Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1881)
- Date
- 1881-10-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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XXII, Jahrgang. Erste Beilage zu tlr. 43 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen Deutschland. Binswangen, im Tischri. Nicht ehrt der Ort den Mann, sondern der Mann ehrt seinen Ort. (Taanith, Folio 21.) Kaum hat ein neues Jahr begonnen, so habe ich Ihnen leider auch schon eine traurige Mittheilung zu machen. Herr Rabbiner Jsak Hirsch Gunzenhauser weilt nicht mehr unter den Lebenden; denn Goti, dem Allmächtigen, hat es gefallen, ihn am 3. Tischri (26. September) nach Itägiger Krankheit, nachdem er noch am 1 Tage Rosch Haschono in der Synagoge gewesen, zur Thora gerufen war und das Gebet für den König gesprochen hatte, im hohen Alter von 84 Jahren zu sich ins bessere Jenseits zu berufen. Mit ihm, der sein hiesiges Amt 60 Jahre in Eintracht und Friede mit seiner Gemeinde verwaltet und 57 Jahre hiervon in glücklicher Ehe mit seiner ihm in Tugend und Wohlthätigkeit gleichstrebenden, auch hochbetagten Gattin verlebt hat, scheidet ein Mann aus unserer Mitte, der mit seltener Frömmigkeit zugleich eine äußerst reichhaltige Talmuokenntniß verband und deßhalb auch von auswärts in rituellen Fragen vielfach um Entscheidung angegangen wurde. Derselbe hat die s. Zt. existirende Jeschiba in Fürth als hervorragender Zögling besucht und wird wohl einer der letzten Schüler jener berühmten Hochschule gewesen sein. Von dem großen Ansehen, der Achtung und Liebe, die der Verstorbene allgemein genossen, gab die zahlreiche Begleitung bei der Beerdigung ein beredtes Zeugniß. Die katholische Geistlichkeit und die Beamten von der benachbarten Amtsstadt Wertingen, die Mitglieder der hiesigen und Buttenwieser israel. Gemeinde, sowie eine unzählige Menge Leute christl. Confession gaben dem würdigen Greise das Ehren-; geleite. Am Grabe sprach der von der Cultusverwal- , tung berufene Rabbiner, Herr Dr. Groß in Augs- | bürg, in geistreicher Weise über 5. B. M. Cap. 32,! 48 2c. vom Tode Moses, dann schilderte der Sohn j des Verstorbenen, Herr Bezirksrabbiner Gunzen- > Hauser von Mergentheim, in ergreifenden Worten die seltenen Eigenschaften und die rabbinische, wie! menschenfreundliche Wirksamkeit seines Vaters und zum Schluffe widmete der Religionslehrer, Herr Wetzler von hier, dem langjährigen, gewissenhaften, wohlwollenden und charaktervollen Führer und Lehrer der Gemeinde einen warmen und empfindungsreichen Nachruf. In dem Verewigten hat nicht nur der Ort seiner segensreichen Berufsthätigkeit, sondern auch das Gesammtjudenthum einen schweren, in unserer Zeit der Abnahme des Thorastudiums und der echten Religiosität, wie von den Rednern hervorgehoben wurde, unersetzlichen Verlust erlitten. Das Andenken des Gerechten bleibt gesegnet. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Oswiecin. Während des Vormittags-Gottesdienstes am zweiten Neujahrsfeiertage in der Synagoge zu Oswiecin gerieth im untern Frauensaale ein Vorhang durch ein zu nahe befindliches Licht in Brand. Derselbe wurde zwar gleich gelöscht, doch entstand alsbald Feuerlärm in der überfüllten Synagoge, und Alles drängte dem einzigen Ausgange des Gebäudes zu. Auch die im oberen Frauensaale befindlichen Frauen und Kinder suchten über die zum Ausgange führende Treppe so rasch wie möglich das Freie zu gewinnen, die aus Holz gebaute Treppe brach jedoch unter der Last von zehn bis fünfzehn Personen zusammen, und die Balken und Bretter stürzten auf die im untern Raume befindlichen Personen hinab. Dadurch wurden zwei Frauen, ein Mädchen von zwanzig Jahren und zwei acht- , bis zehnjährige Kinder sofort getödtet und etwa! zwanzig Personen theils schwer, theils leicht verletzt, j Aerztliche Hilfe war zwar sofort zur Stelle, doch! wird es allgemein getadelt, daß der Synagogen-! Vorstand trotz des voraussichtlichen Andranges es unterlassen hatte, vor den Feiertagen den Bauzustand der hölzernen Treppe untersuchen zu lassen. Budapest Die kürzlich verstorbene Gutsbesitzerin Frau Julie Nemeshegyi hat — wie uns mitgetheilt wird — in ihrem am 7. d. publicirten Testamente mehrere hiesige Wohlthätigkeitsinstitute mit Legaten bedacht. Die edle Dame testirte zu humanen Zwecken rund 4000 fl. und verfügte u. A., daß hievon zur Vertheilung an hiesige Wittwen und Waisen ohne Unterschied des Bekenntnisses