Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1881)
- Date
- 1881-10-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1047 daß er noch lange nach zurückgekehrter Geistesthätigkeit sich nicht bewegen, geschweige denn das Bett verlassen konnte; allein allmählich trat auch hierin mit göttlicher Hilfe eine Besserung ein, und jetzt ist er — sei Lob und Preis dafür! — vollkommen hergestellt. Wie uns nun seine Krankheit und die Hoffnungslosigkeit seines Zustandes mit Schmerz und Trauer erfüllte und unter der Aegide des Gefertigten die ganze Gemeinde, Männer und Frauen, Greise und Jünglinge am 1. Tage nos D"nm v I. gramgebeugt, unter heißen Thränen und in einer weihevollen Andacht, die mir unvergeßlich bleiben wird, Psalmen (o^nr) betete und für die Rettung ihres geistlichen Oberhauptes flehete, so herrscht jetzt Freude und Jubel in unsrer Mitte darüber, daß Gott unser Gebet erhört, uns unfern verehrten Herrn Rabbiner erhalten, ihm Heilung und Genesung gewährt hat. ( Freudig erregt versammelten wir uns daher vollzählig in der altehrwürdigen Synagoge, wo der hochgeehrte Herr Rabbiner nach 1'^jähriger Unterbrechung wieder predigen wollte. Und als er mit vor innerer Bewegung bebender Stimme seine Rede einleitete mit den Worten myi on»» n-oa am ^aa 'n mw, als er Gott für die wunderbare Rettung und der Gemeinde für die warme Theilnahme seinen Dank aussprach, da blieb kein Herz ungerührt, kein Auge trocken, und alle Anwesenden priesen im Stillen Gott, der sich als Helfer in der Roth gezeigt hat. Im weiteren Verlauf der an innerem Gehalt und äußerer Vollendung der Form gleich ausgezeichneten Predigt knüpfte der verehrte Redner an die Stelle in Jesaia 38, 9. -,-v ton 'n ’n an und erläuterte die Wiederholung des Wortes ’n dahin, daß Derjenige, der einer Todesgefahr entronnen, gleichsam zum zweiten Male das Leben empfangen bat, oder daß der Mensch, der nicht nur vegetirt, sondern auch ein geistiges, also ein zweifaches Leben besitzt, der sei insbesondere Gott zu Dank verpflichtet. Aehnlich und auf sich und seine Genesung anwendend erklärte er den Schlußvers 'n n-a nby« o mw no Chiskia sprach: Welches ist das eigentliche Zeichen meiner gänzlichen Wiederherstellung? Daß ich das Haus Gottes wieder besuchen, meinem Gotte dienen kann, also auch ein geistiges Leben führe. Und wie der verehrte Redner seine Ansprache schloß, indem er die Gemeinde segnete pan ranaa '%no '/. pp ndi’ */. mno ’-'üdd '2 «nnoisa alpinen oon« v"N oa1? {tv v"n, so wünsche ich aus voller Seele, daß Gott auch ferner mit ihm sei und ihm Kraft und Stärke verleihe, damit er noch lange wirke zur Ehre Gottes und Israels und zum Wohle unsrer Gemeinde, und sich an ihm bewähre #n vpi na M L. Kohn, Rabb.-Assessor. Feuilleton. Geschichte der Juden in Trier. VII. Wenn die Inden wirklich Roth, Elend und Verarmung unter den Einwohnern des Erzstifts Trier erzeugt hätten, so hätten jetzt Sorglosigkeit, Glück und Reichthum wie Pilze aus der Erde schießen müssen, da Alles geschehen war, um die Juden aus dem Trier'schen Lande gewaltsam zu entfernen. Seitdem im Jahre 1592 die letzten Zurückgebliebenen geächtet wurden und ihr Hab und Gut der allgemeinen Plünderung preisgegeben worden war, geschieht in den Urkunden der folgenden 5 Jahre der Juden keinerlei Erwähnung. Die von dem Abzug der Juden erhofften goldenen Zeiten waren aber nicht nur nicht gekommen, sondern die Verhältnisse gestalteten sich so traurig, daß Johann v. Schoeneberg im Jahre 1597 selber wieder zu den Juden seine Zuflucht nehmen mußte. „Alle Commercien waren in Abgang gerathen, welches letzlich gemeiner Landschaft weniger nit als uns selbsten beschwerlich fallen will." Die gemeine Landschaft hatte seiner Zeit unterthänigst um Belastung der Juden gebeten, aber ohne Erfolg. Da die von den vertriebenen Juden dem Erzbischof zugefallenen hinterlassenen Güter während der inzwischen verstrichenen fünf Jahre längst aufgezehrt waren, irgend ein Ersatz für die ausgefallenen Judengelder aber nicht eingetreten war, so findet man auch die den Erzbischof selber berührende Beschwerlichkeit ganz begreiflich, zumal „bey den immerwährenden, hochverderblichen Kriegsbeschwernussen, so sich sowohl in Frankreich, Niederlanden, alß dem Erzstift Cölln mit eusserstem Verderben aller angrentzenden stenden des heiligen Reichs erhalten". „Diese Beschwernisse," heißt es in einer Kundgebung des Erzbischofs und Churfürsten d. d. Trier, 8. November 1597, „haben wir uns nicht unbillig zu Herzen gehen lassen und nach vorangehender reiflicher Berathschlagung uns dahin endlich entschlossen, zum sonderbaren (!) Trost unserer Landschaft, die Judenschast, die sich gegen unsere ausgegangenen Mandate und Befehle, wieder emzuschleichen unterstehet, durchaus abzuschaffen, welche Mandate wir zu diesem Ende hiermit wiederholt haben wollen, mit ernstlichem Befehl dieselben steiff zu halten und die Uebertreter in gebührliche Strafe zu nehmen." Mit diesem sonderbaren Trost wäre nun der Landschaft in der That wenig gedient gewesen. Er war aber in Wirklichkeit auch nur eine einleitende