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Der Israelit · 1881-10-19 · Heft 42 (19.10.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 42 (19.10.1881)
Date
1881-10-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1038 zug auf das, was sic verfehlt haben, zu Rede zu stellen und sic zu ermahnen, künftige Fehler zu vermeiden. Die Antisemiten reden sehr viel von der Solidarität der jüdischen Interessen, von der Verbindung,! welche alle Juden auf dem ganzen Erdenballe haben sollen, um gegenseitig für ihren gemeinsamen Nutzen zu agircn. Unsere Leser wissen, daß das Lug und Trug ist, daß eine solche Verbindung nicht existirt. Auch die „Alliance Jsraelite Universelle" hat ganz andere Ziele. Sic will der Unterdrückung unsrer Glaubensgenossen cntgcgenarbeiten und in den uncivil flirten Ländern den Bildungsgrad derselben heben. Eine Verbindung der Juden untereinander zur Erlangung materieller Vortheile oder zur Gewinnung von Macht und Einfluß hat cs nie gegeben. Aber es gibt eine andere Solidarität der jüdischen Jnlcressen .-nb m omy nx-w' ■jr. Das Band, welches uns Alle umschlingt, ist unsere heilige Religion. Was für sie von dem Einzelnen geschieht, kömmt der Gesammtheit zu Gute; was gegen sie von dem Einzelnen gefehlt wird, gereicht der Gesammtheit zum Schaden. Daraus entspringt für Jeden von uns die heilige Pflicht, den sündigen Bruder zurecht zu weisen und den irrenden zu belehren. Auch das ist ein Factor in der historischen Weltstellung der Juden, daß jede Sünde sich sofort rächt und daß dadurch Anlaß und Gelegenheit ge-! boten wird, die Fehler zu erkennen und sie zu beseitigen. Wenn irn menschlichen Körper sich ein Krankheitsstoff entwickelt, und der Mensch beachtet ihn nicht, so wird die Krankheit immer mehr um sich greifen, bis sie den ganzen Organismus untergraben hat und den Tod herbeisührt. Ergreift man aber frühzeitig die rechten Mittel dagegen, werden die Ursachen der Krankheiten entfernt, so können in den meisten Fällen Leben und Gesundheit gerettet werden. Gerade so verhält cs sich auch mit den geistigen und sittlichen Zuständen der Menschen und Völker. Es ist daher eine besondere Gnade Gottes für uns, daß die Strafe schon bald der Sünde folgt, und daß wir dadurch auf das Krankhafte in unsrem geistigen und sittlichen Leben aufmerksam gemacht werden. Die großen Ideen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit haben die Ghetti-Mauern gestürzt und die Schranken im socialen und politischen Leben niedergerissen. Die Emancipationsbestrebungen in der ersten Hälfte des gegenwärtigen Jahrhunderts haben Viele zu dem Wahne verleitet, daß die volle bürgerliche Gleichstellung durch das Aufgeben eines Theiles der Gottesgebote erkauft werden müsse. Es wuchs dann ein Geschlecht heran, welches den Sabbat entweihte, die Speisegesetze verachtete und sich vom positiven Judenthume loslöste. Nachdem das lstnunlische Joch einmal abgeworfen war, kannte der Geist überhaupt keine Schranken mehr. In den großen politischen Zeitungen, welche von den Antisemiten als „die Jndenpresse" bezeichnet werden, wurde die jüdische Religion mehr verhöhnt, verspottet, angegriffen. als irgend welche Einrichtung der verschiedenen christlichen Eonfessionen. Alle Mahnungen aus jüdischen Kreisen verhallten ungehört und unberücksichtigt. Nun kommen die Judenfeinde und greifen das gesammte Judenthum an. Es ist einmal so; für die Thaten und Worte des einzelnen Juden werden alle seine Glaubensgenossen verantwortlich gemacht, selbst wenn der Betreffende nur dem Namen nach, oder sogar auch dorn Flamen nach nicht mehr Jude ist. Auch die Abtrünnigen werden von unseren Feinden in unsre Reihen zurückgestoßen. und auch das liegt in den weisen Plänen der Vorsehung nu uoo rrr joip, daß sobald Niemand dem Judenthnm ganz und gar entfremdet werden kann. (Fortsetzung folgt. « Zeitungsnachrichten und Cvrrespondenzen. Deutschland. Negensburg,l7 Oet. Derr Iw. Seligmann Meyer'aus Berlin ist zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Regensburg, einst eine Haupt- und Muttersladt der jüdischen Diaspora, war ungefähr 300 Jahre ang den Israeliten verschlossen. Erst seit ca. 30 Jahren haben sich hier wieder Inden ansiedeln dürfen. Die Gemeinde zählt jetzt mehr als 150 jüdische Familien. Die hohe Regierung, in weiser Fürsorge für das geistige Wohl der hiesigen Israeliten, verlangte zu wiederholten Malen die Anstellung eines Rabbinen. Allein, die Parteien konnten sich nicht einigen, und so wurde noch vor einem halben Jahre der Beschluß gefaßt, sür's Erste von der Anstellung eines geistlichen Oberhauptes abzusehen. Da geschah es, daß kurz vor den Feiertagen der hiesige Cantor unwohl wurde. Man war genöthigt, einen rvvön für die D-N-njn d’O’ zu engagiren. Man schrieb die Stelle im „Israelit" aus, den Wunsch dabei äußernd, daß der Betreffende an den hohen Feiertagen auch predigen möge. Hierauf meldete sich Herr Dr. Meye i und wurde acceptirt. Durch seine wundervolle Stimme, durch seinen zur Andacht erweckenden Vortrag der Gebete, und namentlich durch seine geist¬ und gemüthreichen Predigten gewann sich Herr Di . Meyer alle Herzen und so wurde er beim Ausgange des zweiten Tages des Hüttenfestes einstimmig zu

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