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Der Israelit · 1881-10-19 · Heft 42 (19.10.1881) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 42 (19.10.1881)
Date
1881-10-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1040 chandecken 2c.) von Isidor und R o s a l i e R e i t e r, Breslau, Unterbär Sir. 1, ist abermals um eine hohe Auszeichnung reicher geworden. Se. Maj. der Kaiser von Oesterreich haben geruht, dieser Firma in Anerkennung ihrer großartigen uno kunstvollen Leistungen auf dem Gebiete der Stickerei die goldene Verdienstmedaille zu verleihen, was wir gerne zur öffentlichen Kenntniß bringen. Stolp, 10. Oct. Die Bestrafungen von Personen, welche sich an den am 1., 2. und 3.Sept. in Stolp stattgehabten antisemitischen Ausschreitungen betheiligt haben, scheinen noch nicht tihr Ende erreicht zu haben. Gestern verhandelte daselbst wieder das Schöffengericht gegen einen Angeklagten, den Schneidermeister Albert Saack aus Stolp, beschuldigt des Widerstandes gegen die Staatsgewalt am Abend des 3. Sept. lnämlich gegen den Bürgermeister Stößel und den Polizeiinspector Brock tit Ausübung ihres Amtes) und der öffentlichen, durch Worte geschehenen Beleidigung des Bürgermeisters Stößel. Das Strafmaß wurde auf 2 Monate Gefängniß für beide Vergehen bemessen, dagegen aber 1 Monat Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Bremen, 17. Oct. Der Kandidat der hiesigen Conservativen, Herr von Kuss er ow, Geheimer Regierungsrath im Ministerium des Auswärtigen zu Berlin, sagte in seiner Candidatenrede unter Anderm Folgendes: „Wenn nun aber — und das muß ich ausdrücklich hier aussprechen — die Massen gegen die Juden fanatisirt werden, so halte ich das für verwerflich; und wenn gar Geistliche sich daran betheiligen, so profaniren dieselben ihren Beruf und prostituiren das Christenthum. (Lebhafter Beifall.) Bischofswerder, 4 Okt. Wir haben mitgetheilt, daß die Polizei sich veranlaßt gesehen hat, den ersten Anfängen einer Judenhetze am hiesigen Orte energisch entgegenzutreten. Wie dankenswerth diese Vorsicht war, welche die konservativen Blätter wie üblich zu den heftigen Ausfallen veranlaßte, geht aus der dem „Ges." gemeldeten Thatsache hervor, daß bei Beginn des Versöhnungsfestes, obwohl ein Sicherheitsposten vor die Syttagoge gestellt worden war, eine häßliche Ausschreitung vorkam. Es folge ein Zügelstück durch die Fenster der Synagoge und einer der Andächtigen wurde so hart an den Kopf getroffen, daß er ohnmächtig zu Boden fiel. Die Synagoge wurde deshalb schon um 7 Uhr Abends verlassen und geschlossen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 2. Oct. In der oberen Donaustraße Nr. 39 wurde heute in dem Gartensalon des Gasthauses „zum Arcier" aus Anlaß des Vorabends des jüdischen Versöhnungstages ein Festgottesdienst abgehalten. Der Wirth, Herr Powilka, hatte den Salon für den Abend zu diesem Zwecke vermiethet. Während der Gottesdienst noch fortdauerte, erloschen plötzlich alle Gasflanimen, weil draußen die Leitung abgedreht worden war. In Folge dessen bemächtigte sich des Publicums in dem finsteren Raume die größte Verwirrung, die um so größer wurde, als das Verlassen des Salons durch den Mangel an Licht nicht ohne Gefahr möglich war. Man zweifelte nicht daran, daß der Wirtb diesen Streich absichtlich verübt habe. Dieser Anschauung wurde unter wenig schmeichelhaften Worten für Herrn Powilka laut Ausdruck gegeben. Dieser erschien nun mit Zornesrufen in dem Gartensalon und schlug in der Dunkelheit auf's Gerathewohl um sich, wobei er mehrere Personen empfindlich traf. Diese konnten sich nicht wehren, weil sie riskiren mußten, statt des Schuldigen ihre Genossen zu erreichen. Der Lärm vergrößerte sich, eine Menschenmenge sammelte sich vor dem Hause, und der Frau, sowie den Kindern des Wirthes, welche besonnener zu sein schienen, gelang es endlich, denselben zum Verlassen des Locales zu bewegen. Powilka stellte in Abrede, daß er das Verlöschen der Flammen bewirkt habe; aus Aeußerungen der Frau, welche sich über die zu lange Dauer der Andacht beklagte, war jedoch zu vermuthen, daß auf diese Weise der rasche Schluß der Versammlung herbeigeführt werden sollte. An eine Fortsetzung des Gottesdienstes war natürlich nicht mehr zu denken, und die Beter entfernten sich sämmtlich. Die Sicherheitswache, die auf dem Platze erschienen war, als der Wirth sich bereits zurückgezogen hatte, begnügte sich vorläufig, den Fall zu notiren. Wien. Die kurze Erzählung, welche wir von dein Schicksale dejungen Barons W. aus Paris, der in Wien starb, gegeben haben, ist natürlich in den betheiligten Kreisen mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen worden. Man vereinigt sich in der Ansicht, daß der brave Trödler, welcher, obwohl selbst unbemittelt, den verlassenen Pariser so menschenfreundlich unterstützte, wohl verdiene, öffentlich genannt zu werden: es ist Herr Moritz Wiener, Neustiftgasse 12 (Neubau). Zugleich möge erwähnt werden, daß um die Verpflegung und Unterbringung des Kranken sich auch Herr Ludwig R., der Bruder des im ersten Berichte besprochenen Hofdieners, Verdienste erworben hat. Die evangelische Gemeinde endlich hat die Bestattung des jungen Mannes unentgeltlich in würdigster Weise ausführen lassen. Zugleich theilt man uns mit, daß die Pariser Familie des hier gestorbenen Baronö W. es sich angelegen sein ließ, den meisten Personen, deren humane Thätigkeit in btcfettt Falle ihr bekannt wurde, sich erkenntlich zu

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