Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1881)
- Date
- 1881-10-19
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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4054 Feuilleton. Ueber die Lage des Gartens Lden. i. Es gibt wohl wenige Fragen in der ganzen biblischen Literatur, die so oft gestellt, deren Lösung so oft versucht worden ist und deren Beantwortung soviel Hypothesen zu Tage gefördert hat wie die Frage nach der Oertlichkeit des Gartens Eden. Die verschiedenartigsten Ansichten sind schon darüber geäußert worden, und nichts liegt so fern, was nicht schon versucht worden ist. Man sollte meinen, es gebe nichts Einfacheres als die Beantworümg dieser Frage; denn die heilige Schrift selbst gibt uns ja genügenden Aufschluß darüber. Vier große Ströme zweigen sich von einem größeren, als ihrer gemeinsamen Quelle, ab und befruchten die Länder, welche sie durchfließen. Die Länder werden genannt und sogar die hauptsächlichsten Erzeugnisse derselben werden namentlich angeführt. Trotzdem diese große Unsicherheit! Bei näherer Betrachtung ergibt sich aber, daß eben diese genauere Bezeichnung, mit der die heil. Schrift gleichsam jc^d -pna lD'Djjibt, die Ursache dieser Unsicherheit geworden ist. Sehen wir uns die Worte der heil. Schrift (Genesis 2 ) in ihrem Wortlaute genauer an. II. „Da pflanzte der Ewige, Gott, einen Garten in Eden zur Morgcnseite und setzte dahin den Menschen, den er gebildet hatte." (V. 8.) „Und ein Strom geht hervor aus Eden, zu bewässern den Garten, und von hier aus theilt er sich und wird zu vier Hauptströmen. Der Name des Einen t|t Pischon, derselbe umfließt das ganze Land Ehawilah, wo das Gold ist. Und das Gold dieses Landes ist gut; dort ist der Bedolach und der Schohamstein. Der Name des zweiten Stromes ist Gichon, derselbe umfließt das ganze Land Kusch. Und der Name des dritten Stronies ist Ehiddekel, derselbe geht nach der Morgenseite von Aschur; und der vierte Strom ist Phrath." (V. 10-14.) Es steht fest, daß nach den klaren Worten der heil. Schrift das Paradies in einer bestimmten Gegend auf Erden zu suchen ist, die nicht nur nicht verheimlicht, sondern durch-ausführliche Beschreibung kenntlich gemacht werden will. Sie nennt die Namen der Flüsse, die Gebiete derselben und die Prodncte >es Landes, das von ihnen bewässert wird. Es ist also kein Zweifel, daß das Paradies hier auf Erden war, und obschon wir gewöhnt sind, mit dem Namen ( „Gan Eden" den Aufenthaltsort der Seligen nach dem Tode zu bezeichnen, so kann das nur in übertragenem Sinne gemeint sein, indem wir uns den Zustand der Seligen nach dem Tode, ähnlich dem des ersten Menschenpaares vor dem Sündensall denken. So sagt auch Nachmanides in seinem Kommentar zu unsrer Stelle: „Wisse und glaube, daß der; Garten Eden hier auf Erden sich befindet, ebenso; der Baum des Lebens und der Baum der Erkennt-! niß, und von dort geht jener Strom aus, der sich i in vier Hauptströme zertheilt, von denen uns. ja! einige wohlbekannt sind u. s. w. Aber so wie diese > Dinge hier auf Erden in sichtbarer Erscheinung siä befinden, so haben sie im Himmel ihr geistiges Prototyp oder Urbild, dem sie entsprechen. Dies ist ancr.; die Ansicht unsrer Weisen im Midrasch u. s. w." III. Es ist nun nichts natürlicher, als daß gelehrt. Forscher sich von jeher bemühten, diesen Ort, t>i; eigen'.liche Wiege der Menschheit, näher zu bestimmen. : Das Unternehmen ist aber nicht so leicht, wie es den. ' Anschein hat. Alle möglichen und unmöglichen Hypothesen sind darüber aufgestellt worden, keine von ihnen hat nach allen Seiten hin befriedigt. Es gibt zwei Wege für die Untersuchung dieser schwierigen Frage, um zu einem Resultate zu gelangen. Entweder man nimmt die Flußnameu als Airs- : gaugspuukt für die Untersuchung, und sucht so, gleichsam inductiv, ihre gemeinsame Quelle oder dao von ihnen begränzte Gebiet auf; oder mau nimmt die Ländernamen zur Grundlage der Forschung und > sucht so den daselbst fließenden Strömen die biblischer. Namen beizulegen. Erstercr Weg wurde von der. meisteil Forschern gewählt, und mit Recht; denn Flnssenamen bilden dauerndere und verläßlichere, weil engbegrenztere Marksteine, als Ländernamen, welche häutig verschoben und bald kleinere, bald größere Gebiete umfassen. Es fehlt übrigens nicht ai'. Forschern, welche den letzteren Weg gewählt haben. : Es ist nicht zu verkennen, wenn wir diese verschieden-; artigsten Resultate übersehen, daß die Frage im Vorhinein durch Vorurtheile verwirrt wurde, man nahm Uncrwiesenes als selbstverständlich an und baute darauf weiter, ohne zu bedenken, ob denn der Grund, ans dem gebaut werden soll, ein solider ist. Nur so konnte es kommen, daß an die achtzig verschiedem Ansichten von jüdischen und nichtjüdischen Gelehrten darüber ausgestellt worden sind. So z. B. sagt Iben Esra in seinem Eommentar: „Wir wissen, daß der Garten Eden unter dem Aequator liegt, dort wo Tag und Nacht immerwährend gleich, sind," sagt uns aber nicht, woher er denn diese Wissenschaft geschöpft hat. Mit Recht polemisirt er dort gegen den Gaon R. Saadjah, welcher, wie wir weiter unten