Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1881)
- Date
- 1881-10-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1071 für viele Andere und seine Stimme von großem Gewicht. Ihm schloß sich Rabbi Jochanan ben Torta an. „Noch ist die Zeit nicht gekommen", sprach er, „daß wir den Erlöser erwarten dürsen. Unser Zeitalter ist nicht reif dafür. Es wird Gras aus Deinem Grabe wachsen, Akiba, und der Sohn Davids wird noch nicht gekommen sein." Da öffnete sich die Thüre und Ben Kesiba trat ein. Seine Erscheinung machte einen überwältigenden Eindruck. Seine hohe Gestalt, sein edles Antlitz, seine feuersprühenden Augen, sein königliches Aussehen — das Alles eroberte ihm alle Herzen im Fluge. „Das ist der messianische König!" rief Rabbi Akiba begeistert. Er erhob sich und trat auf den Jüngling zu, sprechend: „Es ist hervorgetretcn ein Stern aus Jakob, es hat sich erhoben ein Scepter aus Israel. Edom wird zur Beute werden, während Israel Heldenthaten vollbringt?' Da stürzte der Jüngling auf Rabbi Akiba zu, umarmte und küßte ihn, und alle Versammelten erhoben ihre Stimmen und riefen, die Worte Akiba's viederholend: „Es ist hervorgetreten ein Stern aus Zakob!" Und der Ruf pflanzte sich fort, und die Draußenrehende riefen mit lauter Stimme: „Darach Kochab Rijakob! Es ist ein Stern hervorgetreten aus Zakob!" Von diesem Augenblicke an nannte man den reuen Messias: Bar Kochba, den Sohn des Sternes, mlehnend an die Worte Akiba's: „Es ist ein Stern »ervorgetrcten aus Jakob." Nachdem der Messias von Rabbi Akiba und >en Weisen Israels anerkannt war, strömten die übischen Krieger aus allen Ländern herbei. Aber licht Jeden nahm Bar Kochba in sein Heer auf. Arr, wer Beweise von Muth, Standhaftigkeit und ^pterfähigkeit gegeben hatte, durfte als Gottessireier in das Heer des Messias eintreten*). Als die Kunde des Aufstandes nach Cäsarea tm, hatte Tinius Rufus, der so hart und grausam iegen die Schwachen verfahren, nichts Eiligeres zu )uu, als zu entfliehen. Vorher schon hatte er sich ou seiner Gemahlin Rufina getrennt. Eines Tages kam eine vornehme Römerin mit roßcm Gefolge im Lager an, wo Rabbi Akiba an 'r Seite Bar Kochba's weilte. „Führt mich," sprach sie zu den Wachen, „zu uu großen Lehrer Israels." , *) Jeruschalnn Taanith, gegen (iufcs. Ihrem Wunsche wurde entsprochen. Als sie in das Zelt Rabbi Akiba's eingetreten war, warf sie sich ihm zu Füßen und umfaßte seine Kniee. „Stoße mich nicht von Dir", rief sie, „Du großer, edler, weiser Mann! Laß mich Dir dienen als niedere Mago, der Du gestattest, daß sie Deine Füße wasche!" „„Stehe auf, Rufina"", sprach Rabbi Akiba. „„Du bist das Weib eines Andern."" „Ich bin das Weib des Rufus nicht mehr. Als ich ihm meinen Entschluß mittheilte, zum Judenthume überzutreten, wurde er zornig und schied sich von mir. Als ich frei ward, beeilte ich mich, meinen Entschluß auszuführen. Rabbi Jehuda beu Baba jhat mich in das Judenthum ausgenommen, und jetzt bin ich zu Dir gekommen. Du verehrungswürdiger Greis. C stoße mich nicht von Dir und laß mich bei Dir bleiben." Und sie blieb bei ihm. Rabbi Akiba erhob sie zu seiner Gemahlin; die großen Schätze, die sie ihm mitgebracht hatte, wurden im Dienste des Vaterlandes verwendet*). Unterdeß machte Bar Kochba ganz erstaunliche Fortschritte; nichts widerstand dem siegreichen Heere der Juden. Aus allen Festungen von Judäa wurden die Römer vertrieben; auch Galiläa mußte von ihnen geräumt werden und kam in den Besitz der Juden. Als seine Residenz hatte Bar Kochba die große c^tadt Bethar ausersehen. Dieselbe war schon vor dem Falle Jerusalems eine bedeutende Stadt gewesen. Rach der Zerstörung des Mittelpunktes des jüdischen Reiches war sie ganz außerordentlich angewachsen. Als Kaiser Hadrian die erste Nachricht von dem Aufstande in Judäa erhielt, gedachte er, mit geringer Truppenmacht die Aufrührischen zu bezwingen. Als aber die Römer wiederholt geschlagen wurden, sandte er einer seiner besten Feldherren, den Paulus Martins, mit einem großen Heere nach Judäa, um die Aufständischen zu unterdrücken. Vor den Mauren Bethars hielt Bar Kochba Musterung über die Heerschaaren Israels. Zweimalhunderttausend Mann schwerbewaffnetes Fußvolk, dreißigtausend Bogenschützen und leichte Truppen, und zwanzigtausend Reiter bildeten dieses Heer. In ihrer Mitte trug Barak, ein Mann von hervorragendem Wüchse, die heilige Fahne, auf welcher in Gold gestickt die Worte prangten: Darach Kochab Mijakob, es ist hervorgetreten ein Stern aus Jakob. Auf einem Throne saß Bar Kochba, ihm zur Seite Rabbi Akiba. Das ganze Heer zog in feierlicher Ordnung vorüber, und Alle senkten ihre Stan- *) Nedarim, 50 a.