Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1881)
- Date
- 1881-10-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1082 Frankfurt, 17. Okt. Das israelitische Hospietal hat einen Bericht über seine Wirksamkeit wahrend der Zeit vom l. Januar 1878 bis 1. April 1881 erscheinen lassen. Das Jahr 1878 erforderte einen Gemeindezuschuß von M. 24,483; das Vierteljahr von 1. Januar bis 1. April 1879 einen solchen von M. 3662. In diesen 5/4 Jahren wurden 246 Interne mit 9830 Tagen verpflegt; die Kosten stellten sich auf M. 0.4675 pro Tag und Kranken. Im Jahre 1879/80 legte die israelitische Gemeinde M. 24,159 zu, im Jahre 4880/81 M. 22,716; im ersteren wurden 204 Kranke mit 8212 Tagen und M. 5.30, in letzerem 224 mit 8505 ^Tagen und M. 5.36^/« verpflegt. In letztgenanntem Satz sind auch die Kosten für Externe inbegriffen. Das Hospital hat nämlich neuerdings seine Wirksamkeit in der Weiise ausgedehnt, daß es nicht allein arztlichetl Rath, Medikamente, Bandagen rc. unentgeltlich verabreicht (4880/81 an über 300 Personen), sondern mit Bewilligung des GemeindevorstandeS auch den armen Kranken iit ihrer Wohnung unentgeltlich ärztliche Behandlung nebst freien Medikamenten angedcihen ließ. 1880/81 wunden auf diese Weise nicht weniger als 200 Kranke für Rechnung des Hospitals verpflegt. Trotzdenr mußten sonst begründete Gesuche oft zurückgewicscn werden, weil der Betreffende nach den Statuten nicht aufnahmefähig war und selbst die geringe Taxe nicht zahlen konnte. Denn man mußte bei der Aufnahme nicht Gemeindeangehbrigcr sehr vorsichtig zu Werke gehen, um nicht die Zuschüsse der Gemeinde und damit die Steuern der Mitglieder, aus denen sie gedeckt werden, noch zu steigern. Das Pflegeamt bittet daher um größere Zuwendungen, durch die es in die Lage versetzt würde, weniger skrupulös bei der Aufnahme zu sein. Die Stelle eines Hospitalarztes bekleidet Herr Dr. med. Kirchheim. Als Hilfsarzt mit der Armenpraxis sungirt Herr Dr. Jafstz und als Operateur Herr Dr. Hirschberg. Die Zahl der Freibetten beträgt jetzt 14. An Geschenken gingen in der Berichtszeit außerdem ein M. 8011. Bon den in dieser Zeit in das Hospital aufgenommenen Kranken waren aus hiesigen Familien: 137 Männer, 158 Frauen: in Dienst stehend 36 Männer, 131 Frauen; in Arbeit stehend 50 Männer, Durchreisende 426 Männer, 36 Frauen. Noch in Behandltttlg bleiben am 1. April 1881 13 Männer und 46 Frauen, darunter 1 Mann und 1 Frau über 80 Jahre alt. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Lofoncz. Man schreibt rms von achtbarer Seite unter voller Gewähr für die Richtigkeit der Thatsachcn wie der Darstellung: Am 25. September saß der beim Kaufmanne Herz angestellte Anton Stern im Selmeczy'schen Kaffeehause in Losoncz und las ruhig seine Zeitung. Am Nachbartische saßen der Losonczer Eisenbahn-Stationschef Arthur Groß, der Ingenieur Großmann und der Frachtenkassier Straska und machten zur Päßthöer Judenhetze ihre beifälligen Glossen, die der etwas harthörige Stern nicht beachtete. Dies Schweigen verdroß die besagtcil drei Herren; Arthur Groß stand plötzlich auf und sagte zu Stern mit jüdischem Accent: „Hier ist kein Tempel, beten Sie anderswo!" Anton Stern, ein schlichter Mann, wollte hierauf zahlen und sich entfernen, woran ihn jedoch die obbenannten drei Herren hinderten, indem sie ihn mit Faust- und Stockschlägen, später mit Stühlen fürchterlich zurichteten, so daß Anton Stern in bewußtlosem Zustande vom „Kampfplätze" weggetragen wurde. Sein Zustand hat sick seither verschlimmert und ist nun besorgnißerregend. j Rußland. | Aus Rußland wird unterm 14. ds. geschrieben: > Die Polizei erhielt den Auftrag, die Pässe der Juden streuger Revision zu unterwerfen und die nicht bollkom men wohnberechtigten Juden zur Ausweisung an den Ober-Polizeimcister anzuzeigen. Die Gelegenheit, sc sagt der bezügliche Erlaß, sei sehr günstig, weil die großen jüdischen Feiertage die Juden aus ihrer sonstigen Zurückgezogenheit herausbringe! In Verbindung mit dieser Meldung wird von einer Ausweisuugsafsaire berichtet, die den oesterr. Monarchie berührt. Vorige Woche erhielt nämlich der Journalist Friedcnsstein auo Ungarn, der beim „Tagesanzeiger" in Libau beschäftigt ist, vom dortigen Polizeimeifter die Weisung, die Stadt bis zum Schluffe der Woche zu verlassen, da er alo Jude kein Ausenthaltsrecht besitze. Das dortige öfter reichisch-ungarische Konsulat legte gegen dieses Vorgehei Verwahrung ein. Friedensstein reiste nach Mrtan und hatte mit dem Gouverneur eine Unterredung, woraw dieser die Ausweisung auf vier Wochen telegraphisch sistirte. Das Konsulat berichtete über den Vorfall ar die österreichisch-ungarische Botschaft. Eine Korrespon denz in der „Rigwschen Zerrung" meint, die Auöweisnm gelte nur dein Journalisten, der kommunale Mißstand: vielfach rügte und daher den Behörden ein Dorn in Auge war. Moskau, 15 Okt. Daß sich die Juden wededer Sympathien noch des Schutzes des Ministers de: Innern zu erfreuen haben, mag folgender Vorfall be weisen. In Arol wurden plötzlich die Juden durch dic Behörden ausgewiesen; zwar traf der Befehl nicht all. jüdischen Bürger der Stadt, aber doch die Mehrzal^ derselben. Die in Angst gesetzten Leute bildeten sofou eine Kommission, die sich nach Petersburg begab, m: an höchster Stelle Klage über die unqualisizirbare Maß reget zu führen. Von Jgnatiew nicht angenommen wandten sich die jüdischen Deputirten an Woronjow