Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1881)
- Date
- 1881-11-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1092 desschulrathe und der Brodyer!Eultusgemeinde getroffenencn Vereinbarung den Antrag vor: ES werde zur Erhaltung der israelitischen Knaben- und Mädchen- Hauptschule in Brody eine jährliche Subvention von 6000 Gulden unter der Bedingung bewilligt, daß schon nn nächsten Schuljahre drei Lehrer oder Lehrerinnen angcstellt werden, welche die vollständige Befähigung haben, Unterricht in der polnischen Sprache zu crtheilen, daß die Schule mit Beginn des Jahres 1881/82 bezüglich der Unterrichtssprache stufenweise einen utaquistischcn Charakter annehme und daß die größere Hälfte der für die vierte Schulklasse vorgeschriebenen Gegenstände in polnischer Unterrichtssprache vorgetragcn werde, jedoch nur solche Gegenstände, wo es ohne den geringsten Nachtheil für den Unterricht in der deutschen Sprache geschehen kann. Durch einen derartigen Beschluß beabsichtigte der galizischc Laudeoschulrath, den Streit der wegen Erhaltung der von der Brodyer Commune geforderten Schule mit deutscher Unterrichtssprache im Wege eines Ausgleiches beizulegen, nachdem das Reichsgericht, entgegen der Auffassung des Unterrichtsministeriums, zu Gunsten der Brodyer Gemeinde entschieden und die Weigerung der Polen, eine Schule mit deutscher Unterrichtssprache zu erhalten, als Verletzung des Staatsgrundgesctzes bezeichnet hatte. Trotz dieser zwingenden Verhältnisse wollte heute die LaudtagSmcbrheit diesen der Entscheidung des Reichsgerichtes durchaus nicht genügenden Anträgen ihre Zustimmung verweigern, und der Berichterstatter der Unterrichts- Commission, Tr. Malecki, mußte sich sehr ins Zeug legen, um zu verhindern, daß die Commissions-Anträge nicht schlankweg abgelehnt wurden. Tr. ^talkowski befürwortete das Amendement, die Subvention solle nur dann bewilligt werden, falls die Brodyer Jsraeliten-Gcmeinde den Vorbehalt hinsichtlich der deutschen Unterrichtssprache fallen lassen würde Gras Krukowiecki erklärte sich überhaupt gegen die Subvention-Ertheilung, indem er es jals Arroganz und EynismuS bezeichnetc, daß die Brodyer Eultusgemeinde es wage, an den Landtag ein deratigcs Anliegen zu richten, zumal es sich um eine jüdische „Winkelschule" handle, in welcher ein „widerivärdiger Jargon" gepflegt werde. Dr. Zucker sprach seine Verwunderung aus, daß der Vorsitzende dem Vorredner eine so unparlamentarische Ausdrucksweise ganz ungeahndet hingehen lasse, worauf der Landcsmanchall, der heute schon vorher mit mehreren polnischen Deputirten in Eonslict gerathen war, schroff erwiderte. der Beschwerdeführer möge künftig die Ansrechierhaltung des parlamentarischen Anstandes dem Ermessen des Vorsitzenden überlassen. Gras Krukowiecki habe übrigens nichts gesagt, was gerügt zu werden verdiente (Lebhafter Beifall.) Dr. Zucker trat hierauf den Behauptungen Krukowiecki's entgegen, indem er darauf hinwies, daß die israelitische Hauptschule in Brody keine Winkelschule, sondern eine Anstalt mit dem Rechte der Oefsentlichkeit sei, über deren Leistungen sich der galizische Landcsschulrath wiederholt lobend ausgesprochen habe. In der Schule, die übrigens schon seit 27 Jahren uns Privatmitteln erhalten werde, sei bisher die deutsche Sprache und kein abstoßender Jargon gepflegt worden. Referent Malccki betonte, daß sich die Polen angesichts der reichsgerichtlichen Entscheidung in einer Zwangslage befinden, aus der sie sich nur durch unveränderte Annahme der Commissions-Anträge, welche wenigstens die thcilweise Polonisirung der erwähnten Schule ermöglichen, Heraushelsen können. Bei der Abstimmung wurden in Folge dieser Erklärung zwar die Anträge des Unterrichtsausschusses, jedoch mit den: von Dr. Skalkowski vorgeschlagenen Amendement angenommen. Pefkh. In der lctztstattgehabten Ausschußsitzung des Pesther israelitischen Frauen-Vercins wurde der Bericht über die entfaltete Thätigkcit im s abgclaufenen Semester verlesen; nach demselben wurden in bcu Monaten April bis September l. I. als monatliche Stipendien 1832 fl., als ambulante Unterstützung 1811 fl., an Zinsbciträgen 1494 fl., an 13 Wöchnerinnen 48 st., als Heirathunterstützung an 1 Person 100 ft*, an erlernen Waistnnltterstütznngen 671 fl. 50 kr. vertheilr. Im Mädchen-Waisenhause des Vereins, in welchem gegenwärtig 40 Mädchen erzogen werden, betrugen ,die Ausgaben 4194 fl. 77 kr., im Waisenasyl wurde für die Erhaltung für dort befindliche 13 halbverwaiste Kinder 1256 fl. 42 kr. verausgabt. Somit zusammen 1 1,380 fl. 69 kr. In der Armen-Spciseanstalt speisten, in der gleichen Periode 31,323 Personen, davon 2258 Personen unentgeltlich, die klebrigen für 10 Kreuzer täglich. Brnnn, 25. Ott. Die Staatsanwaltschaft konsizirte eine hier in Hunderten von Exemplaren verbreitete antisemitische Brochüre: „Schlichte Worte eines Geschäftsmannes". Gleichzeitig fahndet die Staatspolizei nach dem Verbreiter einer Einladung zur Pränumeration eines antisemitischclt Blattes, wegen Religionsstörnng. Man telcgraphirt aus Brody: Heute geht die dritte Expedition von 230 russichen Juden von hier via Antwerpen, Hüll und Liverpool nach New-2)ork ab, während die vierte folgende Expedition via Hamburg geführt wird, wodurch beit Auswanderern drei Tage Landrcise erspart werden. Dieser vierten Kolonne schließen sich die für Rechnung des Leipziger Komitös (mit der Pariser Organisation liirt) Reisenden an. Der Zuzug der Flüchtlinge dauert ununterbrochen fort und erschwert die Arbeit der Delegirten aus Paris und Leipzig. Gestern war man auf's Neue genölhigt, Lebensmittel an die Emigranten zu vertheilen, um eine Wiederholung unliebsamer Straßenszenen zu vermeiden.