Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1881)
- Date
- 1881-10-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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- Tunis 2× ep/1048155
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XXII. Jahrgang. Zweite Beilage Nr 40 & 41 des Israelit. Zeitnttgsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 23. Sept. Die „Frankfurter Zeitung" vorn heutigen Datum enthält einen Artikel aus der Feder des Herrn Ernst von Hefse-Wartegg über die Inden in Tunis. Der Verfasser erzählt, daß er sich mehrere Monate in Tunis ausgehalten und daß ihm unter alt den Rassen und Völkern, die sich dort znsammengefunden haben, die Inden am interessantesten gewesen seien. Er beschreibt den schrecklichen Druck, unter welchem unsere Glaubensgenossen in Tunis bis vor kurzer Zeit gelitten und schildert den glänzenden Aufschwung, welchen sie in den legten IO Jahren genommen haben Der Verfasser berichtet, daß die Inden in Tunis streng nach dem jüdischen Ncligionsgefetze leben; dies hält ihn aber nicht ab, die wunderlichsten Dinge zu erzählen, die den Stempel der Unwahrheit an der Stirne tragen. Er schreibt unter Andrem wörtlich: „Während in Europa die Damen Alles daran setzen, sich einzuschnüren und so schlank als möglich zu zeigen, werden die Jüdinnen in Tunis, kaum daß ne das zehnte Jahr erreicht haben, durch Einsperrung in enge Räume und Fütterung mit fetten Mehlweisen und dem Fleisch von jungen Hunden einer systematischen Mästung unterzogen, als wären sie Straßburger Gänse. Binnen wenigen Monaten sind dann die zierlichen kleinen Mädchen zu unförmlichen Fettklumpen angeschwollen, die in Europa jeden Besitzer eines wandernden Museums zum reichen Mann machen müßten. Trotz der Versicherung des Verfassers, daß die Geschichte von der Fütterung der jungen Mädchen mit Hundefleisch eine ihm von Juden mitgetheiltc und von vielen Reisenden erwähnte und verbürgte Thatsachc sei, glauben wir sie ihm nicht. Juden, die, wie er selbst berichtet, am Sabbat nicht einmal ihr Sacktuch oder ihre Tabacksdose in der Tasche tragen, sondern das erftere um den Leib binden, die letztere sich durch einen Diener nachtragen lassen,! füttern ihre Töchter nicht mit .Hundefleisch, dessen j Genuß bekanntlich durch das jüdische Religionsgesetz j verboten ist. In der Hauptstadt Tunis leben circa 30,oou Juden; viele sind Handwerker; andere nehmen ein-; slußreiche Regierungsstellen ein. so ist z. B. ein Schatzmeister des Vey ein Jude. Es gibt viele Aerzte, Languicrs, Kauflente, Geldmakler und Advokaten unter ihnen, die mit der Regierung Geschäfte machen und sich auch im Vergleich zu ihren arabischen Berufsgenossen einer viel einträglicheren Praxis erfreuen. Ueber den vielen Rationen und Rassen, aus deren Vertretern sich die Bevölkerung der interessanten alten Piratenftadt zusammensetzt, sind die Juden die zweitzahlreichste und unstreitig die schönste Rasse. Wohl rühmt man vielfach die Schönheil der Mauren, aber die Letzteren sind in der Regel viel zu wohlbeleibt, und von zu ausgesprochenen weiblichen Zügen, um für männlich schön zu gelten. An schönen Abenden hat man auf der großen Promenade von Tunis, der Marina, Gelegenheit, Vergleiche anzustellen. Kabylen, Mauren, Vandalen, Beduinen, Türken, Europäer aller Rationen, drängen sich da im bunten Gewimmel. Den Inden wird man durch seine Tracht, wie durch sein Aussehen sofort heranskennen. Groß, kräftig gebaut, mit regelmäßigen, man möchte sagen edlen Gesichtszügen und stattlichen Bärten, zeigen sie sich in der ihnen eigenthümlichen, malerischen Tracht nur noch vortheilhafter. Sie sind darin lange nicht mehr an gewisse Gesetze gebunden wie früher, aber sie scheinen die angestammte Tracht dennoch bewahren zu wollen. Nur die Kopfbedeckung haben sie gewechselt. Früher war ihnen nur ein schwarzer Turban gestattet, heute haben sic den rotheitzFez adoptirt; dazu kommt eine hellfarbene, reich mit Stickereien gezierte kurze Jacke, die vorne osten ist; hellfarbene, aber bei den altern Leuten noch immer dunkelblaue, faltenreiche Beinkleider, die unter dem Knie festgehalten werden, endlich weiße Strümpfe und Lackleder-Pantoffeln. Ein breiter, gewöhnlich reich gestickter Shawl umschlingt die Lenden. Im Winter tragen sie überdies einen lichtblauen Radmantel, den sie im Sommer durch einen zarteren, blendend weißen Ueberwnrf, den R'fara, ersetzen. Ter Verfasser rühmt die große Wohlthätigkeit der Tunesischen Juden. „Arme Kranke werden verpflegt; dock mangelt es noch an einem Hospitale." Der Verfasser wünscht, daß die Glanbensgenosten in Europa ein solches Herstellen möchten. — „Mir dem