Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1881)
- Date
- 1881-10-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXII. Jahrgang. Zweite Beilage zu Ar. 42 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Carrefpondenzetr. Deutschland. Mainz, 17. Oktober. Wir haben bis nach den Feiertagen gewartet, um die schmerzliche Pflicht Ul erfüllen, einem Heimgegangenen Freunde y"J einige Worte des Nachrufs zu widmen. In der Woche vor dem Neujahrsfeste wurde Herr Dr. med. Moritz Vaumann aus Berlin während eines vorübergehenden Aufenthalts zu Frankfurt a. M. tut Alter von 50 Jahren vom Schauplatze seiner irdischen Thätigkeit abberufen. Der Verewigte war ein echter Jehudi im wahrsten Sinne des Wortes. Mit großer Sorgfalt beobachtete er die Vorschriften unsrer heil. Religion und schloß sich allen Bestrebungen zur Erhaltung und Förderung derselben auf das Eifrigste an. In Berlin hat die „Adaß Jisroel" in ihm eines ihrer getreuesten Mitglieder verloren. Auch für alle wissenschaftliche Bestrebungen auf dem Gebiete des Judentums bethätigte der Verewigte stets ein großes Interesse. Er selbst hat einen Commentar zum Pentateuch verfaßt, den er jedoch nicht durch den Druck veröffentlicht hat. Seine edle Gattin, die einer adeligen, christlichen Familie entstammt, stand ihm als fromme, tugendhafte, jüdische Hausfrau zur Seite und half ihm redlich, alles Gute und Edle zu fördern. Eine arme jüdische Waise wurde von diesen beiden hochherzigen Menschen an Kindesstatt angenommen und erzogen. Herr Dr. 23. pflegte auch mit großer Liebe das Studium der göttlichen Lehre. Täglich kam ein Talmudgelehrter zu ihm in's Haus, mit dem er gemeinsam „lernte". — Der Verewigte war ein Mann, dessen Verlust umsomehr schmerzt, da seinesgleichen in unsrer Zeit nur sehr wenige gefunden werden. Er hatte sich die großen jüdischen Aerzte des Mittelalters, Maimonides, Jehudah öallevi?c. zum Vorbilde genommen. Möge der allgütige Gott der trauernden Wittwe Trost spenden. Frankfurt a. M In dem ersten Bericht über die hiesige Musterschutz-Ausstellung in Nr. 24 des „Israelit" sind irriger Weise zwei' Firmen als 'irdische angegeben; Sattler Bauer und Sattler Lachs sind Ehristen. Altona, 1^. Sept. Unsre große Synagoge, die, wie ich Ihnen zur Zeit mittheilte, einer umfas-! senden Renovation unterworfen wurde, ist nun in herrlicher Gestalt vollendet und nach stattgehabter Eröffnungsfeier am p"bw vor. Woche ihrer Bestimmung übergeben worden. Unser ehrwürdiger Oberrabbiner Herr Dr. Lö b legte seiner Predigt den 122. Psalm 'n rva ono« wra», anknüpfend an den Wochcnabschnitt 'i orto mn d’3sh dp# .dd\-)\v zu Grunde. Die inhaltreiche, mit gewohnter Meisterschaft ausgeführte Rede läßt sich in dem engen Raume eines Berichtes auch nicht annähernd wiedergeben. Die Kosten des Renovation belaufen sich gegen sechzehntausend Mark. Unter den Geschenken', die Gemeindemitglieder rvan machten, erregten Aufsehen das vom Vorstandsmitgliede Herrn I. Fleisch mann von weißem Atlas mit massiven Goldlettern versehene werthvolle rans sowie zwei kostbare Lampen als -u von Herrn I. Hertz. Ein Beweis davon, daß der antisemitische Geist keine Wurzel zu fassen hier vermochte, liefert nachstehendes Transparent, das bei der jüngsten Anwesenheit unseres Kaisers in hiesiger Stadt in einer Straße, die ausschließlich von Nichtisraeliten bewohnt wird, angebracht war; dasselbe lautet: „Ein Vivat-hoch dem deutschen Reich, „An Kühnheit reich, dem Adler gleich; „Mög's täglich neu sich stärken! „Doch Gott behüt's vor Klassenhaß „Und Racenhaß und Massenhaß „Und derlei Teufels werken!" *) Italien. Turin. Signor Salvador Luzz atti, in Easale geboren, welcher am 9. v. M. gestorben, hat verschiedenen Wohlthätigkeits- und Erziehungsalfftalten dahier 40,000 L., ebenso an römisch - kathol. Institutionen 22,000 L. hinterlassen. F r a n k r e i ch. Paris. Der Artillerie-Oberst a. D., Herr Gabriel Salvator, hat von dem Proviuzial-Ackerbauverein in Tours eine hohe Auszeichnung als Anerkennung seiner Verdienste für die Landwirthschaft erhalten. (Arch. Jsr.) *) 2Nun. der Heb.: Tiefe schönen, drastischen Verse und brkannrlich von Victor v. Lcheifel.