Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1881)
- Date
- 1881-10-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1018 auf die letzte Zeit schlecht bestellt und erst vor Kurzem gründete die Pariser Alliance eine vorzügliche, wohleingerichtete Schule, die wohl dazu beitragen wird, den Bildungsgrad dieses durch langjährige Unterdrückung und Verfolgung herabgekommenen Volkes zu heben-" Heusenstamm bei Offenbach, 13. September. In unserer kleinen Gemeinde fand heute die Einweihung der neuen Synagoge statt. An dieser Feier betheilgten sich fast sämmtliche Einwohner des Ortes und würde das innige Zusammenleben aller Conseffionen selbst die besten Anhänger Stöckers außer Fassung gebracht haben. Im Bethause nahm neben dem Rabbinen Herrn Dr. Formstecher, der hochwürdige kath. Geistliche seinen Sitz, an dessen Seite der Oberamtmann, der Bürgermeister und die Gemeinderäthe. Nachdem Herr Durlacher aus Frankfurt den lithurgischen Theil in ergreifender Weise vorgetragen hatte, bestieg Herr Dr. Formstecher die Kanzel und beleuchtete in einer trefflichen Weise das Judenthum, das keine politische Tendenz kenne und keinen Staat im Staat bilde, sondern einen Jeden, weß Glauben er auch angehören möge, gestatte, den Gottesdienst im Tempel mitzufciern. Der Redner schloßf mit einem ergreifenden Gebet für das Wohl des Kaisers und des Großherzogs. Nach der Feier begaben sich der Bürgermeister und der Gemeiderath in das Haus des Vorstehers Herrn Fürth, um dort an einem kleinen Imbiß Theil zu nehmen. Hier hatten wir Gelegenheit eine Rede zu hören, welche wir der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten können. Herr Gemeinderath O hlig schilderte in beredten Worten das gute Einvernehmen der verschiedenen Conseffionen des Ortes und hob speciell — im Hinblick aus die gegenwärtige verabscheuungswerthe Bewegung der Antisemiten hervor, daß das Verhältniß der christlichen Bevölkerung den Juden gegenüber seit seiner Kindheit ein äußerst cordiales gewesen sei. Die Beliebtheit und Achtung, die seine jüdischen Mitbürger mit Recht verdienen, bürgten für die ewige Dauer dieses Einvernehms. Er schloß mit den Worten: „Hier wird nicht gestöckert!" Herr Salomon Lcvy aus Frankfurt hob hervor, daß die civilisirte Residenzstadt von den Bewohnern eines unbedeutenden Dorfes die wahrhafte Menschenliebe erlernen könne. Herr Schwarzschild aus Frankfurt gedachte der dahingegangencn Lehrer Heusenstamms, die sich um die Erziehung vieler anwesenden Männer Verdienste erworben und hob die Verdienste des würdigen Vorstehers Herrn Fürth besonders hervor. Schließlich haben wir noch einer Widmung zu erwähnen, welche der anwesende Sohn des sel. Oberrabbiners Metz der israelitischen Gemeinde Heusenstamms zum ewigen Andenken überließ. Es war dies die hübsch eingebundene Rede, welche der sel. Oberrabbiner am 29. August 1829 bei damaliger Renovationsfeier der Synagoge hielt. — Dem Geber wurde der Dank der Gemeinde in herzlichen Ausdrücken zu Theil. Um 7 Uhr trennte sich die fröhliche Gesellschaft, da ein großer Theil der Gäste von Frankfurt zur Beiwohnung dieser erhabenen Feier erschienen war, und die Rückkehr antreten mußte. Zirke (Provinz Posen), im September. Wenn man in jetziger Zeit oft von Judenhetzen hört, so ist es erfreulich, auch vom Gegentheil berichten zu können. Am 14. d. M. haben wir unsere neu erbaute Synagoge eingeweiht. Zu dieser Feier waren nicht nur viele unserer Glaubensgenossen aus der ganzen Umgegend erschienen, sondern es fanden sich auch viele Christen, darunter adelige Rittergutsbesitzer und Königs, hohe Beamte, dazu ein. Nachdem die üblichen Gesänge vorgetragen waren, bestieg Herr Dr. Klemperer aus Landsberg a. d. W. die Kanzel und hielt die Weiherede, die etwa eine Stunde dauerte. Sämmtliche Anwesende waren hoch entzückt und erbaut von dieser Predigt. Man hörte von vielen, auch christlichen Anwesenden, daß sie gehoben und erbaut die Synagoge verlassen und gewünscht hätten, daß Herr Dr. Klemperer noch länger gesprochen. Auch unser Rabbinats-Candidat, Herr Cohn, bestieg die Kanzel und hielt eine kurze, jedoch sehr passende und sinnreiche Rede. Was die Synagoge selbst betrifft, so ist dies ein prachtvolles Gebäude, von den hiesigen Baumeistern nach einer uns von dem Herrn Adolph Baer-Goldschmidt in Frankfurt a. M. gesandten Zeichnung ausgeführt. Wir können nicht umhin, dem Herrn Adolph Baer, hier geboren, unfern tiefgefühlten Dank öffentlich dafür auszusprechen, daß er' uns mit Rath und That bei diesem Bau unterstützt hat. Letzterer kostet etwa 20,000 Mark. Herr Baer hat hierzu mehr als den vierten Theil dieses Betrages gesandt und versprach, später noch mehr für seine geliebte Vaterstadt zu thun. Der Allmächtige lohne es ihm. Nach Beendigung der Feier fand ein Festessen statt, zu welchem außer den Corporationsmitgliedern viele adelige Herren und hohe König!. Beamte erschienen waren. Den ersten Toast brachte der Königl. Landstallmeister Herr Oberstlieutenant v. Kotze auf Se. Majestät, unfern geliebten Kaiser, und den zweiten Herr Bürgermeister Linke auf Herrn Adolph Baer aus. Es wurden dann noch viele andere, ernste und witzige Toaste von verschiedenen Anwesen-