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Der Israelit · 1881-10-19 · Heft 42 (19.10.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 42 (19.10.1881)
Date
1881-10-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1039 untrem Rabbiner erwählt. Möge sein Wirken ein segenvolles sein, möge durch ihn der alte Ruhm unsrer Stadt auch in jüdischer Beziehung wieder hergestellt werden! Karlsruhe, 4. Oct. Man schreibt uns: Im Gegensatz zu den vielen in letzter Zeit vorgekommeueu Fällen von Intoleranz oder gar Feindseligkeit gegen die Juden verdient das Vorgehen der badischen Regierung anläßlich der auf gestern angesetzt gewesenen Wahlen in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Das Staatsministerium wurde auf privatem Wege daraus aufmerksam gemacht, daß am heutigen Lage viele jüdische Wahlmänner wegen des hohen Feiertages ihr Wahlrecht nicht ausüben würden. Das Ministerium ermächtigte daraufhin die Wahlj Kommissäre, den Tag zu verlegen, wenn sie dies : mit Rücksicht aus etwa vorhandene jüdische Wahlmäniier für passend erachten sollten. Es wurden! denn auch die hiesigen Wahlmänner (obschon sich! unter ca. 230 nur 9 oder 10 Juden befanden) be- ■ uachrichtigt, daß die Wahl „wegen des ans den 3. ' Ccto&er fallenden israel. Feiertages" auf den 6. Oc- :ober verlegt sei. Ebenso soll der Wahltag in Eonnanz verlegt worden sein. Berlin, 18. October. Heute übergab der bisherige Rektor Professor Hof mann das Rektorat der Universität an den Professor Kurtins. Prof. Hofmanu erwähnte des Mißtons, welcher den studennschen Verkehr gestört habe. Er wolle nicht untersuchen, wie der Geist der Unduldsamkeit einreißen tonnte, müsse aber berichten, daß der Senat gegen diesen seltsamen Anachronismus allen Ernstes habe ckuschreiten müssen, zu feiner Freude aber die Rückkehr des gesunden Zinnes der Kommilitonen wahrzenommen habe, die sich überzeugt, daß sie ihre schöne Jugendkraft anders zu bethätigen haben, als auf den Bahnen religiöser und socialer Theorien. Nit dem Wunsche, daß der Geist des Friedens und der Versöhnlichkeit die Universität dauernd belebe, schloß der Bericht. Neumark (Westpreußen). dod mx. Die letzten Tage des nunmehr verflossenen Jahres haben unsere Gemeinde in tiefe Trauer versetzt, indem nach uinfmonatlichem Leiden die Zierde derselben, unser langjähriger pflichtgetreuer -y.-o mn u/'tpi y"w £ütrmann in seinem 77. Lebensjahre dieser Erde cutrückt wurde. 54 Jahre hat er am hiesigen Orte tckebt, so zu sagen die ganze jetzt bestehende Gemeinde erzogen, Allen als ivn p'iu vrx vorgetuchtet und sein Amt 44 72 Jahre ruiDNa verwaltet. Geboren in Polen, wurde er als I2jähriger Knabe 'an seiner Mutter zu Verwandten nach Westpreußen , gebracht, wo er mim erzogen wurde. Rach-! dem er mehrere nu»»» besucht hatte, bildete er sich, ' da er für liturgischen Gesang besondere Vorliebe hatte und mit einer angenehmen Tenorstimnle begabt war, zum nn aus. Wie hat er als solcher; seine Zuhörer bezaubert, und wie drang sein ernstes : „Wort^ in Mark und Bein. Die härtesten Schickj salsschläge ertrug er mit Geduld und keine trübe j Stunde konnte ihn im Vertrauen auf Gott und in j der Liebe zu unserer hl. mir, die er i’n 'w -r; pflegte, wankend machen. Bei lOiglücksfällen, die i einest andern vielleicht der Verzweiflung oder dem : Trübsinne nahe gebracht hätten, schwebte ans seinen! Lippen das Wort unserer Weisen (die er besonders verehrte und liebte) Tsy rar xjem -njn .-.e -r. Wenn er mit Roth zu kämpflm hatte, so sagte er sich unzählige Male *oud a:v «-\n arm p und begnügte sich für sich und die Seinigen mit dem Allernothwendigsten. So erzog er seine Kinder in Tugend und Gottesfurcht zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft und stand in Ehren und Achtung weit über die Marken unserer Stadt hinaus. Für jeden Armen und Leidenden, namentlich für arme min m verwendete er sich, soweit es nur möglich war und spendete selbst von seinem sehr geringen Einkommen. Die ^Sefcr des „Israelit" werden seinen Namen bei allen Sammlungen für oder sonstige i Unglucksfälle in Gemeinschaft mit seinem Busest- - freund b'vix Henschke gefunden haben. Er schrieb ein schönes Hebräisch und war in seiner Ju- : gend ein Kalligraf selbst in Qnadratschrift. Von dieser seiner Kunst zeugen mehrere Schriftstiicke in unserer Synagoge, namentlich ein sog. Konteros mit! einer n-veD ein wahres Meisterstück. Die Gemeinde l ehrte sein frommes, bescheidenes Wirken bei seiner! Versetzung in den Ruhestand, wie dieses in diesem I Blatte. Jahrgang 1872, zu lesen war. Die Bei theiligung an seinem Leichenbegängnisse an Mittwoch! den 21. v. M. war natürlich eine sehr! große. In seiner antiken Bescheidenheit hatte sich der fromme Mann in einem von ihm selbst geschriebenen, hinterlassenen Testamente eine jede Lobpreisung am Grabe verbeten und auch genau niedergeschrieben, was einst auf seinem Leichensteine stehen soll. Der älteste seiner Söhne, die seiner Bahre folgten, Herr Religionslehrer und Prediger Sturmann aus Osterode (Ost-Preußen) that dieses am Grabe der Versammlung kund und sprach an einen »-no anknüpfend noch einige Trostworte zu seinen Geschwistern und der Gemeinde. Das Andenken des Verewigten wird, sowie sein Namen “nn lautete, ein gesegnetes in unserer Gemeinde blciben. Breslau. Tie berühmte Gold-, Silber^ Seiden- und Knnstslickerei (Specialilät Pranches, Lckml-

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