Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1881)
- Date
- 1881-10-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1074 300 fl., für das hiesige Jsraelitenspiel 400 fl., und für das hiesige isr. Waisenhaus 500 fl. ausgezahll werden. Man meldet aus Sregedin: Am Vorabend des Versöhnungsfeftes entstand in dem überfüllten isr. Tempel eine furchtbare Panik in Folge des plötzlichen Erlöschens der Gasflammen. An dem äußerst engen Ausgang stauten sich die Menschenmassen, wodurch zahlreiche Verwundungen, darunter einige lebensgefährliche, vorkamen. Lemberg. In der Rede, mit welcher der Abgeordnete Merunowicz seinen bekannten, auf Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der Juden abzielenden Antrag motivirte, bemerkte derselbe, daß, wenn vielleicht Jemand eine Rede ü In Stöcker und Henriei erwarte, dies sich sofort als unbegründet erweisen würde. Es sei ihm zwar schon die Absicht, eine antisemitische Bewegung in Galizien hervorzurufen, zum Vorwurf gemacht worden, doch müsse er gegen eine solche Insinuation feierlichst und aus vollster Ueberzeugung Protest einlegen Sem Streben sei nur, die von ihm angeregte Frage im Sinne der modernen Gesetzgebung geregelt zu sehen, welche jeglichen Unterschied zwischen den verschiedenen Confessionen bezüglich der staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten aufhebt. Die antisemitische Bewegung in Deutschland halte er für unvereinbar mit dem Geiste der modernen Gesetzgebung sowohl wie auch mit den Traditionen der polnischen Nation. Redner bespricht die jüdische Gemeinde als eine der ältesten rechtlichen Institutionen; sie reicht bis zum Zeitalter der Pyramiden zurück, hat alle asiatischen Staaten des Alterthums, den römischen Staat und die Wirren des Mittelalters überdauert und lebt noch heute in voller Kraft. Zu Zeiten einer ziemlich allgemeinen Judenverfolgung hat dieser Stamm in Polen eine Zuflucht gefunden. Die Gesetzgebung der polnischen Republik behandelte die Juden als besondere Nation und die nationalen Gesetze derselben waren durch königliche Privilegien, durch Reichstags-Constitutionen im vollsten Maße anerkannt. Die Israeliten waren darnach völlig unabhängig und hatten am königlichen Hofe eine besondere Vertretung. Entsprechend solchen Traditionen wolle Redner durchaus keine Beschränkung der Juden in ihren Rechten, sondern nur eine Beseitigung von all dem, was ihnen ermögliche, sich allgemeinen Pflichten zu entziehen und besonder Vortheile zu sichern. Zur eigentlichen Begründung seines Antrages übergehend, führt Redner eine lange Reihe von Thatsachen an, zum Beweise, daß Mißbräuche und Inkorrektheiten zu Gunsten der Juden und zum Schaden der eingeborenen Bevölkerung als Folge gewisser Vorschriften der bisher geltenden Gesetzgebung bestehen, und daß dieselben schon lange Gegenstand von Landtags-Resolutionen, Correspondenzen zwischen Behörden und amtlichen Erhebungen sind. Ein positives Resultat sei jedoch bisher ausständig, weil die Judengemeinde ein Mysterium geblieben sei. Jedenfalls sei dieselbe ein Staat rm Staate, eine Anomalie vom Standpunkte der Gleichberechtigung, und man müsse sie genau kennen lernen, um das Ungehörige zu beseitigen. Der für wissenschaftliche Studien beantragte Betrag von 10,000 fl. könnte vielleicht hoch gegriffen erscheinen, in der Praxis jedoch dürfte er sich noch als zu gering erweisen, denn es sei zu befürchten, daß sich 100,000 fl. finden werden, um jene Studien zu Hintertreiben. (?!) In weiterer Begründung des Antrages, speciell das Civilstands-Register und der Kontrole in Rekrutirungs-Angelegenheiten führt Redner folgende Zahlen an: Von galizischen Juden sollten eigentlich 14.163 im activen Militärdienste stehen, indeß sind ihrer nur 7000. Auf je 1000 Einwohner von Galizien sollen 153 christliche und 40 jüdische Soldaten entfallen, es seien aber nur 19 jüdische, wofür umso mehr Christen zum Militärdienste herangezogen werden müssen. Dabei vergißt der Abgeordnete freilich, daß diese Ungleichheit weniger irgend welchen Mißbräuchen als vielmehr der physischen Verkommenheit der armen polnisch-jüdischen Bevölkerung zuzuschreiben sein dürfte. Schließlich wendet sich Redner gegen die Winkel-Pfandleih-Anstalten, die ohne jegliche behördliche Controle bestehen. R u ß l a n d. Aus Moskau wird der „Wiener Presse" unterm 29. September geschrieben: D r Kongreß der jüdischen Delegirten in Petersburg hat seine Sitzungen beendigt und die Deputirten sind in ihre Heimath zurückgekehrt. Die Audienz, welche sie beim Großfürsten Wladimir und beim Grafen Jgnatiew hatten, soll sehr versprechend für das Geschick der Judenfrage sein; so ließ man der Welt verkünden. In der That aber kehrten die Deputirten schweren Herzens und besorgt für die Zukunft heim. Ich hatte Gelegenheit mit einem-derselben, welcher via Moskau nach dem Süden reiste, zu sprechen und aus seiner Schilderung der Audienzen in Petersburg mögen Sie ersehen, daß es mit der Zukunft der Juden in Rußland nicht am besten bestellt sein dürfte. Jgnatiew empfing die Deputation sehr liebenswürdig, wie es von einem gewiegten Diplomaten nicht anders zu erwarten war und ertheilte ihr den Rath, sie möge im Kreise ihrer Glaubensgenossen dahin wirken, daß rwei Dritthe'ile der Juden in Rußland den Wanderstab erg reifen, dann werden die Verhältnisse des restlichen- Theiles der