Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1881)
- Date
- 1881-10-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1072 darten und Lanzen, als sie vor den heldenmülhigen Führer gelangten. Auf der Ebene von Saron stand der^Feind in Schlachtordnung. Ihm zogen die Heereszüge der Juden entgegen und schlugen am andern Ende ihr Lager auf. Man konnte deutlich die Feuer der beiderseitigen Heere unterscheiden, und dann und wann ertönte der Klang der feindlichen Musik mit ahnungsvollem Schalle an die Ohren der Sichgegenüberstehenden. Kaum eine Viertelmeile trennten die gewaltigen Heeresmassen. Von dem morgigen Tag hing vielleicht das Schicksal von Jahrhunderten ab. Um die zweite Nachtwache erhob sich Bar Kochba von seinem Lager. Er trat vor sein Zelt und schaute voll Entzücken auf das gewaltige Heer, das für ihn Zu kämpfen und zu siegen bereit war. „O," sagte er, „welch eine majestätische Erscheinung! Und ich, ich habe dies gewaltige Heer um mich gesammelt! Ueber die weite Ebene hinweg, so weit nur mein Au^e schauen kann, füllen die weißen Zelte die purpurne Landschaft. All diese Schaaren sind bereit, für mich zu kämpfen." Der Tag brach an. Bar Kochba ließ zum Angriffe blasen. Mit dem Centrum seines Heeres rückte er mit unwiderstehlicher Kraft auf das Centrum der Römer zu und brachte dasselbe in Verwirrung. Die Römer wurden zurückgedrängt; Bar Kochba erlegte mit eigener Hand den römischen Feldherrn. Während Bar Kochba aus diese Art schon den Sieg enschieden glaubte, erwartete den linken Flügel seines Heeres ein gam anderes Lms. Sulpicius, der Unterfeldherr der Paulus Martius, der sich in einer sehr vortheilhaften Stellung befand, schlug nicht nur den Angriff zurück, sondern brachte den linken Flügel der Juden gänzlich in Unordnung und zerstreute ihn. Der Eifer des Sulpicius, seine Gegner zu vernichten, hinderte ihn daran, die traurige Lage des römischen Centrums zu bemerken. Hätte er, nachdem er den linken Flügel geschlagen, Bar Kochba im Rücken angegriffen, so wären die Juden verloren gewesen. Jetzt aber entdeckte Bar Koch bas Adlerauge die Unvorsichtigkeit des Sulpicius und benutzte dessen Uebereilung. Er ließ von der Verfolgung des römischen Centrums ab und eilte dem linken Flügel seines Heeres zur Hilfe. Mit eigener Hand streckte er den Sulpicius nieder und trieb dessen Legionen in die Flucht. Dreißigtausend römische Leichen bedeckten das Schlachtfeld. Die übrigen Römer entflohen. Biele von ihnen wurden noch aus der Flucht von den verfolgenden Juden niedergestrcckt oder gefangen genommen. Der Sieg war ein vollkommener. Bar Kochbas Heer hatte nur geringe Verluste erlitten. Aus dem Schlachtselde umarmte Rabbi Akiba den siegreichen Feldherrn. „Der allmächtige Gott Israels sei gepriesen", sagte er; „heute hat er erfüllt, was er durch seinen Propheten Ehaggai verheißen: Noch ein Kleines, und ich lasse Himmel und Erde erschüttern, stürze um den Thron der Reiche und vertilge die Macht der Heiden.*) Als Kaiser Hadrian die Niederlage seines Heeres und den Tod seiner Feldherren vernahm, erfaßte Angst und Sorge sein Herz. Die Empörung der Juden hatte einen Verlaus genominen und eine Ausdehnung gewonnen, welche das ganze römische Reich zu erschüttern drohten All die unterdrückten und unterjochten Volker lechzten danach, ihre Freiheit zu erlangen und ihre Selbstständigkeit wieder zu gewinnen. Wenn die Fuden frei wurden, so war es um die Herrschaft der Römer in allen Provinzen geschehen. Da würden sich die Germanen erheben und die Gallier, die Britanier und oie Hispanier, die Aegypter und die Syrier, die Griechen und die Afrikaner. Daher beschloß der Kaiser, seinen besten Feldherrn aus weiter Ferne herbeizurusen. Der beste Heerführer der Römer war zu jener Zeit Julius Severus, welcher damit beschäftigt war, die freiheitsliebenden Britanier zu unterdrücken. Darüber verging aber eine lange Zeit, welche Bar Kochba dazu benutzte, sein Reich zu befestigen und die den Römern abgenommenen Festungen in Vertheidigungszustand zu setzen. Unter allen ragten die Städte Kabul, Sichin und Magdala hervor. Auf dem Königsgebirge (Tur Malta) lag die volkreiche Stadt Tur Simon; in ihr wurden an jedem Freitag dreihundert große Körbe Brod an die Armen vertheilt. Auch diese Stadt war stark befestigt; zu ihrem Befehlshaber hatte Bar Kochba einen seiner Feldherren, Namens Bar Dorma, eingesetzt. Das Vertrauen der Juden aus Bar Kochba als den gottgesandten Messias war durch die Erfolge desselben auf das Höchste gestiegen. Niemand glaubte, daß die Unabhängigkeit Judäas gefährdet werden könnte. Unterdeß näherte sich Julius Severus mit einem mächtigen, römischen Heere den Grenzen Palästinas. (Fortsetzung folgt.) *l ^.ailhcdn» 97 b. Hierzu zwei Beilagen. ' tfftittioorüite riedacnon: Dr. Seemann tn Mainz. — Verlag irui 'Spjebition des „^Taelit" g^ore 2?ltt<±e 45,. 3 E 2 llLl eden L Buckdruckere'. «'Mainzer Anzeiger).