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Der Israelit · 1881-11-02 · Heft 44 (2.11.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 44 (2.11.1881)
Date
1881-11-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1091 solennes Ständchen, ausgeführt von einem Männergesangverein, eröffnete die Feierlichkeit bereits am Vorabend des Jubiläumstages. Zahlreiche werthvolle und sinnige Geschenke wurden dem Gefeierten zu Theil, und wir können nur den Wunsch hinzusügen, daß es dem noch jugendlichen Jubilar vergönnt sein möge, in steter Gesundheit, im Vollbesitz seiner Stimme und in ungeschwächter Kraft und Hingebung dereinst seine goldene Feier zu begehen, zu seinem Glück, zur Freude seiner Gemeinde und der vielen Freunde und Gönner, die er sich während der Dauer seiner Amtirung hier erworben. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Kürzlich ist ein zweibändiges Buch aus der Feder des Kronprinzen Rudolph von Oesterreich erschienen, welches, nicht für die Oesfentlichkeit bestimmt, von seinem Verfasser an Mitglieder des kaiserlichen Hauses und an einige persönliche Freunde vertheilt wurde. Das Buch heißt: „Eine Orient- Reise" und enthält landschaftliche und ethnographische Schilderungen des Morgenlandes, von welchen wir die folgende Skizze, welche dem Besuche Jerusalems gewidmet ist, hierhersetzen wollen. Der kronprinzliche Autor schreibt hierüber: „Der erste Schritt auf dem Boden des gelobten Landes ruft in den Städten die Erinnerungen an die geordnete Macht des Judenreiches, an den weisen König Salomo oder auch an die Tage, wo der Stifter der christl. Religion inmitten seiner Apostel auf den steinernen Stufen der Hauptplätze predigend saß, lebhaft in's Gedächtniß, und auf dem Lande ziehen die Bilder am geistigen Auge vorüber, die unsindenKinderjahren beim Studium der Heiligen Schrift umgaukelten. Abraham, der Patriarch, der Nomadenkönig, reich an Heerden, edlen Rossen, schönen Zelten und sittigen Frauen, der sinnige Greis und Gelehrte, der Weise in mystischen Sprüchen, doch voll Lebensweisheit redend, der Stammvater eines edlen Volkes, er tonnte nur im Morgenlande, nur in diesen Gegenden hausen. Zeiten haben sich geändert, Religionen in den Formen auch; aus den vielen im Wesen gleichen, in den Hauptgedanken ähnlichen, nur im Ritus verschiedenen Glaubensbekenntnissen und Göttercultussen des morgenländischen Alterthums hat sich nur Eine rein erhalten, es ist die hebräische, die Lehre des alten Gottes, seines Propheten Moises. Doch das Volk, das auserwählte Volk der Juden, es hat Hcimath und Staatsgewalt verloren, und der ewige Jude ist unsterblich, immer Typus und Glauben unverfälscht erhaltend, in alle Länder der Erde vertheilt. Unbewußt rächt er sich durch sein Wesen, bewußt vertritt er eine gewisse Macht, die ihm der scharfe Geist des Morgenländers verleiht. Das Abendland hat ihnen Alles geuomuien, sie über die Erde verstreut, doch ihr Wesen auszumerzen, war es nicht im Stande, und so lebt das alte vielgeprüfte Volk noch heute und hat Anspruch auf die unleugbare Gerechtigkeit der Weltgeschichte. Aus dem an Weisheit reichen Glauben der Hebräer entstand das Christenthum; nur ein Land wie Palästina, der Orient allein konnte die christlichen Lehren hervorbringen, in vielen Sätzen neu, in Entstehung und Wesen aber die Fortsetzung der alten nwrgenländischeu Religionen. Im heutigen ins Abendländische, übersetzten Ehristenthume sind Hauptgedanken und die Geburtsstätte doch immer der Orient. Am meisten und unverfälschtesten in Sitte und Wesen haben sich die alten morgenländischen semitischen Religionen im Islam erhalten. Aus ihnen hervorgegangen, als ihre Fortsetzung für dieselben Völker bestimmt, erlangte er Macht in jenen Ländern, breitete sich selbst über Stämme einer ganz verschiedenen Race aus und erhielt durch seine Glaubenssätze und sein Wesen das Morgenland immer auf der gleichen Stufe. Der alte Abraham ist nicht ausgestorben; die fleißigen, nach Gewinn strebenden Hebräer des Alterthums leben auch noch in den Städten; die Araber, ihre Brüder, nud alle in der Heimat!) gebliebenen semitischen Stämme setzen das Alterthum fort. Und in den Steppen längs des Jordans haust Schech Ali mit seinen Tausenden von Reitern, frei und ungebunden. Heerden, Rosse, Weiber sind der Reichthum, Weisheit und die Bücher des Glaubens seine Macht, ein Volk für sich, ein greiser Nomadenkönig an ihrer Spitze, ebenso wie "Jene, von denen die Heilige Schrift spricht. Im Morgenlande stirbt nichts aus, und die fieberhaften Umwälzungen des Abendlandes gehen spurlos vorüber, Alles bleibt sich gleich und wird es bleiben, so lange die alte Sonne purpurroth über den kahlen Bergen, den gelben Wüsten und grünen Steppen des Orients alltäglich aufgeht, das herrliche Land, die Wiege des Menschengeschlechtes vergoldend. Wien, 25. Okt. Aus Grund der Berathuugeu der Enquete, welche zu Beginn dieses Jahres unter Vorsitze des ehemaligen Sections-Chefs Karl Freiherr v. Lemayer im Unterrichtsministerium stattfandeu, ist nun ein Gesetzentwurf, betreffend die Regelung der Verhältnisse der israelitischen Eultusgemeinden, ausgearbeitet worden. Dieser Gesetzentwurf bestimmt die Grundprincipien zur Errichtung von israelitischen Eultusbeiträgen, die Stellung der Rabbiner u. s. w., und soll noch im Lause der bevorstehenden Session im Parlamente eingebracht werden. Lemberg, 23. Okt. Im Landtag legte der Untersuchungsausschuß aus Grund der zwischen dem Lan-

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