibringen von den entferntesten Ländern zur Erbauung des Heiligthums unsres Gottes. Und Gott selbst segnete den Bau, daß er so herrlich gedieh und seines gleichen nicht fand auf dem ganzen Erdenrunde. Aber um der -Sünden unsrer Väter