Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1881)
- Date
- 1881-10-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1041 zeigen. Auch sind die aufgelaufenen Spitalskosten von Paris aus seinerzeit vollständig ersetzt morden. Wien. Dem 20. Jahresberichte des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien entnehmen wir, daß er im verflossenen Studienjahre 845 Studirende mit 3445 fl. unterstützte, gegen 2633 fl. im Vorjahre. Es wäre zu wünschen, daß die Mittel des Vereins mehr zunehmen, damit er den wachsenden Ansprüchen der Hilfe suchenden Studirenden genügen könne. Wien. Der Gastwirth Herr Joseph Poliwka (Ober Donauftraße), in dessen Local sich gestern Abends bei Abhaltung der jüdischen Festgottesdienstes die unliebsame Störung ereignete, daß plötzlich die Gasflammen j erlöschten, gibt die Erklärnng ab, daß er selbst diesen Zwil schensall anss lebhafteste bedauerte und somit weit entfernt davon war, eine soche Störung absichtlich herbeizuführen. Es habe der Gasometer, wie schon früher bei anderen Versammlungen, schlecht functionirt, und er werde — schon im Interesse seines eigenen Renommees als Geschäftsmann — dafür Sorge tragen, daß ähnliche Vorkommnisse in Zukunft sich nicht in feinem Locale ereignen. Wien. Das k. k. Landesgericht als Preßgericht hat auf Antrag der k. k. Staatsanwaltschaft erkannt, daß der Inhalt der Druckschrift: „Die Juden als Menschen und Bürger in politischer und socialer Beziehung. Von Austriacus. Wien 1881" seinem ganzen Unfange nach das Vergehen nach § 302 *St-G. (Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen Nationalitäten, Religiotisgenossenschaften und Körperschaften) begründe und das Verbot der Weiterverbreitung dieser Druckschrift nach § 493 St.-P.-O. verfügt. Brodh, 10. Oct. Ein Communiquö der Pol. Corr., welches die Bestimmung hat, die von Ihnen gebrachten Mittheilungen zu rectificiren, welche sich auf die Störungen bezogen, denen das Werk des Pariser Comitß des secours behördlicherseits begegnete, bedarf selbst der Berichtigung. Den Delegirten des genannten Comit^s liegt nichts ferner, als die einheimische Bevölkerung zur Auswanderung zu animiren, indem sie und ihre Hilfskasse reichlich von der rusischen Emigration in Anspruch genommen werden und noch lange brauchen, bis diese Mission vollendet ist. Im Gegentheil werden mit aller Strenge heimische Elemente ausgeschlossen und bei Abgang der Züge durch einen Beamten der städtischen Polizei sowohl als des israel. Gemeindevorstandes abermalige Nachschau gehalten, ob sich nicht das eine oder andere Individuum unberechtigt in den Kreis der Auswanderer einzuschmuggeln versuche. Es ist somit eine tendenziöse Entstellung der Wahrheit, wenn der Korrespondent des officösen Organs behauptet, daß Einheimische und sogar Militärpflichtige Aufnahme finden. Blos die aus Rußland gehetzten Juden trachten sobald als thunlich den Ocean zu erreichen und einer neuen Heimath zuzusteuern, zu welchem Zwecke das Comit6 des secours in humaner Weise namhafte Beträge opfert, ebenso wie d e beiden aus Paris hier weilenden Herren Charles Netter und Dr. Schafir ihre Zeit und Mühe dem Werke der Nächstenliebe opfern, nicht um Oesterreich, speciell Galizien einige Staatsangehörige zu entführen, sondern um den heimathlos gewordenen, verfolgten und beraubten russischen Juden zu einer halbwegs erträglichen Exifte z zu verhelfen. Schweiz. Zürich, 16. Oct. Sie haben in Ihrem gesch. Blatte den Bericht des Tageblattes der Stadt St. Gallen über die dortige Synagogen-Einweihung abgedruckt, in welchem mir eine für einen Israeliten, insbesondere aber für einen Rabbiner unpassende Aeußerung über den Stifter der christt. Religion in den Mund gelegt wird. Da jener Bericht wohlwollend geschrieben war, unterließ ich aus naheliegenden Gründen jede Berichtigung. Auch von Ihnen, verehrter Herr Redacteur, erbitte ich mir die Berichtigung erst heute, nachdem Ihnen der Wortlaut meiner Tischrede von meinem Verleger zugeht. Sie ersehen daraus nicht nur, daß ich jene Worte nicht gesprochen, sondern daß ich im Gegensätze zu den sehr unjüdischen Worten des Herrn Guttmann das Festhalten an den Gebräuchen betont habe. Wenn Sie jene Stelle meiner Rede veröffentlichen, wird Ihnen zu großem Danke verpflichtet sein Ihr ergebenster Dr. Kisch. (Wir werden darauf zurückkommen. Red.) Holland. Amsterdam, 18. September. Einen: hiesigen Brautpaar ist es endlich gelungen, Jemanden zu finden, welcher seine Ehe nach dem jüdischen Gesetze einsegnete. Holländische Rabbiner hatten die Vollziehung dieser Trauung aus dem Grunde verweigert, weil der Bräutigam eiu iro und seine Verlobte eine Chaluzah war. In Deutschland hat sich hierzu ein Herr Risch aus Emmerich bereit erklärt und dem Paare am vergangenen Donnerstag iic-npi nein gegeben. Herr Risch ist sm anon d’D’ und vrE daselbst. Ob der Synagogen - Vorstand ihn für die Folge noch wird vorbeten und als Schochet fungiren lassen, ist mir nicht bekannt. In der hiesigen Gemeinde erregte diese Angelegenheit großes Aufsehen und war am Samstag dusj 's das allgemeine Tagesgespräch.