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Der Israelit · 1881-10-05 · Heft 40-41 (5.10.1881) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 40-41 (5.10.1881)
Date
1881-10-05
Page
– (sequence 27)
Language
German
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1027 humanitäre Wirken dieses Vereines an edle Menschenfreunde, besonders aber an die löblichen Eultusgemeinden (namentlich in Böhmen), die dringende Bitte zu richten, die edlen Zwecke des israel. Freitisch-Vereines in Prag durch den Beitritt zu denselben als durch Spenden bei Familienereignissen und Festen nach Kräften fördern zu helfen. Direktor des Vereins ist Herr Rabbiner M. Adle r. Feuilleton. Geschichte der Juden in Trier. VI. Der fortwährend auf den Juden zu Trier lastende Druck, und die geringe Zahl von höchstens 00 Familien, die sich daselbst niederlassen durften, mußte auf die Entwickelung ihrer wissenschaftlichen Thätigkeit selbstverständlich lähmend einwirken. Während im Alterthum die Trier'schen Juden sich nicht nur in den svecifisch jüdischen, sondern auch in den allgemeinen Wissenschaften rühmlichst auszeichneteu, hatte die fortgesetzte Verkümmerung ihrer traurigen Lage auch auf die Entfaltung eines gedeihlichen jüdischen Gemeinwesens traurige Folgen, da es ihnen bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts sogar untersagt war, einen eigenen Rabbiner zu halten. Ueber die wissenschaftliche Bedeutung der Trierscheu Juden zur Zeit des zwölften Jahrhunderts sind uns noch vereinzelte Notizen erhalten. Erzbischof Bruno von Trier (1102-1124) der während seiner verschiedenen Krankheiten fortwährend eine große Zahl von Aerzten um sich hatte, besaß unter denselben auch einen sehr gelehrten Juden Namens Josue, der in der Physik sehr bewandert war, als vorzüglicher Mathematiker und Astronom galt und der, wie die Berichte aus jener Zeit angaben, die Wissenschaft der Hebräer und des Judenthums vollkommen beherrschte. Bruno umgab denselben mit militärischem Gefolge, zog ihn vor allen anderen durch Freundlichkeit und Liebe an sich, so daß er auch um sein Seelenheil besorgt war. Durch fortwährende Disputationen und Ermahnungen zum Zwecke seiner Bekehrung erreichte er endlich den gewünschten Erfolg, nahm selbst dessen Taute vor und legte ihm seinen eigenen Namen Bruno bei, überhäufte ihn mit Wohlthaten und Geschenken, damit er immer in Ueberfluß leben könne, da diese Art Menschen in Glaubenssachen so unbeständig sind!*) Die Disputationen und Ermahnungen I) Gest» Trevirorum Cap. 68. — Calmet Histoire de Lorraine I. Preuves Nr. 68. scheinen demnach nicht Kraft genug gehabt zu haben, den getauften Juden von der Wahrhaftigkeit seiner neuen Religion zu überzeugen. Bedenkt man, daß kurz vorher die im Jahre 1096 zum Christenthum zwangsweise bekehrte Trier'sche Gemeinde, wieder zum Judenthum zurückgekehrt war, so findet man die Bedenken wegen der Unbeständigkeit dieser Art Menschen in Glaubenssachen, sehr begreiflich. Goethe zu seinem Reineke Fuchs, erwähnt ferner eines Meister Abrion, Juden von Trier, als eines hervorragenden Kenners der deutschen Sprache, der vermuthlich um dieselbe Zeit lebte2). Diese wenn auch vereinzelt hervorragenden Persönlichkeiten bekunden hinlänglich den regen wissenschaftlichen Geist, der die Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Trier durchdrungen haben muß, der aber durch die Jahrhunderte lang fortgesetzte Verfolgung und Austreibung der Juden mehr und mehr zurücktrat. Selbst in der Zeit, in denen ihnen der Aufenthalt gestattet war, waren sie mit Steuern und Abgaben so sehr überbürdet, daß nur um diese zu erschwingen, es des ganzen Aufgebots ihrer Geisteskräfte bedurfte. Zn den Judensteuern und Schutzgeldern, die sie seit ihrer im Anfang des 16. Jahrhunderts im Erzstift Trier wieder gestatteten Niederlassung, sowohl dem Kurfürsten als auch den betreffenden Städten, in denen sie wohnten, zu entrichten hatten, kam im Jahre 1551 eine neue, besonders drückende hinzu, die unter dem Namen Reichs- oder Türkensteuer bekannt ist. Zufolge eines Beschlusses des jüngsten Reichstags zu Speyer wurden zu dieser Steuer alle Stünde des Reiches, sowie sämmtliche in den Städten und auf dem Lande befindlichen Einwohner ohne irgend eine Ausnahme herangezogen. Zu dieser Steuer mußten Alle ’/a Procent ihres wahren Vermögens beisteuern. Wer ein Eigenthum von weniger als 20 Gulden besaß, mußte 4 Kreuzer Steuer beitragen. Sogar alle geistliche Personen und Corporationen, Stifte, Kirchen, Klöster, Pfarreien und Pfründen mußten ein Zehntel ihrer Einkünfte zu diesen Steuern zahlen. Alle in Amt und Gehalt stehenden Erzstift- Trier'sche Unterthanen, desgleichen Knechte und Mägde mußten von ihrem jährlichen Diensteinkommen von jedem Gulden 1 Kreuzer Steuer entrichten. Die Juden jedoch mußten für jeden Kopf ohne Unterschied des Alters sogleich 1 Gulden und von dem Kapitalwerthe 2) Wyttenbach, in der Trier'schen Chronik v. Lahre 1818 S. 152 wirft die Frage auf, wer dieser Meister Abrion wohl gewesen sei. — Die in der Trier'schen Chronik v. Jahre 1822, S. 2 ausgesprochene Vermuthung, daß derselbe mit dem genannten Josue vielleicht identisch sei, entbehrt jeder Begründung. Die Stelle in Goethe ist daselbst angegeben: Reineke Fuchs II. Bd. seiner neueren Schriften. S. 358.

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